Donnerstag, 24. Mai 2012

Runter von der Couch uns rein ins Sportvergnügen




Geschenke
In zwölf Tagen ist Weihnachten – und viele freuen sich auf die Geschenke. Foto: Nachreiner

Vaihingen (nac). Zwölfmal werden wir noch wach – heißa dann ist Weihnachtstag. Und immer noch wissen viele nicht, was sie ihren Liebsten schenken sollen. Die VKZ hat einige Ideen zusammengetragen.

Luca Toni? Michael Ballack? Cristiano Ronaldo? Wer möchte denn zu Weihnachten noch ein Trikot dieser Fußballstars unter dem Weihnachtsbaum liegen haben, die dann doch in der nächsten Saison dem schnöden Mammon folgen und sich einen neuen Verein suchen. Was wiederum zur Folge hat, dass das Trikot – veraltet, wie es nun ist – nur noch als Putzlappen taugt.

Viel schöner ist es da doch, sich mit den Farben des ortsansässigen Fußballvereins zu schmücken. Da besteht auch nicht die Gefahr, dass die Rückennummer in der neuen Saison nicht mehr vergeben ist. Die meisten Vereine im Amateurfußball haben nur einen Trikotsatz. Und der reicht von der eins bis vielleicht zur 17 – ohne Namensaufdruck.

Interessiert sich zudem Ihr Kind nur dafür, wie gut sein Streckenrekord bei „Need for Speed“ oder sein Highscore bei „Super Mario Cart“ auf irgendeiner Spielekonsole ist? Dann gibt es einige Spiele, die Ihren Sprössling von der Couch hochbekommen. Und die auch noch für die körperliche Entwicklung gut sind. „Es gibt immer mehr Kinder, die noch nicht einmal eine Minute auf einem Bein balancieren können“, sagt Nina Frech vom Gesundheitszentrum Sportschule Scheiber. Und Johann Zima, Abteilungsleiter Sport Hartwaren im Kaufhaus Sämann, ergänzt: „Sportgeräte, die die Balance fördern, habe ich so gut wie gar nicht da. Die gehen nicht von der Stange.“ Vereine orderten solche Geräte, wenn sie sie in Fitnesskursen benötigen. Eine ähnliche Erfahrung hat Michael Zaake bei den Fußball-Jugendtrainern gemacht. „Die Trainer wissen, was sie für Übungen machen wollen und bestellen die Hilfsmittel bei mir. Ich kann nur noch ein bisschen beratend zur Seite stehen“, erklärt der Inhaber von Michas Freizeitshop. Dabei ist es in jedem Alter wichtig, dass man sein Gleichgewicht und seine Beweglichkeit trainiert, weiß Zima.

Die Sporthochschule Köln empfiehlt für die Drei- bis Sechsjährigen beispielsweise das Laufrad, das den Gleichgewichtssinn und das Koordinationsvermögen stärkt, das Klettwurfspiel, das die Auge-Hand-Koordination schult, sowie das Balancierboard, bei dem Kugeln durch Bewegung des Brettes ins Ziel gesteuert werden müssen und das ebenfalls die Auge-Hand-Koordination schult.

Für die Sieben- bis Zwölfjährigen sind beispielsweise das Bikeboard, ein Zwitter aus BMX-Rad vorne und Skateboard hinten, der Indiaca und das Springseil geeignet. „Springseile gehen ganz gut“, weiß auch Zima. „Allerdings sind die Hanfseile gar nicht mehr gefragt. Heute brauchte man ein Rope-Seil, so ein Gummiseil.“ Werden die Kinder noch älter, stürzten sie sich auch von selbst auf Speed-Waveboards. Das ist eine Art Skateboard, das aber nur auf zwei Rollen fährt und in jeder Richtung beweglich ist. Selbst zwischen den beiden Plattformen, auf den man steht, ist ein Gelenk eingebaut. Zima: „Fängt einer einmal mit einem Gerät an, wollen es meist seine Freunde auch haben.“

Gut wäre es doch auch, den fußballverrückten Mann dazu zu bringen, sich nicht nur nach jedem Spieltag über die Dämlichkeit der Stürmer, die das Tor nicht treffen, oder die Blindheit der Schiedsrichter zu ergießen, sondern auch mal seine grauen Zellen zu etwas anderem anzustrengen. Legen Sie Ihrer besseren Hälfte doch einmal ein Buch unter die Weihnachtstanne. Der Sportjournalist Christoph Biermann beispielsweise hat sich dem Sport Fußball von der Seite der Forschung genähert. Zwar hat Fußball heute – für den Laien allein schon an der Geschwindigkeit des heutigen Spiels zu erkennen – fast nichts mehr mit dem Fußball zu Zeiten eines Franz Beckenbauers zu tun. Doch die Rhetorik ist nahezu die gleiche geblieben.

Biermanns Buch „Die Fußball-Matrix“ (Kiepenheuer & Witsch-Verlag) ähnelt zwar einem Laborbericht. Doch der Sportjournalist findet lesbare und teilweise verblüffende Antworten auf Fragen wie: Warum fallen im modernen Fußball so wenige Tore? Warum trägt die Mannschaft, die die meisten Zweikämpfe gewinnt, nicht zwingend den Sieg davon? Was sagt der Zeitpunkt eines Treffers über den Spielverlauf aus? Und viele mehr.

Einen ganz anderen Zugang zu einer Sportart findet John Niven. Der passionierte Hobbygolfer, der, stünde er vor der Wahl Bestsellerautor oder bester Golfer der Welt zu sein, lieber letzteres wählen würde, nimmt das Grün als Aufhänger einer aberwitzigen Geschichte. Niven liefert mit „Coma“ (Heyne-Verlag) einen Roman ab mit skurrilen Typen, abgedrehter Handlung, zudem dem für den ehemaligen Musikmanager typischen derben Humor und der teils drastischen Gewaltdarstellung. Die subtilen Freuden des gediegenen Geschmacks werden hier nicht befriedigt. „Coma“ ist aggressiv und teilweise vulgär, aber in vielen Szenen schreiend komisch.

In diesem Sinne. Das Fest der Feste ist nur noch zwölf Tage entfernt. Frohe Weihnachten.


INFO:
Eine Studie zeigt: Die Kinder sind zu unbeweglich. Im Jahr 2003 wurden rund 4500 Kinder und Jugendliche auf ihre Beweglichkeit getestet. Das Resultat war erschreckend. Mehr als einem Drittel der Vier- bis 17-Jährigen gelang es nicht, zwei oder mehr Schritte auf einem Balken rückwärts zu balancieren. 86 Prozent schafften es nicht, eine Minute lang auf einem Bein zu stehen. Im Standweitsprung verschlechterten sich die Leistungen im Vergleich zu einem Wert aus dem Jahr 1976 um etwa 14 Prozent. In fast allen Kategorien schnitt die heutige Jugend schlechter ab als frühere Jahrgänge. Nur in einer nicht: Viele Kinder sind in der Feinmotorik der Finger besser als früher. Der Grund: Sie spielen viel am Computer oder an Spielekonsolen. Dabei ist erwiesen, dass regelmäßige Bewegung für die körperliche Entwicklung Heranwachsender enorm wichtig ist. Um ihre motorischen Fähigkeiten auszubilden, benötigen Kinder zwischen zwei und drei Stunden Bewegung pro Tag. Mangelnde Betätigung führt zu Haltungsstörungen, Wahrnehmungs- und Koordinationsproblemen bis hin zu emotionalen Störungen. Und es gilt das Sprichwort: Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr. (nac)




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