28/12 2009
Rauf aufs Rad - trotz Kälte
Vaihingen (tb). 68 Millionen Fahrräder stehen in deutschen Haushalten. Die meisten werden nur in den warmen Monaten aus dem Keller geholt. Radfahren kann aber auch in der kalten und nassen Jahreszeit Spaß machen. Vorausgesetzt, es werden einige wichtige Aspekte beachtet.
Wenn draußen Herbst oder Winter regieren, sind die Wege rutschig. Um sicher im Sattel zu bleiben, ist gute Technik und nützliches Zubehör hilfreich. Aber auch der Bekleidung kommt große Bedeutung zu.
Oberkörperbekleidung: Das Zwiebelprinzip schützt den Oberkörper. Das heißt, mehrere Bekleidungsschichten umhüllen den Körper. Auf der Haut sollte ein atmungsaktives Funktionshirt liegen. Es transportiert den Schweiß und hält den Oberkörper warm. Die zweite Schicht setzt den Feuchtigkeitsabtransport fort. Als äußerste Schicht eignet sich eine Mikrofaser- oder Softshelljacke. Sie hat eine große Atmungsaktivität.
Radhose: In den kalten Monaten ist eine möglichst atmungsaktive Trägerhose von Vorteil. Sie schützt die Nieren. Ein Sitzpolster erhöht den Komfort.
Radschuhe: Der Schuhkauf ist abhängig von der Rutschgefahr der Sohle. Sind an den Sohlen sogenannte Cleats, dann kann in das Pedal eingehakt werden. Es besteht keine Rutschgefahr. Bei normalen Turnschuhen dagegen schon. Für Ausfahrten bei bitterer Kälte sind Thermo-Überzieher über dem Radschuh zu empfehlen.
Zubehör: Kälte darf keine Ausrede sein, statt eines Helms eine Mütze zu tragen. Im Gegenteil: In Kombination mit einer Mütze, die unter dem Helm die Ohren abdeckt, wird der Kopf optimal warm gehalten. Dicke Handschuhe schränken die Beweglichkeit beim Schalten oder Bremsen ein, spezielle Radhandschuhe mit guter Passform und Kälteschutz sind angebracht. Mit geeigneter Brille behalten Radler den Durchblick. Sie sorgt dafür, dass kein Schmutz ins Auge kommt. Das Schutzblech sollte nicht zu eng am Reifen montiert werden. Grund: Das Rad soll sich noch drehen können, wenn sich Dreck im Stollenprofil ansammelt.
Ernährung: Um den Körper von innen zu wärmen, sollte auf eine erhöhte Kalorienzufuhr geachtet werden. Der Vorteil: Kohlenhydratreiche und warme Snacks sind leicht verdaulich, und der Körper verbraucht nicht zusätzlich Energie, um die Speisen auf Körpertemperatur zu bringen.
Sicherheit: Zwischen 25 und 50 Euro Bußgeld sind Sie los, wenn Ihr Rad nicht ausreichend beleuchtet ist. Die Vorschriften sehen vor, dass zwei Lampen und elf Reflektoren das Rad erkennbar machen. Bei einem Rad-Gewicht über zehn Kilogramm muss ein Dynamo als Energiequelle dienen. Zusätzlich sollten Leuchtstreifen an der Kleidung sein.
Fahrtechnik: In Kurven gilt: Von außen ansteuern und am Scheitelpunkt durchfahren. Das kurveninnere Pedal steht oben. Wichtig: Vorausschauend fahren, speziell die Vorderradbremse dosiert einsetzen. Je glatter es ist, desto höher sollte der Gang sein. Ruckartiges Treten erhöht die Rutschgefahr.
Reifen: Reifenmäntel mit Profil sind im Winter Pflicht. Bei Touren durch den Matsch hilft ein schmaler Mantel (Breite unter 50 Millimeter). Bei Schnee sind dicke Reifen (Breite über 50 Millimeter) geeignet. Bei eisigen Bedingungen nicht auf Spikes verzichten. Beim Luftdruck hilft eine Faustregel: Bei 70 kg Körpergewicht und einer Reifenbreite über 50 Millimeter auf zwei Bar aufpumpen. Je Kilogramm Körpergewicht 0,05 Bar hinzufügen.
Radtour mit Erkältung? Solange man gut eingepackt, in dosiertem Tempo fährt, schadet dies der Gesundheit nicht. Im Gegenteil: Die frische Luft tut sogar gut. Bei einer starken Erkältung sollte allerdings der Radlook dem Sofadress weichen.
NACHGEFRAGT:
Nickolas Schäufelin
Der Deutsche Meister in der Klasse Elite Men mit dem BMX-Rad gibt Tipps fürs Radfahren im Winter
1. Herr Schäufelin, ist Rad fahren auch in der nassen und kalten Jahreszeit zu emfpehlen?
Mit der richtigen Bekleidung: ein unengeschränktes Ja. Man braucht aber unbedingt warme Kleidung. Außerdem sollte man sich spezielle Winterradfahrunterwäsche anziehen. Denn im Schnee zu fahren macht richtig Spaß.2. Besteht nicht eine erhöhte Verletzungsgefahr?Leider besteht eine erhöhte Verletzungsgefahr. Man muss auf die richtige Bereifung achten. Wenn man merkt, dass es richtig glatt wird, sollte man Spikereifen aufziehen oder lieber absteigen. Außerdem sollte man ein geübter Radfahrer sein, der nicht gleich das Gleichgewicht verliert. 3. Welche Motivationstipps haben Sie, auch bei schlechtem Wetter auf das Fahrrad zu steigen?Der Fahrspaß ist meine persönliche Motivation. Die winterliche Landschaft kann man auch auf dem Fahrrad genießen. Und da man in der kalten Jahreszeit sowieso zu viel vor dem Fernseher sitzt, ist es gut, wenn man seinen inneren Schweinehund überwindet. Generell gilt das Sprichwirt: Es gibt kein zu schlechtes Wetter. Es gibt nur zu schlechte Kleidung.
