Spiele gewonnen, Daumen und Nase angebrochen
Vaihingen (tom) – Den Hockeydamen aus Vaihingen ist am Wochenende ein Befreiungsschlag gelungen. Der Club an der Enz gewann beide Heimspiele gegen Mitkonkurrenten um den Klassenerhalt und verbesserte sich dadurch auf den sechsten Tabellenplatz. Die hart geführte Partie gegen den HC Esslingen forderte Tribut – zwei angebrochene Daumen, eine angebrochene Nase und weitere Blessuren sind zu beklagen.
Es waren die ersten sechs Punkte, die das Team von Trainer Tobias Müller in der Hallensaison holte. Im direkten Abstiegsduell wurden sowohl der HC Esslingen als auch der HC Ludwigsburg besiegt. Am Samstagabend war Aufsteiger HC Esslingen zu Gast, der bisher nur einen Punkt gegen den HC Ludwigsburg geholt hatte. Die Esslingerinnen setzten von Anfang an auf aggressives Pressing und setzten die Vaihingerinnen früh unter Druck. Wie erwartet, ergaben sich dabei aber auch viele Chancen für das Vaihinger Team, das nach wenigen Minuten mit 1:0 in Führung ging. Esslingen glich nach einer gut geschossenen Strafecke aus. Doch der Club an der Enz fand immer wieder die Lücke in der Esslinger Deckung und erarbeitete sich bis zur Halbzeitpause eine 3:1-Führung. Direkt nach Wiederanpfiff gelang der Treffer zum 4:1. Mit diesem deutlichen Vorsprung fühlten sich die Gastgeberinnen schon als sicherer Sieger. Die Folge waren Abspielfehler und massive Deckungsprobleme. Eine Viertelstunde genügte dem HC Esslingen, nicht nur zu egalisieren, sondern mit 5:4 in Führung zu gehen. Vaihingen nahm den Kampf an und kam wieder besser ins Spiel. Nach zwei Treffern lagen die Gastgeber mit 6:5 vorne. Ein erneuter Abspielfehler führte acht Minuten vor Spielende zum Ausgleich. Lotte Schmid, die nach längerer Pause erstmals wieder mitspielte, holte durch einen Konter das 7:6 für Vaihingen. Ihr Trainer beklagte, dass sie „ab der Mittellinie nur noch in Ringkampfmanier bearbeitet“ worden sei. Zwei Minuten vor dem Ende erkämpfte sich Esslingen nochmals eine Strafecke, setzte das Spielgerät aber knapp neben das Tor. Anschließend gab sich die Esslinger Mannschaft auf, Vaihingen fuhr seine ersten drei Punkte ein. Trotz des Sieges war Trainer Tobias Müller auch nach dem Schlusspfiff kaum zu beruhigen. „Ich habe selten eine so schlechte Schiedsrichterleistung gesehen. Meine Mannschaft wurde auf dem Feld quasi verprügelt.“ Ihn störte besonders, dass die Aggressionen nicht geahndet wurden.
Nach dem Spiel ergab eine Bestandsaufnahme beim Club an der Enz eine angebrochene Nase, zwei geprellte Rippen, eine geschwollene Lippe und zwei angebrochene Daumen. „Das ist einfach unglaublich“, polterte der Trainer. „Vor allem, weil in den meisten Fällen der Ball meterweit entfernt war.“ Tobias Müller sagte, „dass meine Mädels nicht gerade Lämmer sind, was körperliche Härte anbetrifft.“Die Aktionen einiger Esslinger Spielerinnen stufte er dennoch als „einfach nur noch unsportlich“ ein. Die Emotionen auf Seiten des HC Esslingen kochten so hoch, dass sich nach dem Spiel Esslinger Zuschauer und der Esslinger Trainer lauthals anschrien. Laut Tobias Müller kommentierten Vaihinger Zuschauer das Spiel und die Emotionen mit den Worten: „Zeitweise dachten wir, wir sind auf dem Fußballplatz!“
Die Folgen aus dem hart geführten Spiel waren am nächsten Morgen noch deutlich erkennbar. Alle verletzten Spielerinnen kamen zwar, aber einige mussten aufgrund ihrer Blessuren deutlich kürzer treten und kamen auf deutlich weniger Spielzeit. Obendrein war ein Schiedsrichter nicht erschienen, so dass der Vaihinger Trainer nach Absprache mit allen Beteiligten die Leitung des Spiels übernahm. Wie am Vortag ging der Club an der Enz bereits nach zwei Minuten in Führung. Den Ausgleich kassierte er prompt, nachdem ein eigener Konter so schlecht vorgetragen wurde, dass Ludwigsburg mit einem Gegenkonter erfolgreich war. Den Ludwigsburger Spielerinnen sah man die Erschöpfung von ihrem Samstagsspiel mehr an als den Gastgeberinnen. Sie ließen immer mehr nach. Vaihingen führte schnell mit 4:1. Ludwigsburg verkürzte zwar zur Halbzeit auf 4:2, doch nach der Pause ließ die Leistung der Gäste rapide nach. Vaihingen tat ebenfalls nicht mehr als nötig und wartete geduldig auf Chancen. Einzig die Chancenauswertung ließ noch zu wünschen übrig. Aus mehreren eindeutigen Torgelegenheiten wurden nur zwei weitere Tore gemacht, der Club an der Enz gewann mit 6:2.
Die sechs Punkte gegen direkte Konkurrenten um den Klassenerhalt waren für die Vaihinger Hockeydamen ein wichtiger Schritt nach vorne. Grund zur Entspannung sieht der Trainer aber noch nicht: „Wir haben noch acht schwierige Spiele vor uns.“
TV Vaihingen: Phillipps, Reich, Stefanie Gerds, Michi Gerds, Knudsen, Rummel (1), Burgmaier (3), Müller, Gantenbein, Idelberger, Perleß (6), Schmid(3).
