Steelers-Coach Brittig will aussortieren
Bietigheim (js) – Das war wohl nichts! Mit null Punkten hat Eishockey-Zweitligist SC Bietigheim-Bissingen nach der Skoda-Cup-Pause einen denkbar schlechten Start in die restliche Saison hingelegt. In Kassel unterlagen die Schützlinge von Christian Brittig knapp mit 2:3, zuhause gab es ein 1:7-Debakel gegen Aufsteiger Ravensburg.
Nach dem Spiel gegen Ravensburg wirkte SCB-Trainer Christian Brittig äußerlich erstaunlich gefasst. Und auch seine Worte kamen sehr ruhig daher, jedoch mit einer unglaublichen Schärfe und Härte, die wohl Glas zerschnitten hätte. „Die Bewegung ohne Puck war eine Katastrophe. Das Defensivverhalten, das eigentlich unsere Stärke in den letzten Wochen und Monaten war, war nicht vorhanden. Das werde ich mir so nicht gefallen lassen. Seit Kelly und Jacques verletzt sind, ist keine Konstanz mehr in der Mannschaft. Darauf muss ich jetzt sofort reagieren.“ Wie diese Reaktion aussehen wird, hat der Trainer dann auch gleich verraten: „Ich werde noch ein, zwei Spieler aus dem Nachwuchsbereich holen und andere, die meinen, sie sind nur hier, um ein gutes Geld zu verdienen, die gehen raus.“
In den ersten Minuten gegen Ravensburg hatte es allerdings nicht so ausgesehen, als müsste der Trainer den Dampfhammer herausholen. Doch zunächst zum Freitagspartie, in der die Steelers dem Tabellenführer Kassel Huskies alles abverlangten. Mit einem mühsam erkämpften 3:2 blieben die Punkte zwar wieder bei den Nordhessen, doch die Grün-Weißen hatten die Schlittenhunde reichlich geärgert. Alexander Serikow hatte zunächst quasi aus dem Nichts zum 1:1 ausgeglichen (16.). Im aus Steelers-Sicht deutlich stärkeren zweiten Drittel gingen die Brittig-Schützlinge dann sogar durch ein Powerplay-Tor von Steve Washburn in Führung (29.). Doch mit etwas Glück – das 3:2 fiel eine Sekunde vor der Pausensirene – drehten die Gastgeber das Ergebnis wieder und brachten es im Schlussdrittel schließlich über die Zeit.
In den ersten Minuten des Heimspiels knüpften die Bietigheimer dann durchaus an die Leistung von Kassel an. Bei zwei dicken Chancen durch Rod Hinks und Jubilar Dirk Wrobel hätten sie sogar in Führung gehen können. Doch spätestens als nach knapp acht Minuten der Ex-Steelers-Torjäger Robert Brezina völlig freistehend das 1:0 erzielt und ihm Torhüter Marko Suvelo dabei noch freigiebig die kurze Ecke offen hielt, war es vorbei mit der Bietigheimer Herrlichkeit. Bei den weiteren Treffern war Suvelo dann allerdings machtlos. Von seinen Vorderleuten wurde er viel zu oft sträflich allein gelassen. Beim 0:2 passte Petri Kujala zunächst unbedrängt von der Bande hinterm Tor und auch Derek Switzer und der Torschütze Mike Dolezal wurden bei ihren Versuchen kaum bedrängt (18.). Mit schöner Regelmäßigkeit wurden die Gäste anschließend regelrecht zum Toreschießen eingeladen. Beim 0:3 ließen sich Teemu Kesa und Steve Washburn neben dem eigenen Tor von Robert Brezina die Scheibe abjagen, Ron Newhook sagte Danke (26.). In der 31. und 46. Minute durfte noch einmal Brezina etwas für seine Statistik tun. Die Bietigheimer Fans nahmen es längst mit Sarkasmus. Nach jedem Ravensburger Tor skandierten sie „Ausgleich, Ausgleich!“, und nach dem 0:6 durch Andrej Kaufmann (50.) und den 0:7 durch Switzer (55.) folgte sogar ein „Oh, wie ist das schön“. Als schließlich Dan Heilman 65 Sekunden vor dem Ende wenigstens noch der Ehrentreffer gelang, nahmen die Fans ihr Team vollends auf die Schippe. „Jetzt geht’s los“, schallte es durch das ansonsten stille Stadionrund. Doch natürlich war das Einzige, das noch losging, der kontrollierte Wutausbruch von Coach Christian Brittig.
Wo viel Schatten ist, muss jedoch irgendwo auch ein wenig Licht sein. Und das kam an diesem Abend fast ausschließlich von Bietigheimer Eigengewächsen. René Schoofs, Steffen Bischoff, Dirk Wrobel und Barry Noe waren beinahe die Einzigen, die sich über die gesamten 60 Minuten mit viel Einsatz gegen das drohende Debakel stemmten. Genau deshalb will Brittig nun auch noch stärker auf den eigenen Nachwuchs bauen. Denn am kommenden Wochenende gegen München (9.) und in Riessersee (6.) müssen Punkte her. Ansonsten muss man im Ellental noch um die Play-off-Teilnahme zittern.
