Bleibt der Amateurfußball auf der Strecke?
Vaihingen (ev) – Der Sonntagnachmittag war bisher für die Amateurfußballer reserviert. Jetzt hat die Deutsche Fußballliga diesen exklusiven Spieltermin für die Bundesliga entdeckt. Ein Spiel soll ab der neuen Saison sonntags um 15.30 Uhr stattfinden. Die Amateurfußballer sind von den neuen Fernsehverträgen nicht sehr begeistert und fürchten um ihre Zuschauer.
Walter Buck ist Schiedsrichter. Kein Wunder, dass er regelmäßig auf den Sportplätzen zu sehen ist, doch auch wenn Buck nicht für die Schiedsrichtergruppe Vaihingen zur Pfeife greift oder junge Nachwuchsleute beobachtet, schaut er sich gerne das eine oder andere Lokalderby an. Ob das nächste Saison immer noch so ist? Wenn in der Bundesliga sonntagmittags ein Topspiel auf dem Spielplan steht, sicherlich nicht. Dann wird Buck das Livespiel anschauen – im Fernsehen. Mit dieser Entscheidung würde die DFL (Deutsche Fußball Liga) den Amateurfußball nicht unterstützen. „Wenn, dann schadet es dem Fußball eher“, meint der Bayern-Fan.
Zum einen sind da die Fans. Viele Anhänger der lokalen Fußballszene sind auch Fans von Bundesligaclubs und gehen gerne ins Stadion oder schauen sich Live-Spiele im Fernsehen an. Die Frage ist, was sie künftig lieber schauen: Amateur- oder Profifußball? Doch nicht nur die Fans könnten ausbleiben, auch Spieler sind künftig versucht, die Kreisliga-Partie gegen einen Bundesliga-Knüller zu tauschen.
Andreas Wagner, Abteilungsleiter beim SV Riet hofft, dass den Spielern weiterhin das Selberspielen wichtiger ist. „Bei einem Knüllerspiel werde ich sie halt schon donnerstags anbinden“, scherzt er. Das Problem kennt er allerdings. Erst am vergangenen Sonntag wollte ein Spieler in der zweiten Mannschaft eine halbe Stunde vor Spielende ausgewechselt werden, weil er Karten für das Topspiel Stuttgart gegen Schalke hatte, das um 17.30 Uhr angepfiffen wurde. „Ich hoffe, dass die Leute mit sich reden lassen.“
Er selbst ist ein großer VfB-Fan. Aber auch wenn Topspiele am Sonntag ausgetragen werden würden, wäre er beim SV Riet zu finden. „Ich denke, dass es bei den meisten Zuschauern genauso ist“, sagt Wagner, obwohl er es nicht gut findet, sich entscheiden zu müssen.
Bereits jetzt würden einige Fans sonntags immer wieder ins Vereinsheim gehen, um dort im Fernsehen die Ergebnisse der zweiten Bundesliga zu verfolgen. „Dann kommen die aber auch wieder raus“, erzählt der Abteilungsleiter. Generell wäre die Zuschauersituation in der Strudelbachgemeinde momentan nicht so rosig. Das schiebt der Rieter allerdings auf den schlechten Tabellenplatz in der Kreisliga B5 und nicht auf den Profifußball.
Ein Zuschauermagnet ist dagegen der FV Roßwag in der Kreisliga A3 und das schon seit Jahren. Abteilungsleiter Florian Kost glaubt nicht, dass die neuen Fernsehverträge die Lila-Weißen stark beeinflussen werden, zumindest wenn sonntags kein Bundesligaknüller ansteht. „Stärker treffen wird das vor allem Stadtvereine, die Teams in Ludwigsburg zum Beispiel“, meint er. „Als Dorfverein werden wir die Auswirkungen wohl nicht so stark zu spüren bekommen.“
Trotzdem fürchten viele Vereine um ihre Einnahmen. Der Bezirksvorsitzende Hans-Jörg Arnold sagt sogar, dass der Termin der Tod für die kleinen Clubs darstelle. DFB-Präsident Theo Zwanziger meinte vor ein paar Tagen, dass er die Kritik zweifelsohne nachvollziehen kann. Er kann sich vorstellen, dass es deshalb Ausgleichssysteme geben könnte, wenn denn zweifelsfrei der Nachweise erbracht sei, dass die Vereine vom Zuschauerrückgang betroffen sind.
Florian Kost winkt gleich ab. „Ich weiß nicht, wie die das händeln wollen. Wer kann denn sagen, wie viele gekommen wären, wenn das Bundesligaspiel nicht gewesen wäre?“ Außerdem würden davon wahrscheinlich nur die größeren Vereine profitieren.
Klar ist, dass die Entscheidung ein Schlag für die 26000 Amateurvereine war. Ob es gar die Hinrichtung des Amateurfußballs ist, bleibt abzuwarten. Das ist auch das einzige, was die Vereine tun können, denn sie sind machtlos und müssen die Kröte schlucken, die ihnen die DFL serviert hat.