30/08 2010
Sersheimer wachen zu spät auf
Sersheim (nac). Wie das Kaninchen vor der Schlange – zumindest über weite Strecken des Spiels gegen Hellas Bietigheim. So agierten die Sersheimer in der ersten Runde des Fußball-Bezirkspokals Enz/Murr. Doch als sie ihren Respekt abgelegt hatten, hätten sie die Partie beinahe noch gedreht. Gegen Hellas verloren sie mit 4:6 (0:4).
„Das war eine katastrophale erste Halbzeit“, sagte der Sersheimer Trainer Reiner Kussmaul enttäuscht. „Wenn wir so eine Leistung in der Punkterunde zeigen, holen wir nicht viele Punkte.“ Der Bezirksligist aus Bietigheim war rund 60 Minuten lang gedanklich schneller als die Sersheimer und folgerichtig stets einen Schritt schneller am Ball. Dennoch waren Chancen in der Anfangsphase Mangelware. Die Sersheimer machten vieles mit gutem Stellungsspiel in der Defensive wett. Doch mit zunehmender Spieldauer wurde die Löcher in der Abwehr immer größer. Vor allem über die rechte Seite der Sersheimer rollte ein Angriff der Bietigheimer nach dem anderen gefährlich auf das Tor von Marco Lipowschek zu. Der junge Torwart – gerade erst aus den A-Junioren in die erste Mannschaft aufgerückt – ließ sich von der Unsicherheit seiner Vorderleute anstecken. Oftmals wirkte er in der ersten Halbzeit nicht souverän.
Der erste Bietigheimer Treffer ging sogar auf seine Kappe. Bei einer Bogenlampe im eigenen Strafraum ging Lipowschek nicht energisch genug zum Ball. Der oberligaerfahrenen Stürmer Charles Udiefi ging dazwischen und schob zum 1:0 ein (26. Minute). Bei den folgenden Toren war Lipowschek dagegen machtlos. In der 34. Minute war Udiefri am kurzen Pfosten nach einer Ecke schneller als ein Sersheimer Verteidiger – 2:0. In der 42. Minute kam Sandro Aprigliano einen Schritt gegen Udiefi zu spät, als der Ball in die Schnittstelle der Verteidigung gespielt worden war. Und in der Nachspielzeit stieg Benjamin Rehm im VfR-Strafraum am höchsten – 4:0. Erst in der zweiten Halbzeit hatte Lipowschek seinen Respekt abgelegt und hielt den Rückstand der Sersheimer mehrmals im Rahmen. „Ich bin zufrieden mit seiner Leistung“, erklärte Kussmaul. „Er hat wegen Uralaubs erst eine Woche trainiert und ist noch ziemlich jung.“
Dennoch mussten die Sersheimer sogar das 0:5 hinnehmen. Erneut war Udiefi zur Stelle und hämmerte den Ball unter die Latte (49.). Erst als Daniel Traickel Franco Antonaci im Hellas-Strafraum zu Boden stief, wofür er wegen einer Notbremse die Rote Karte sah, Stefan Schmid den fälligen Elfmeter sicher verwandelte (58.) und Antonaci nur drei Minuten später das 2:5 folgen ließ (61.), erwachten die Sersheimer aus ihrer Lethargie. Endlich fingen sie an zu kämpfen, nahmen die Zweikämpfe an und spielten mutiger nach vorne. Kussmaul: „Plötzlich war der Biss und der Wille da. Da hat man gesehen, dass auch gegen so einen Gegner etwas drin ist.“ In der letzten Viertel Stunde wurde es sogar noch einmal richtig spannend. Es spielte fast nur noch der VfR. Zunächst verkürzte Fatmir Umeri auf 3:5 (76.). Dann erzielte Antonaci sogar den Anschlusstreffer zum 4:5 (84.). Doch fast im Gegenzug machte erneut Udiefi alle Sersheimer Hoffnungen zunichte, als er freistehend aus elf Metern den 6:4-Endstand erzielte.
VfR Sersheim: Lipowschek – Bienias, Alexander Schaaf, Marterer (46. Walzog) – Sandro Aprigliano (Maurizio Aprigliano), Hammel (74. Umeri), Christian Schaaf, Stefan Schmid , Staudenmaier (58. Marco Aprigliano) – Scacchetti, Glaser (46. Antonaci).
Hellas Bietigheim: Stroba – Kankam, Punzi, Traickel – Gökmen (55. Katsanidis), Pak, Isaia, Sejdovic, Bajrami (78. Moralis) – Udiefi, Rehm.
Tore: 0:1 Charles Udiefi (26.), 0:2 Charles Udiefi (34.), 0:3 Charles Udiefi (42.), 0:4 Benjamin Rehm (45.+2), 0:5 Charles Udiefi (49.), 1:5 Stefan Schmid (58./Foulelfmeter), 2:5 Franco Antonaci (61.), 3:5 Fatmir Umeri (76.), 4:5 Franco Antonaci (84.), 4:6 Charles Udiefi (86.).
Besondere Vorkommnisse: Rote Karte Daniel Traickel wegen einer Notbremse (57.).
Schiedsrichter: Uwe Bolz (Wiernsheim).
Zuschauer: 100.
