„Die Ergebnisse kommen dann von alleine“
Enzweihingen (rkü). Cedrik-Marcel Stebe aus Enzweihingen ist Deutscher Meister im Tennissport. In Offenburg setzte er sich im Finale gegen den Solinger Kevin Deden mit 6:2 und 6:4 durch. Der 19-jährige Spitzensportler will in den kommenden Wochen vor allem an seiner Fitness arbeiten. „Die Ergebnisse kommen dann von alleine“, meint er.
Tennis, der weiße Sport, wird von vielen Menschen nach seinen Spitzenveranstaltungen beurteilt. Die Turniere von Wimbledon, Paris und New York, aber auch der Mannschaftswettbewerb Davis Cup haben einen hohen Bekanntheitsgrad. Aber die deutsche Meisterschaft im Tennis? Dieser nationale Spitzenwettbewerb kann von vielen nicht so recht eingeordnet werden. Cedrik-Marcel Stebe gehört zu den Insidern. „Das ist schon wie ein gutes Turnier zu bewerten“, meint er. „Es war ein 24er-Feld, stark besetzt mit vielen guten Leuten von der Weltrangliste.“ Stebe steht in der aktuellen Weltrangliste der internationalen Tennisorganisation ATP auf Rang 557. 32 Deutsche stehen weiter oben, allein elf unter den Top 100. Dennoch ist Stebe Deutscher Meister geworden.
„Das ist einfach unglaublich“, sagt er. Aber es sei auch gut gelaufen. Bei dem Turnier in Offenburg war er an Platz vier gesetzt. Nach einem Freilos in Runde eins schaltete er Jean Zietsman (Fürth), Mattis Wetzel (Oldenburg) und Peter Gojowczyk (Großhesselohe) aus, ehe er im Finale auf Kevin Deden (Solingen) traf, der auf Platz drei gesetzt war. Stebe zeigte ein solides Spiel von der Grundlinie und gewann mit 6:2 und 6:4.
So erfolgreich Stebe im letzten großen Turnier des Jahres war, so wechselhaft war für ihn das Jahr 2009 insgesamt. Neben zahlreichen Erfolgen bei Turnieren musste er auch mit zwei größeren Verletzungspausen zurechtkommen. „Im Mai habe ich mir einen Sehnenanriss am Handgelenk geholt“, berichtet er. Beinahe zweieinhalb Monate habe er gebraucht, bis er wieder voll einsatzfähig war. Ein paar Turniere später – bei denen er gute Ergebnisse holte – fiel Stebe schon wieder aus. Außenbandriss am Fußgelenk, Zwangspause Nummer zwei.
„Trotzdem war es ein sehr gutes Jahr“, sagt er zurückblickend. In der ATP-Weltrangliste hat er sich von Platz 785 im Dezember 2008 auf Platz 557 verbessert. Nach seiner erfolgreichen Zeit bei den Junioren sammelte er jetzt zahlreiche Erfahrungen bei den Erwachsenen. Gemeinsam mit seinem Trainer Robert Flego zieht er das Fazit: „Es gibt noch viel Raum, mich auf dem Platz zu verbessern.“ Vor allem bei der Fitness und der Beinarbeit sieht Stebe Verbesserungspotenzial. „Die verschiedenen Schläge können die paar hundert Besten alle. Am Ende zählt oft die Fitness“, meint der 19-Jährige. Also wird er sich in den nächsten Wochen ganz darauf konzentrieren, noch fitter zu werden als bisher. Saisonstart soll für ihn darum erst im Februar sein. „In Heilbronn oder in Spanien, das ist noch nicht klar.“
Tennis spielt er, seit er dreieinhalb Jahre alt war. Mit seinem Vater Heinz, der eine Trainerausbildung absolviert hatte, fing er damals in Enzweihingen an. „Seitdem kann ich die Finger nicht mehr vom Tennisschläger lassen“, erklärt Stebe. Mit sechs oder sieben sei er in den Bezirkskader gekommen, mit zwölf in den württembergischen Kader. „Mit 13 haben sie mich da wieder rausgeschmissen“, erinnert er sich. Grund sei eine Verletzung gewesen, nach der er nicht gleich wieder Spitzenleistungen zeigte. Von da an wurde auf privater Basis trainiert, seit fünf Jahren sehr erfolgreich mit Robert Flego. Über Talentschmieden in Florenz und Alicante fand Stebe im August den Weg nach Oberhaching (Bayern). „Die Möglichkeiten sind dort sehr gut.“ In der 2. Bundesliga spielt er für den TV Reutlingen Tennis.
Vorläufig reiche der Tennissport noch nicht, um davon zu leben, meint Stebe. Aber er hofft darauf, dass sich das bald ändert. Für die Turniere, die in der Weltrangliste am höchsten bewertet werden und die auch die höchsten Preisgelder haben, kann er nur bei einer entsprechend guten Platzierung melden. „Aber manchmal erhalte ich schon eine Wildcard für die Qualifikation“, gibt er sich optimistisch. Vorläufig sammelt er bei mittleren Turnieren Punkte und Erfahrung auf internationaler Ebene. Dass er Linkshänder ist, sieht Stebe dabei eher als Vorteil denn als Problem: „Viele Rechtshänder kommen mit meiner Spielweise nicht so gut zurecht.“
