Donnerstag, 24. Mai 2012

VKZ-Serie „Familienbande“ – Heute: Die Bschlangauls


Die Bschlangauls sind beim TV Vaihingen eine feste Größe.
Die Bschlangauls sind verrückt nach Judo. Zehn Familienmitglieder üben den Kampfsport aus. Foto:p

Es ist der zweite Weihnachtsfeiertag – traditionell ein Tag, an dem die Familien zusammenkommen. So auch die Familie Bschlangaul aus Illingen. Alle haben sich unterm Weihnachtsbaum versammelt – vom Opa bis zum Enkel.
Georg Bschlangaul hat seine Frau Christel und seine drei Söhne Max, Michel und Karl mitgebracht. Auch die Familie von Georgs Bruder, Michael Bschlangaul junior, ist vollständig erschienen. Anwesend sind seine Frau Barbro Hauff sowie die Töchter Karla und Franka. Und natürlich nicht zu vergessen: Opa Michael Bschlangaul senior und Oma Marianne.
Doch obwohl die Christbaumkugeln schimmern und das Weihnachtsessen duftet, kommen die Bschlangauls um ein Thema nicht herum: Judo. Kein Wunder, denn immerhin betreiben gleich zehn Mitglieder der Familie diesen Sport.
Schuld, dass die ganze Familie dem Judo-Fieber verfallen ist, hat der Opa, denn er hat vor über 35 Jahren mit dem Kampfsport angefangen und das obwohl es ihm am Anfang gar nicht gefallen hat. „Wir haben nur Fallübungen gemacht“, erinnert sich der 65-Jährige brummend. Doch weil Michael Bschlangaul senior, wenn er einmal etwas angefangen hat, hartnäckig ist und weil Judo ihm mit zunehmender Zeit immer mehr Spaß bereitet hat, ist er dabei geblieben – und das obwohl er immer nach Pforzheim ins Training pendeln musste. Heute hat er den braunen Gurt. Wie sein Sohn, Michael Bschlangaul junior.
Bruder Georg hat den blauen Gürtel. Die beiden traten in die Fußstapfen des Vaters, allerdings erlernten sie ihre Fähigkeiten beim TV Vaihingen und weil Judo irgendwie ansteckend zu sein scheint, haben sie ihre Familien ebenfalls mit dem Kampfsportvirus infiziert.
Die Frau von Michael Bschlangaul junior, Barbro Hauff, zum Beispiel hat den blauen Gürtel, allerdings kämpft sie nur selten auf Turnieren, denn dort „treten meist nur Frauen mit einem schwarzen Gürtel an. Das ist bei den Männern anders“, erklärt sie. Aber auch so hat sie genügend zu tun. Zum Beispiel leitet Barbro Hauff gemeinsam mit ihrem Mann und Schwager Georg Bschlangaul das Training der Judo-Breitensportgruppe. Und weil es ganz ohne kämpfen keinen Spaß macht, gibt es ja auch noch das Randori, eine Übungsform, in der auch zwei ungleichstarke Judoka gegeneinander kämpfen können. So kann die 38-jährige Barbro Hauff zum Beispiel mit ihrem Mann gemeinsam auf die Matte gehen. Der träumt aber schon davon, dass seine siebenjährige Tochter Karla und die fünfjährige Franka irgendwann einmal mit ihrem Papa ein gleichwertiges Randori machen werden. Bis jetzt haben beide aber erst den gelb-weißen, beziehungsweise den weißen Gürtel.
Neffe Max ist dagegen schon fast ein gleichwertiger Gegner für Michael Bschlangaul junior, auch wenn der erst kürzlich bei der Europameisterschaft in Sindelfingen Fünfter wurde. Schon als Junior kämpfte Michael Bschlangaul junior in der württembergischen Spitze, aber bis jetzt kann nur der 13-jährige Max mithalten. 2007 belegte er bei den süddeutschen Meisterschaften den siebten, bei den württembergischen Meisterschaften den dritten und bei den nordwürttembergischen Meisterschaften den fünft Rang.
Max’ kleiner Bruder Michel hat bei seinem ersten Wettkampf auch gleich einen Erfolg gelandet. Der Achtjährige gewann die Bezirksmeisterschaften. Karl, der jüngste der drei Söhne von Georg Bschlangaul, muss dagegen auf seinen ersten Erfolg noch warten, denn er ist sechs Jahre alt und hat erst den weißen Gürtel.
Allerdings wird ihm wohl bald sein erster Gurt mit Farbe verliehen werden, denn er ist im Kinder-Judo, dass seine Mutter Christel Bschlangaul leitet. Das findet immer freitags zwischen 16 und 17.15 Uhr im Gymnastikraum der Vaihinger Stadthalle statt und ist für Fünf- und Sechsjährige. Der Nachwuchs wird langsam und spielerisch an Judo herangeführt. Wenn sie zum Beispiel eine Übung erlernt haben, dann bekommen die Kinder einen Stempel in ein Heft. Mit sieben Jahren sollte der Pass voll sein und dann gibt’s den ersten Gürtel.
Bei den Bschlangaul-Kindern hat der Kurs eingeschlagen, alle sind begeistert dabei, haben mittlerweile sogar schon einige Freunde in den Kurs mitgebracht.
Doch immer einfach ist es auch für die Bschlangaul-Kinder nicht, denn in der Judo-Welt kennt man sie und der Name verpflichtet. „Wenn Max zum Beispiel von einem Wettkampf zurückkommt und nicht so erfolgreich war, dann machen manche schon große Augen“, erzählt sein Onkel Michael Bschlangaul junior.
Doch Max hat gelernt, damit umzugehen. Mittlerweile hilft der 13-Jährige auch beim Training und hat den grünen Gürtel. „Ach ja, die Gürtel: die sind gar nicht so wichtig“, wirft Vater Georg ein. „Zumindest nicht für uns.“ Kämpfen sei wichtiger, Gürtelprüfungen eher etwas, was man ab und zu mal macht, denn um an vielen Turnieren teilnehmen zu dürfen, muss ein Kämpfer einen entsprechenden Gürtel besitzen.
Doch zurück zu Max. Die Familie träumt schon jetzt davon, dass einmal drei Generationen gemeinsam bei den Aktiven kämpfen. So lange muss der Opa mit dem Sport weitermachen. Bei den Europameisterschaften waren immerhin schon zwei Generationen und drei Bschlangauls (Michael Bschlangaul senior und seine zwei Söhne) am Start. Der Rest der Familie, inklusive Oma Marianne, die immun gegen Judo ist, saß derweil auf der Zuschauertribüne und hat die Judoka angefeuert.
Auch Max hat schon Pläne für seine aktive Zeit. „Ich möchte erst in der Bezirksliga kämpfen, da wo auch mein Papa und mein Onkel an den Start gehen“, sagt der 13-Jährige. Sein Trainer hatte nämlich vorgeschlagen, dass Max auch gleich in der Landesliga kämpfen könnte.
Man sieht, Judo ist für die Bschlangauls ein wichtiges Thema und durch den Sport hat die Familie einen besonderen Zusammenhalt. Nervt es nicht, ständig die Familie zu sehen? „Nö“, sind sich alle einig. Wenn es im Rahmen des Sports ist, gäbe es ja immer was zu tun. Trotzdem sehen sich die Bschlangauls oft: bei Trainingseinheiten, bei Turnieren, TVV-Veranstaltungen oder eben an Weihnachten. Und selbst da werden sich die Bschlangauls nicht überdrüssig. In allen Haushalten gibt es ausreichend Matten, bei Michael Bschlangaul junior sogar einen eigenen Judo-Raum. Und wenn die Familie den Weihnachtsbaum satt hat, dann geht’s eben auf die Judo-Matte. So ist selbst der sonst übliche Weihnachtsfamilienstreit bei den Bschlangauls kein Thema.        Eva Wirth


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