Sprungreduzierter Ball fördert Technik
Vaihingen (sv). Auch wenn es auf den ersten Blick wohl keinem aufgefallen ist: Die D-Junioren spielen seit dieser Saison in der Hallenrunde nicht mehr mit herkömmlichen Fußbällen, sondern mit den sprungreduzierten Futsalbällen. Die Trainer der jungen Kicker sind mit der Änderung indes nicht besonders glücklich.
Keine Frage – die alte Fußballerweisheit „Das Runde muss ins Eckige“ gilt in der Hallenrunde der D-Junioren weiterhin. Wer sich allerdings die Hallenspiele der jungen Fußballer im Bereich des Württembergischen Fußball-Verbands genauer ansieht, merkt schnell, dass mit dem Runden etwas anders ist als sonst. Der springende Punkt sind die Sprungeigenschaften des Futsalballs, mit dem seit dieser Saison in der D-Jugend-Hallenrunde gekickt wird. „Beim Futsalball handelt es sich um einen sprungreduzierten, kleineren Ball mit 62 bis 64 Zentimeter Umfang“, erläutert Christoph Klein, Pressesprecher beim Sportartikelhersteller Adidas, die auffälligste Eigenschaft des speziellen Spielgeräts. Weniger auffällig, dafür umso entscheidender ist ein Detail, das erst beim Anfassen des Futsalballs deutlich wird. Mit 0,4 bis 0,6 bar Überdruck steckt weniger Luft im Futsalball als im herkömmlichen Fußball.
Für José Macias, beim WFV für die Entwicklung der Fußballvariante Futsal zuständig, ist das Spiel mit dem fast unbekannten Ball ein Schritt in die richtige Richtung. Das Spiel mit dem weniger springenden Futsalball verbessere das fußballerische Können der jungen Kicker in vielen Teildisziplinen. „Der Futsalball fördert die Spielintelligenz und das taktische Verhalten der Spieler. Kick-and-Rush-Fußball gibt es mit dem Futsalball kaum“, beschreibt Macias und macht seine Theorie auch an einem konkreten Beispiel fest. „Es ist sicher so, dass die spanische Nationalmannschaft und die Jugendspieler des FC Barcelona technisch so stark sind, weil sie in ihrer Jugend auch einmal gegen einen Futsalball getreten haben“, sagt der WFV-Mitarbeiter.
Bei den Trainern der D-Junioren stößt der Vorstoß des WFV allerdings auf weit weniger Begeisterung. „Ich glaube nicht, dass das Spielen mit dem Futsalball uns draußen irgendwelche Vorteile bringt – allerhöchstens bei der Ballannahme“, meint David Jovanovic vom TSV Hochdorf. Toni Barbera, sein Kollege beim SV Illingen, ist ebenfalls skeptisch: „Anfangs kamen die Spieler mit dem neuen Ball weder beim Schuss noch bei der Ballannahme klar.“ Nach etwas Training wäre es bei Barberas Kickern zwar besser gelaufen, die Änderung behagt dem Illinger D-Jugend-Coach trotzdem nicht: „Ich verstehe gar nicht, warum man das jetzt ausgerechnet bei uns in der D-Jugend eingeführt hat, wir sind doch keine Brasilianer.“
Auch die Jugendfußballer in Hochdorf seien mit dem neuen Ball überfordert: „Wir haben keine große Halle und hatten zu wenig Zeit, um ordentlich mit dem Ball zu trainieren.“ Daher, so Jovanovic weiter, hätten neben zwei oder drei Spielern mit guter Technik alle Spieler seiner Mannschaft Probleme mit dem neuen Spielgerät gehabt. Bei der Konkurrenz habe es laut dem Hochdorfer Trainer auch nicht anders ausgesehen: „Insgesamt ist vielleicht mehr Technik im Spiel. Trotzdem dominiert ein Sicherheitsfußball, unter dem die Attraktivität des Spiels leidet.“
Eine gewisse Grundskepsis à la „Was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht“ kann Macias seiner Klientel nicht absprechen. „Da kommen natürlich Fragen, warum man etwas, was bisher so gut gelaufen sei, jetzt abändern solle“, weiß der Verbandsmitarbeiter. Wer sich einmal mit der Thematik befasst hätte, würde seine Bedenken gegenüber dem Futsallball schnell fallen lassen, ist Macias überzeugt.
Eine Schwalbe macht noch lange keinen Sommer – und ein anderer Ball aus Hallenfußball noch lange keinen Futsal. Zu dem Ergebnis, dass der Futsalball dennoch enormen Einfluss auf das Spiel hat, kommt auch die zehnköpfige „Fachgruppe Futsal“ des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Das Gremium aus Fußballlehrern und Wissenschaftlern ist nach wissenschaftlichen Untersuchungen davon überzeugt, dass der Einsatz des Futsalballs die Ballannahme und die Ballmitnahme vereinfache und daher im Breitenfußball das Leistungsgefälle zwischen einzelnen Spielern verringert. Die Sprungreduzierung nehme den Kindern außerdem die Angst vor dem Ball. Darüber hinaus springe der Futsalball auf dem glatten Hallenboden annähernd gleich wie ein herkömmlicher Fußball auf dem unebenen Rasenplatz.
Der WFV ist sich sicher, mit dem offensichtlichen Schritt in Richtung Futsal auf dem richtigen Weg zu sein. „Wir werden das bis 2011 testen und dann entscheiden, wohin der Weg gehen soll“, beschreibt Macias das geplante Vorgehen des Verbandes. Ob dann ein kompletter Umstieg erfolgt, müssen Ausschüsse von WFV und DFB entscheiden. Macias: „Meiner Meinung nach bringt dieser Umstieg nur Vorteile. Die Aussage, dass Futsal die Zukunft und Hallenfußball die Vergangenheit ist, würde ich so unterschreiben.“
