Schilling: "Bewegung ist Gold wert"
Hohenhaslach (nac). Tock. Tock. Viele Bälle schlagen in die Holzwand der Hohenhaslacher Kirbachhalle ein, anstatt das Tor zu treffen. Für den Hockeyspieler Michael Schilling des Bietigheimer HTC ist das kein Problem. Die Schüler der Kirbachschule haben in seinem Training schon viel dazugelernt.
Es finden gerade die dritte und vierte wöchentliche Sportstunde statt. In ihr können die Jugendlichen frei wählen, für welches Angebot sie sich entscheiden. 17 der 32 Fünft- und Sechstklässler der Hohenhaslacher Kirbachschule haben die Sportart Hockey gewählt. Und die wird nicht von einem Lehrer unterrichtet, sondern von Michael Schilling. Der 20-Jährige spielt beim Bietigheimer HTC in der 2. Regionalliga um den Aufstieg in die nächsthöhere Klasse mit. „Ich wollte lernen wie man Hockey spielt“, begründet Thomas seine Wahl. „Es ist mal etwas anderes“, sagt Jannik. Und Abdullah ergänzt: „Weil es Spaß macht.“
Die Jugendlichen sind mit Feuereifer am Werk. Der Blick ist starr auf den Schläger und den Ball gerichtet, als sie einige Pylonen umdribbeln sollen. Dann wird der Ball gestoppt und vom Handballkreis auf das Tor geschlagen. Nicht immer findet der Ball auch den Weg in das Netz. Oftmals schlägt er auch neben dem Pfosten in die Holzwand ein. Doch Schilling schaut zufrieden zu: „Am Anfang ging es unheimlich schnell mit den Fortschritten. Es ist ordentlich was hängen geblieben.“ Der Hockeyspieler, der beim Bietigheimer HTC sein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) absolviert, legte vor allem Wert darauf, dass die Schüler die Grundlagen wie beispielsweise Stoppen, Schieben und Schießen lernten.
Aber natürlich durfte auch der Spaß während der 90 Minuten nicht zu kurz kommen. „Ich habe geschaut, dass sie viel spielen und viel Spaß haben“, erklärt Schilling. „Deshalb habe ich auch nicht jedes Foul abgepfiffen und viel laufen lassen.“ Das kam an bei den Jugendlichen. „Am besten hat mir das Blitzturnier gefallen“, sagt Alperen. „Wir haben drei Mannschaften gebildet. Wenn eine ein Tor schießt, muss sie raus und der Verlierer spielt gegen das Team, das gewartet hatte.“ Hoch im Kurs bei den Schülern standen auch die Aufwärmspiele wie zum Beispiel das Liegefangen. „Eigentlich hat uns aber alles gefallen“, berichten Marten und Baris unisono.
Das Sport-Extra-Modell der Kirbachschule läuft bereits im dritten Jahr. Die dritte und vierte wöchentliche Sportstunde sind Wahlsportstunden. Die Schule bietet in Kooperation mit einigen Vereinen verschiedene Sportarten an. Im ersten Halbjahr waren es für die Fünft- und Sechstklässler Hockey, Hip-Hop-Tanz und Hallensport beim TV Ochsenbach (Konrektor Rainer Graef: „Hier wird auf die Interessen der Schüler eingegangen und alle Hallensportarten werden in irgendeiner Weise vorgestellt.“). Die Siebt- bis Neuntklässler hatten die Wahl zwischen Golf, Hip-Hop-Tanz, Tennis und Rückschlagspiele, Fußball sowie TVO-Sport. Zum Halbjahr können sich die Jugendlichen neu entscheiden.
„So eine Qualität im Training können wir als Schule nicht bieten“, nennt Konrektor Graef die Vorteile, wenn Vereine den Unterricht übernehmen. Die Fachkompetenz der Vereinsmitarbeiter sei unübertroffen. Außerdem komme auch die erzieherische Komponente nicht zu kurz, da im Taining besonders viel Wert auf Disziplin gelegt wird, aber auch die freundschaftliche Komponente, da beispielsweise Michael Schilling eher wie ein großer Bruder angesehen werde.
Die Kooperation mit dem Bietigheimer HTC kam auf Initiative des Hockeyclubs zustande. Der Verein hat vor den Sommerferien Schulen angeschrieben, ob sie Interesse hätten, dass Spieler des BHTC zu einzelnen Unterrichtseinheiten in die Schule kommen. Graef hat zurückgeschrieben: „Kleine Einheiten sind super, große aber noch besser.“ Mit Europacup-Gewinner Matthias Wengert, der das Engagement der Bietigheimer in den Schulen koordiniert, entstand ein konstruktiver Dialog, an dessen Ende eine dreimonatige Kooperation zwischen der Hohenhaslacher Schule und dem Hockeyclub stand. Für Graef steht fest: „Das ist eine Win-Win-Win-Situation. Der Schüler profitiert, die Schule und auch der Verein.“ Und auch Schilling zieht ein positives Fazit: „Die Schüler haben gesehen, dass es etwas anderes als Fußball, Handball oder Basketball gibt. Wenn sie jetzt in der Presse etwas lesen, im Fernsehen sich einmal Hockey anschauen oder zu einem Spiel kommen, ist es schon ein Gewinn. Und Bewegung ist allemal Gold wert.“
INFO:
Sport-Extra-Modell
Die Kirbachschule in Hohenhaslach ist eine Grund- und Hauptschule mit bewegungserzieherischem Schwerpunkt. Jeder Schüler hat den Anspruch auf 200 Minuten Bewegung pro Woche. „Die Schule nimmt eine Vorreiterrolle ein, da nicht nur Unterricht nach Plan angeboten wird“, sagt Rainer Graef. Die „bewegte Schule“ ist die Herzensangelegenheit des Konrektors: „Es wird nicht nur durch den Sportunterricht umgesetzt, sondern auch mit Bewegungsangeboten. Wir lassen zum Beispiel nicht nur in Pausen zu, dass sich die Schüler bewegen, sondern auch im Unterricht.“ Dazu seien Grundschüler noch leicht zu begeistern. Doch Hauptschüler würden träge. Graef stellte sich die Frage: Wie kann ich die älteren Schüler für mehr Bewegung begeistern? Das Ergebnis: das Sport-Extra-Modell, bei dem in der dritten und vierten wöchentlichen Sportstunde Sportarten von den Schülern frei gewählt werden können. Für das Sport-Extra-Modell sind die ersten Ansprechpartner der Kirbachschule der SC Hohenhaslach und der TV Ochsenbach, wenn es darum geht, das Training zu organisieren. „Doch für einige Angebote muss man nach Bietigheim“, sagt Graef. Vom Landratsamt wird die Kooperation Schule/Verein mit 4000 Euro unterstützt. Zusätzlich bezuschusst die Stadt Sachsenheim das Kirbachtäler Projekt nochmals mit 4000 Euro. (nac)
