Donnerstag, 24. Mai 2012

Turngala in Mühlacker


Die Gala war eine Werbe-Show für das Turnen.
Mühlackers Gymnastinnen zeigten bei der Turn- und Sportgala des TV Mühlacker einmal mehr ihr Können. Fotos: Küppers

Mühlacker (kor) – Die Turn- und Sport-Gala des TV Mühlacker hat das Publikum begeistert. Mit der Veranstaltung zu seinem 120-jährigen Bestehen warb der Verein am Samstagabend über drei Stunden lang für den Turn-Sport.
Die Vorfreude muss groß gewesen sein: Kaum öffnete sich eine Stunde vor Beginn der Gala die Enztalsporthalle, waren viele der 800 Plätze auch schon besetzt. Dabei hatten sich die Besucher die Eintrittskarten im Vorverkauf gesichert. In der Halle stimmte sie ein auf eine Leinwand geworfener Zusammenschnitt der Turn-WM auf die Gala ein. Vor einem Vierteljahr hatte die Weltmeisterschaft in Stuttgart die Popularität des Kunstturnens gewaltig gesteigert. Die deutsche Männer-Riege hatte durch den Gewinn der Bronzemedaille gezeigt, dass das Land neben Jungstar Fabian Hambüchen weitere exzellente Turner aufbieten kann.
Zwei von ihnen hatten am Samstag einen Auftritt in Mühlacker: Der 26 Jahre alte Robert Juckel zeigte im zweiten Teil der Gala eine Übung am Pauschenpferd, der 20 Jahre alte Aufsteiger Marcel Nguyen aus Unterhaching turnte am Barren.
Davor hatte es in der Pause eine Autogrammstunde mit den beiden gegeben. Dabei mischte auch der kürzlich an beiden Schultern operierte und aus Berlin gekommene Thomas Andergassen mit, ebenso Karsten Kuritz, ein Teilnehmer der Trampolin-WM. Ihr Ziel war es, möglichst viele Turn-Kalender für die Stiftung ihres seit drei Jahren querschnittsgelähmten Turn-Kameraden Ronny Ziesmer zu verkaufen. Inklusive Spenden kamen fast 1500 Euro zusammen.
Mühlackers Oberbürgermeister Arno Schütterle wurde von Moderator René Lachmund insgesamt vier Mal nach vorne gerufen. Zunächst bei der Begrüßung. Eine Stunde später wedelte er dann im Stil einer Rhythmischen Sportgymnastin mit einem Band über die Bühne. Ob des ungewohnten Anblicks musste auch Ehefrau Priska herzlich lachen. „Dieser Auftritt kam sehr überraschend“, schmunzelte Schütterle, der wusste, dass er noch bei einem anderen Programmpunkt mitwirken sollte.
So begab sich Schütterle um 21.38 Uhr auf Socken in Richtung des im Frühjahr angeschafften Großtrampolins. „Wir werden den fliegenden OB sehen“, kündigte indes der Moderator an. Dann ging Mühlackers früheres Turn-Ass Rainer Moser auf die Knie: Über seinen Rücken gelangte das Stadtoberhaupt auf das Sportgerät. Dann kam Schütterle der Aufforderung nach, sich hinzulegen und die Füße auszustrecken. Im zweiten Anlauf beförderten dann die Turn-Experten Kuritz und Moser durch Sprünge auf dem Trampolin den Oberbürgermeister knapp einen halben Meter nach oben, um ihn aufzufangen. Wieder hatten Publikum und Moderator Freude daran, dass Schütterle den Spaß mitmachte. Als die Veranstaltung nach über drei Stunden zu Ende ging, schwärmte auch Schütterle. „Länger und intensiver“ als die Gala 2005 sei die Veranstaltung gewesen: „Das war unglaublich, wir steigern uns jedes Mal.“
Ansprechend war insbesondere die Vielfalt des Programms. Bei ihrem Tanz mit Regenschirmen repräsentierte die 40-köpfige Kindergruppe des TVM gleich zu Beginn den Breitensport. Gegen Ende warben zehn Aerobic-Frauen für Fitness im Verein. Gleich zwei Mal kamen als Vertreterinnen des Wettkampfsports jene Gymnastinnen zum Zug, die vor einem halben Jahr die deutsche Meisterschaft errungen hatten. Doch auch der Leistungssport kam nicht zu kurz. So wagte sich das Ötisheimer Turn-Talent Maike Roll vor rund 1000 Zuschauern auf den Schwebebalken.
Der große Sympathieträger hieß allerdings Ronny Ziesmer. Hörbar ergriffen erinnerte Manfred Michallik, der Vorsitzende des TV Mühlacker, gleich zu Beginn an jenen Sportunfall während der Vorbereitung auf die Olympischen Spiele von Athen, der Ziesmers Leben veränderte. Am 12. Juli 2004 schlug der heute 28-Jährige nach einem Tsukahara am Pferdsprung mit dem Kopf auf dem Boden auf. Da er sich die Halswirbelsäule brach, sitzt der Cottbuser seither im Rollstuhl. Die Anteilnahme der Mitmenschen nutzte Ziesmer, um Spenden für die Deutsche Stiftung Querschnittslähmung zu sammeln. Freundlich und geduldig erfüllte der frühere Turner auch den letzten Autogrammwunsch und bedankte sich für die Spendenbereitschaft des Publikums. Dann zog er sich zurück, um endlich mit den Nationalmannschaftskameraden zusammen zu sitzen.


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