Walzer, Jive und Rumba – Wer hat das Sagen?
Der Schauplatz ist eine kleine Gaststätte in der Nähe der Turn- und Festhalle in Enzweihingen. Vier Paare sitzen am Tisch. „Ausdampfen“ nennt es Gabi Brandhuber, eine der Beteiligten. Noch vor wenigen Minuten versuchten sich die Paare am Quickstep bei einem Übungsabend der Tanzsportgemeinschaft des TSV Enzweihingen.
Mitte der Achtziger Jahre wurde die Tanzsportabteilung gegründet. Mittlerweile hat sie fast 120 Mitglieder. Knapp 100 Erwachsene, ein paar Jugendliche und 18 Kinder zwischen vier und acht Jahren bewegen sich regelmäßig zur Musik. So auch die Gruppe um Gabi Brandhuber. Um 20.30 Uhr geht’s jeden Donnerstag los.
Nacheinander trudeln die Teilnehmer in der Turn- und Festhalle in Enzweihingen ein, teilweise mit kleinen Stoffbeuteln unterm Arm, aus denen wenige Augenblicke später Tanzschuhe kommen, für Damen und Herren. Dann geht’s auch schon los.
Tanzlehrerin Christel Frölich dreht die Musik auf. „Rudolph, the red-nosed Reindeer“, schallt es aus den Lautsprechern. Cha-Cha-Cha ist angesagt. Weihnachtlich geht es beim Eintanzen weiter, bevor es ernst wird. „Samba haben wir schon ewig nicht mehr gemacht“, hat Frölich festgestellt. Jetzt steht sie mit einem Mikrofon in der Hand vor ihrer Gruppe und gibt das Tempo vor: „Eins und Hopp, zwei und Hopp“ – alles läuft hier auf ihr Kommando. Zweimal will sie die Schrittreihenfolge als Trockenübung sehen, verbessert zwischendurch und erklärt noch einmal die genauen Tanzwege. Dann endlich werden die Schritte mit heißen Sambarhythmen unterlegt.
Samba ist nur einer von zahlreichen Tänzen, die Frölich unterrichtet. Sie und die anderen beiden Enzweihinger Tanzlehrer vermitteln hauptsächlich die fünf Standardtänze (Wiener Walzer, langsamer Walzer, Tango, Slow-Fox sowie Quickstep) und die fünf Lateintänze (Rumba, Samba, Cha-Cha-Cha, Jive und Pasodoble). „Pasodoble ist wohl der unbeliebteste Tanz“, sagt Abteilungsleiter Dirk Jantzen. Diesen spanischen Tanz müsse man wohl einfach im Blut haben, obwohl er – wenn einmal erlernt – gar nicht so schwer sei. Lieblingstänze kann er dagegen keine ausmachen. „Ich mag den langsamen Walzer“, sagt zum Beispiel Gisela Schofer. Da könne sie sich so richtig rein knien. Tillmann Strecker dagegen mag es, wenn er sich zu Tangoklängen bewegen kann. „Ich kann das zwar nicht richtig, aber ich mache es gerne“, sagt er schmunzelnd.
Der Mann von Gisela Schofer, Eberhard, hat mittlerweile sein Jackett abgelegt. „Beim Tanzen wird es einem doch ganz warm“, erklärt er. Und Abteilungsleiter Jantzen ergänzt: „Viele verachten Tanzen als Sport, obwohl es wirklich einer ist.“ Die Sambaeinheit ist mittlerweile beendet. Es folgen ein paar Schritte langsamer Walzer, bevor es richtig schwierig wird: Quickstep. In die Schrittfolge, die die Teilnehmer bereits kennen und können, soll nun ein Hopser eingebaut werden. „Aber Achtung: Es gewinnt nicht der, der höher springt“, erklärt Christel Frölich.
Die Atmosphäre während der Übungsstunde ist generell sehr humorvoll. „Wir lachen nicht übereinander, aber viel miteinander“, erklärt Gabi Brandhuber. Die Tänzer, die größtenteils zwischen 40 und 70 Jahre alt sind, üben ihren Sport nur als Hobby aus. Turniere besuchen die Enzweihinger keine. Einmal im Jahr gibt es den Herbst-Tanz mit Showprogramm und Tanzzeit. Die restlichen Wochen im Jahr wird dann fleißig geübt. Der Hopser stellt die Tänzer vor eine Herausforderung: „Er muss ja gleichzeitig erfolgen“, stöhnt Tillman Strecker. Ist das nicht Sache von dem, der führt? Seine Frau Angelika nickt schmunzelnd, aber er meint: „Die Frau muss ja auch das machen, was ich führe.“ Und schon ist unter den Tänzern eine humorvolle Diskussion darüber entstanden, wer beim Tanzen eigentlich das Sagen hat. Auch wenn der neue Schritt noch kompliziert ist, ist das, was die Paare zeigen anspruchsvoll. „Kein Wunder“, erklärt Jantzen. Immerhin tanzen die Paare schon Jahre zusammen. Anfängerkurse gibt es beim TSV Enzweihingen keine. Gewisse Grundkenntnisse sollten die Teilnehmer also mitbringen. Wenn diese allerdings nicht ganz ausreichen, um bei einer Gruppe mitzukommen, hat sich Übungsleiterin Christel Frölich auch schon angeboten, sich mit einzelnen Paaren früher zu treffen und zu üben. Gisela und Eberhard Schofer sind schon lange dabei. Die beiden tanzen schon über 15 Jahre. Damals wurde noch in Sersheim geübt. Doch die alte Turnhalle wurde abgerissen und deshalb kehrten die Tänzer zurück nach Enzweihingen, wo die Abteilung auch gegründet wurde. Aber noch heute merkt man, dass viele Sersheimer wöchentlich eine der fünf Gruppen besuchen, die es bei der TSG gibt.
Selbst aus Mühlacker und Bietigheim kommen Paare. „Wir hätten Expansionsbedarf“, sagt deshalb auch Jantzen. Das Problem: die Hallenzeiten. Einziger freier Termin: Dienstagabends ab 20.30 Uhr. Zu dieser Zeit ist der Bedarf allerdings gering. Die Tanzstunde ist nun vorbei. Zum Schluss wird es noch einmal weihnachtlich. Bei „Frosty the Snowman“ sollen die Tänzer noch einmal den Quickstep üben, bevor es zum Ausdampfen in die kleine Gaststätte geht. Eva Wirth
Training: Die fünf Übungsgruppen haben ihre Übungsstunden zwischen Montag und Freitag aufgeteilt. Trainiert wird immer abends in der Turn- und Festhalle.
Kontakt: Christel Frölich (Telefon: 07042-4478).
