Donnerstag, 24. Mai 2012

Spiel des Tages


Der FC Gündelbach spielte gegen 08 Bissingen II.
Der FC Gündelbach (gestreifte Hemden) sorgte gegen 08 Bissingen II für einige Déjà-vu-Erlebnisse. Foto: Wirth

Gündelbach (ev) – Die Pokalpartie zwischen dem FC Gündelbach und 08Bissingen II hatte es in sich: 120 Minuten Spannung pur, Elfmeterschießen und ein Wiedersehen mit alten Bekannten. Aber irgendwie hatte man dabei das Gefühl, dies alles schon einmal erlebt zu haben.
Am 2. November stand über einem Artikel in der Vaihinger Kreiszeitung folgende Überschrift: FCG – ohne Auswechselspieler zum Erfolg. Damals drehten die Gündelbacher Kicker ohne Stürmer Andreas Bahmer einen 0:2-Rückstand und siegten nach der Verlängerung im Pokalspiel gegen den Bezirksligisten Freudental.
Das war vor über einem Monat, doch gegen die 08-Zweite erlebten die Zuschauer Ähnliches. Auch dieses Mal musste Andreas Bahmer passen. Der Stürmer fiel verletzt aus, versicherte allerdings, dass er zum Rückrundenbeginn wieder fit sein werde. Er stand also draußen und musste zugucken. Sonderlich viel Gesellschaft hatte er dabei allerdings nicht. Nicht viele Zuschauer fanden bei minus ein Grad den Weg auf den Sportplatz. Selbst die Gündelbacher Spieler waren recht wenige. Elf Mann standen bei Spielbeginn auf dem Platz – die Reservebank war verwaist. Etliche Spieler waren angeschlagen. Carsten Posch und Walter Gobbo waren zwar als Auswechselspieler notiert, aber geschäftlich verhindert. Sie waren nur vorsorglich als Ersatzspieler genannt worden, falls sie doch auftauchen sollten.
Ganz anders sah es auf der anderen Seite aus. 18 Spieler liefen sich für 08 Bissingen II warm. Der Plan von Boris Cretni, Trainer des Bezirksligisten: Spieler einsetzen, die in dem großen Kader sonst nicht zum Zuge kommen. Doch trotz der zahlenmäßigen Überlegenheit warnte er: „Quantität ist nicht gleich Qualität.“ So kam es ihm sehr gelegen, dass Bahmer nicht auflief. Cretni kannte seine Torgefährlichkeit noch aus der Zeit, als der Stürmer für die 08-Erste spielte. Auch die Stärken von Spielertrainer Reiner Kussmaul, der fünf Jahre das Bissinger Trikot trug, waren ihm bewusst. „Natürlich kennen wir noch einige, auch wenn wir heute gegen die Zweite spielen“, sagten die beiden Ex-Bissinger vor dem Spiel. Mehr Nostalgie kam dann aber nicht auf, oder? „Wir haben in einer Vorbereitungspartie gegen die 08-Zweite 2:2 gespielt, auch ohne Andreas Bahmer“, so Kussmaul.
Die Vorzeichen für den FCG standen also gut. In den ersten zehn Minuten war Boris Cretni mit der Leistung seiner Mannschaft überhaupt nicht zufrieden, doch in Minute elf hatte er Grund zu jubeln: Michael Lamnek erzielte das 1:0, nachdem ihm ein Querschläger eines Mitspielers im Sechzehnmeterraum direkt vor die Füße gefallen war. Zu diesem Zeitpunkt war die Führung noch etwas schmeichelhaft, doch die Torchancen der 08-Zweiten häuften sich. Gündelbach kam zwar ebenfalls immer wieder gefährlich vors gegnerische Tor, doch zu oft mühte sich die einzige Spitze Michael Schmid umsonst, da keine Anspielstationen vorhanden waren. Bis zur Halbzeitpause nutzte keines der beiden Teams eine Chance, doch nur sechs Minuten nach Wiederanpfiff in Hälfte zwei scheiterten die Bissinger an der Latte. Nachdem Markus Posch ebenfalls eine gute Chance ausgelassen hatte, war der Bissinger Heiko Grau zur Stelle und erhöhte auf 2:0.
Ein 0:2-Rückstand – ist das noch aufzuholen? Gegen Freudental hatte es ja geklappt. Als Markus Posch in der 70. Minute aus einem Gewühl heraus den Anschlusstreffer markierte, keimte die Hoffnung auf. Und nur fünf Zeigerumdrehungen später klappte es tatsächlich: Philipp Aisenbrey erzielte das 2:2. Doch gleich danach stand FCG-Torhüter Thorsten Krumm wieder unter Beschuss. Beide Mannschaften wollten nun das entscheidende Tor, das Spiel war ausgeglichen. Es ging munter hin und her. Heiko Grau scheiterte noch einmal an der Latte, doch es blieb beim 2:2 – wie im Vorbereitungsspiel. Doch eine Pokalpartie verlangt eine Entscheidung. So ging es in die Verlängerung. Während Boris Cretni munter wechselte und das Wechselkontingent von fünf Spielern ausnutzte, agierte Gündelbach ab der 100. Minute nur noch zu zehnt. Guido Schaikowski hatte die Gelb-Rote Karte gesehen und prompt scheiterte die 08-Zweite erneut am Aluminium. Aber trotz der Unterzahl und fehlenden Wechselmöglichkeiten erarbeitete sich der FCG die besseren Chancen. Immer öfter war auch Libero Reiner Kussmaul vorne zu finden, aber es reichte nicht. So musste ein Elfmeterschießen entscheiden. Für Gündelbach traten an: Markus Posch, Steffen Rohloff, Philipp Aisenbrey und Reiner Kussmaul. Alle trafen und da der Bissinger Sandro Di Benedetto an Thorsten Krumm scheiterte und sein Kollege Alexander Vritschan verschoss, gewann Gündelbach mit 6:5.
Was lernen wir aus dieser Geschichte? Wenn Gündelbach auf 08 Bissingen II trifft, endet das Spiel nach regulärer Spielzeit 2:2 und wenn der FCG im Pokal auf einen Bezirksligisten trifft, Andreas Bahmer fehlt, die Ersatzbank leer bleibt, dann muss Gündelbach zwar einen 0:2-Rückstand aufholen, geht am Ende aber als Sieger vom Platz.
Wenn die Serie hält, dann könnte auch der Wunsch von Spieletrainer Markus Posch in Erfüllung gehen. Der träumt nämlich von Berlin, wohin die Gündelbacher fahren würden, wenn sie in diesem Jahr den Bezirkspokal, im nächsten Jahr den WFV-Pokal gewinnen und dann im DFB-Pokal im Endspiel stehen würden. „Und wenn wir das gewinnen, dann wünsche ich mir als Gegner im Uefa-Cup Atlético Madrid. Man darf also auf die nächsten Pokalauftritte des FCG gespannt sein.

FC Gündelbach: Krumm – Burger, Oberrauch, Rohloff, Kussmaul, Markus Posch, Zorn, Schaikowski, Schmid, Autenrieth, Aisenbrey.


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