Donnerstag, 24. Mai 2012

In der Heimat zu neuen Weiten




Schwanitz
Christina Schwanitz hat die Hallen-WM in Doha/Katar wegen einer gerade erst überstandenen Bronchitis abgehakt. Doch zur Freiluft-EM will sie wieder voll angreifen. Foto: Görlitz

Hohenhaslach/Chemnitz (nac). Als Team sind sie sehr erfolgreich gewesen. Hans-Peter Ogiolda brachte die gebürtige Sächsin Christina Schwanitz in die nationale Spitze beim Kugelstoßen. Vor Kurzem hat sich die Hohenhaslacherin von ihrem Trainer getrennt und wechselt nun zum LV Thum nach Sachsen. Über die alte Liebe und die neue Herausforderung spricht sie im Interview.

Frau Schwanitz, Sie zieht es zurück in die sächsische Heimat zum LV Thum. Sind Sie des Schwabenlandes überdrüssig geworden?
(lacht) Thum ist nicht meine Heimat. Ich komme eigentlich aus Freiberg. Es ist einfach praktischer wegen des Trainings.

Hat Ihr neuer Trainer Sven Lang, der sächsische Landestrainer, auf den Vereinswechsel bestanden?
Bestanden hat er darauf nicht. Aber er hat einige Vorteile aufgezählt, wenn man mit seiner Trainingsgruppe zusammentrainiert.

Diese wären?
Alle anderen aus der Trainingsgruppe fahren zu den sächsischen Meisterschaften. Ich müsste weiterhin zu den baden-württembergischen. Ich könnte also nicht zusammen mit allen anderen in einem Bus zum Wettkampf fahren. Außerdem müsste ich regelmäßig von Württemberg nach Chemnitz, um mich mit meinem Trainer abzustimmen. Ich würde also viele Stunden auf der Autobahn verbringen. Was zusätzlich meine Nerven belastet.

Und vom Training...
Es ist eigentlich egal, wo ich trainiere. Ss kommt auf den Trainer an. Sven Lang ist sächsischer Landestrainer und trainiert in Chemnitz.

Haben auch finanzielle Überlegungen eine Rolle gespielt?
Nein.

Ist es Ihnen schwer gefallen, der Neckarsulmer Sport-Union den Rücken zu kehren?
Das war nicht einfach. Ich habe lange mit mir gerungen. Wir haben viele Jahre erfolgreich zusammengearbeitet. Es sind Freundschaften entstanden. Und die Neckarsulmer haben auch in schweren Zeiten zu mir gestanden. Außerdem bin ich noch Vereinsmitglied.

Und auch Ihre Familie lassen Sie im Unterland zurück...
Ja, meine Mutter, mein Vater und meine Schwester leben in Baden-Württemberg. Man kann eben nicht alles haben. Aber meine sportliche Karriere steht im Vordergrund. Und meine Familie steht voll hinter mir.

Von Ihrem Trainer Hans-Peter Ogiolda, mit dem Sie acht Jahre erfolgreich zusammengearbeitet haben, haben Sie sich bereits im September dieses Jahres getrennt. Hatten Sie das Gefühl, dass er Sie nicht mehr weiterbringt?
Ja, sonst hätte ich mich nicht von ihm getrennt. Irgendwann habe ich gemerkt, dass die Leistungsentwicklung stagniert hat.

Spielten auch menschliche Probleme eine Rolle?
Es spielt alles mit rein. Man muss menschlich mit seinem Trainer auskommen. Wenn man mehr damit beschäftigt ist, Probleme auszuräumen, kann man sich nicht auf den Sport konzentrieren. Wir hatten zu viele Meinungsverschiedenheiten.

Sie sagten einmal über sich: „Ich bin stur und nicht immer einfach. Mein Trainer muss ein charakterstarker Mensch sein.“ Trifft das auf Sven Lang zu?
Ja. Wir haben schon einmal vor zehn Jahren entfernt zusammengearbeitet. Er kennt meine Art. Charakterstark ist er auf jeden Fall und ein sehr guter Trainer.

Was erhoffen Sie sich von dem Wechsel zum neuen Trainer?
Eine Leistungssteigerung. Hans-Peter Ogiolda hat es nicht mehr geschafft, mehr aus mir herauszukitzeln. Sven Lang ist menschlich ganz anders. Und technisch sind wir auf gleicher Wellenlänge. Ich möchte konstant 19,50 Meter stoßen.

Wenn Sie in die Zukunft schauen: Wo liegt Ihre Leistungsgrenze?
Keine Ahnung. Ich weiß nicht, was und wann mein Trainer etwas aus mir herauskitzelt. Außerdem bin ich ganz schlecht darin, mich selbst einzuschätzen.

Haben Sie auch schon Ihre Zelte in Hohenhaslach abgebrochen?
Zurzeit bin ich unter der Woche im Internat in Chemnitz untergebracht. Aber meine Wohnung in Hohenhaslach habe ich noch bis Januar. Auch meine zwei Katzen streunen da noch rum. Der Umzug komplett nach Sachsen steht aber an. Doch da ich ein Christkind bin und viel Wert auf Weihnachten und die Vorbereitungen lege, wollte ich nicht zwischen den Feiertagen umziehen.

Und wo liegt zukünftig Ihr Trainingsschwerpunkt?
Ich trainiere in Chemnitz. Dort trainiert der Landestrainer Lang. Wenn der Berg nicht zum Gummibären kommt, muss der Gummibär halt zum Berg.

Seit dem 1. Oktober sind Sie bei der Sportfördergruppe im bayrischen Dillingen. Wie ist das mit dem Training zu vereinbaren?
Ich bin schon in der Kaserne in Frankenberg stationiert, nachdem ich am 26. November meine Grundausbildung abgeschlossen hatte. Das ist nur 20 Kilometer von Chemnitz entfernt.

Was sind Ihre sportlichen Ziele – kurzfristig und langfristig?
Ich will im Sommer an der Freiluft-Europameistschaft im spanischen Barcelona teilnehmen. Langfristig peile ich die Olympischen Spiele von London 2012 an. In beiden Wettkämpfen will ich den Endkampf erreichen. Dabei sein ist nicht alles – auch wenn es immer gesagt wird.




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