Faustball: Der Ball – ein Problem des TV Vaihingen?
06/12 2008
Der Ball – ein Problem des TV Vaihingen?
Vaihingen – Es gibt sie genäht oder geklebt, aus Nappaleder oder Verlours – Faustbälle sind sehr verschieden. Sie unterscheiden sich nicht nur in Design, sondern auch im Material. Weil die Flugeigenschaften der Sportgeräte dadurch aber variieren können, ist beim TVV eine kleine Ball-Diskussion entbrannt. Trainer Werner Blechschmidt hält von dieser allerdings nicht viel.
„Wir üben einen Ballsport aus. Wer besser mit dem Spielgerät zurechtkommt, wer es besser kontrollieren kann, der gewinnt am Ende“, bringt es TVV-Trainer Werner Blechschmidt auf den Punkt. Das mit der Ballbeherrschung ist beim Faustball allerdings so eine Sache. Während die Fußballer 90 Minuten lang ein und demselben Ball hinterherrennen, wird beim Faustball das Spielgerät munter getauscht. Jedes Team bringt seine eigenen Bälle mit. Vor jedem Satz haben die beiden Mannschaften dann abwechselnd das Recht, einen Ball auszuwählen, den eigenen oder den fremden. Kommt es zum Entscheidungssatz, kann auch hier in der Mitte der Ball getauscht werden.
Unternehmen stellte Ballproduktion ein
Problematisch ist die Situation allerdings erst seit Kurzem. Vor knapp einem Jahr wurde bekannt, dass das Unternehmen RGW die Produktion einstellt. RGW-Bälle waren bei den Faustballern zuvor sehr beliebt. Mittlerweile gibt es neben den auslaufenden RGW-Bällen Sportgeräte von Copa, Drohnn und Sportastic.
Das Problem: die Bälle haben unterschiedliche Flugeigenschaften und springen unterschiedlich. „Einer fliegt langsamer und der Effet kann unterschiedlich sein“, erklärt Faustball-Trainer Blechschmidt. Angreifer würden dies am meisten zu spüren bekommen.
Können die es nicht im Training üben? „Das ist schwierig und würde auch eine Investition darstellen“, sagt Blechschmidt. Ein Großteil würde dann nur vor sich hin gammeln, weil die Spieler nicht gerne mit ihnen trainieren würden.
Allerdings ist es laut dem TVV-Übungsleiter auch gar nicht nötig, einen solchen Aufwand zu betreiben. Er geht sogar noch einen Schritt weiter und sagt, obwohl die Bälle verschiedene Eigenschaften aufweisen, dass er eine Balldiskussion für völlig überflüssig und daneben hält. „Ich kann doch nach einem Spiel nicht sagen. Das war unfair. Die haben mit einem Ball gespielt, der vom Verband zugelassen ist.“ Dass seine Mannschaft das Bundesligaspiel gegen den TV Stammheim so knapp verloren hat, habe sicherlich nicht am Ball gelegen. „Ein Ball macht vielleicht fünf Prozent der Leistung aus“, meint er.
Beim Europapokal wird mit Sportasic-Bällen gespielt
Viel mehr als über die Schwierigkeiten seiner Spieler macht sich Blechschmidt Sorgen um den gesamten Faustballsport, denn die International Fistball Association (IFA) hat einen Vertrag mit Sportastic abgeschlossen. Die Firma stellt nun den offiziellen IFA-Spielball. Nun wird unter anderem beim Europapokal, der im Januar in Vaihingen ausgerichtet wird, nur mit Sportastic-Bällen gespielt. „Für den Wettbewerb ist das nicht gut. Ob die anderen Hersteller weiterproduzieren, werden sie sich bestimmt überlegen“, schimpft Blechschmidt. Mit mehr Wettbewerb würde seiner Meinung nach wahrscheinlich auch die Qualität der Bälle steigen.
Doch zurück zu den Problemen des TV Vaihingen. Während einige Spieler über die Bälle schimpfen, ist Blechschmidt eher verärgert über die Diskussion: „Egal mit welchem Ball gespielt wird. Es ist doch immer noch Faustball“, sagt er. Im Sommer würden sich die Spieler doch auch auf Sonne und Gegenwind einstellen. „Vaihingen ist zweimaliger Deutscher Meister, gehört zur Spitze des deutschen Faustballs“, sagt Blechschmidt. „Ich kann doch von Nationalspielern verlangen, dass sie sich auf einen anderen Ball einstellen, auch wenn Menschen Veränderungen grundsätzlich verabscheuen.“
Eva Wirth
