Was bei Frauen im Sport anders läuft
28/08 2010
Was bei Frauen im Sport anders läuft
Vaihingen (mm). Frauen drehen ihre Runden durch Straßen und Wälder – genauso wie Männer. Aber laufen sie auch genauso? Wir haben nachgeforscht, was Läuferinnen über Training, Ernährung, Ausrüstung und Mode wissen müssen.
2010 ist das große Jubiläumsjahr in Sachen Marathon, denn seit genau 2500 Jahren wird nun schon die legendäre Distanz von 42,195 km zurückgelegt. Natürlich muss frau nicht gleich auf die Marathonstrecke gehen – viele Frauen joggen, ohne auf Zeit und Streckenlänge zu achten, weil es Spaß macht und fit hält.
Ausdauersport für Frauen lange ein Tabu: Bis nach dem Zweiten Weltkrieg waren Ausdauersportarten für Frauen kein Thema. Noch 1966 lehnten die Veranstalter des Boston-Marathons die Anmeldung einer Läuferin mit der Begründung ab, das schwache Geschlecht sei nicht in der Lage, diese Distanz zu laufen. Erst seit 1972 dürfen Frauen offiziell an den Start eines Marathons gehen. Bis 1984 dauerte es, ehe die Damen um olympische Medaillen mitkämpfen durften. Auch kürzere Strecken, wie der 3000-Meter-Lauf, waren lange nur den Männern vorbehalten.
Immer mehr Frauen joggen: Mittlerweile steigt die weibliche Laufgemeinde stetig. Beendeten beispielsweise 1983 in Berlin nur 4,6 Prozent Frauen den Marathon, sind es heute in Deutschland im Schnitt 20 Prozent. In New York sind sogar ein Drittel des Teilnehmerfelds Läuferinnen, und beim Honolulu-Marathon ist fast jeder zweite Starter weiblich. Auch reine Frauenläufe haben Hochkonjunktur: So gingen Ende Mai dieses Jahres 21100 Frauen und Mädchen auf die Fünf- und Zehn-km-Strecke beim Frauenlauf in Wien an den Start.
Geschlechtsspezifische Unterschiede: Bei Frauen ist der Puls bei gleicher Belastung höher, da das weibliche Herz kleiner ist. Zehn bis 15 Schläge mehr auf der Pulsuhr als ein männlicher Laufpartner sind daher nichts Beunruhigendes. Allerdings wissen viele Hobbysportlerinnen dies nicht und neigen dazu, sich zu unterfordern, da sie sich nach allgemeinen Pulsformeln richten. Außerdem wiegt im Normalfall der weibliche Körper aufgrund einer im Schnitt geringeren Körpergröße und einem leichteren Knochenbau weniger. Auch viele Organe, wie die Lunge, sind kleiner. Folge sind geringere Blutmengen im Körper und eine kleinere Sauerstoffaufnahmekapazität, woraus eine geringere Ausdauerleistungsfähigkeit resultiert.
Frauen schwitzen weniger: Frauen haben weniger Schweißdrüsen als Männer. Sie schwitzen weniger und neigen dadurch schneller zu Kreislaufproblemen. Sie müssen bei Hitze aufpassen, nicht zu dehydrieren.
Frauen haben weniger Muskelmasse: Dies hängt zum einen mit dem bis zu zehn Prozent höheren Fettanteil im Köper zusammen, zum anderen damit, dass der weibliche Körper viel weniger männliche Geschlechtshormone produziert. Der geringere Testosterongehalt ist einer der Hauptgründe, warum Frauen in Sachen Schnell- und Maximalkraft sowie der Kraftausdauer unterlegen sind. Frauen wiederum sind aufgrund eines höheren Östrogenwertes – dem weiblichen Geschlechtshormon – oft beweglicher und dehnfähiger als Männer. Ihr höherer Körperfettanteil liefert ihnen zudem größere Energiereserven, weswegen Läuferinnen für längere Strecken prädestiniert sind.
Ausrüstung und Outfit: Bei der Laufkleidung gibt es alles, was das weibliche Modeherz begehrt. Ob kurz oder lang, uni oder farbenfroh, lässig oder formbetont. Sogar Laufröcke gibt es zu kaufen. Wichtig ist allerdings, dass das Outfit sitzt und die Stoffe atmungsaktiv sind, sonst drohen unnötige Scheuerstellen oder sehr feuchte schwere Kleidungsstücke. Viel Wert sollten Frauen auch auf einen passenden Sport-BH legen.
Frauen haben schmalere und flachere Füße: Nachdem in den vergangenen Jahren verstärkt orthopädische und bewegungswissenschaftliche Untersuchungen mit Frauen beim Laufen durchgeführt wurden, haben etliche Laufschuhhersteller spezielle Frauenlaufschuhe entwickelt. Der Grund: Frauen haben schmalere und flachere Füße als Männer. Den Forschern fiel zudem auf, dass Frauen häufiger X-Beine haben und dass sie Füße, Knie und Hüften beim Laufen stärker beugen als männliche Läufer. Diese Erkenntnisse haben dazu geführt, dass Frauenlaufschuhe flexibler und leichter geworden sind. Zudem wurde die Dämpfung reduziert, da Frauen durch die stärkere Beugung der Gelenke eine höhere Eigendämpfung haben. Frauen benötigen wegen ihrer schlankeren und flacheren Füße zudem eher eine stärkere Mittelfußstabilisierung und eine schmalere Schuhleiste, die eine bessere Passform garantieren.
Laufen mit Knopf im Ohr: Das Laufen mit Musik ist in Mode gekommen – vor allem bei Frauen. Nach einer aktuellen Forsa-Umfrage soll jeder zweite Läufer – egal welchen Geschlechts – bereits mit Musik laufen, um sich zu motivieren und schneller zu laufen. Mittlerweile gibt es einige MP3-Player auf dem Markt, die speziell fürs Laufen angefertigt sind und mit einer Halterung am Oberarm befestigt werden können. Es sollte darauf geachtet werden, dass die Kopfhörer nicht drücken. Außerdem sollte die Musik zum Laufrhythmus passen. Grundsätzlich gilt aber, dass konzentriertes Training mit Musik schwer umsetzbar ist. Auch die Unfallgefahr steigt, da die Sportler ihre Umwelt nur noch eingeschränkt wahrnehmen.
Erhöhter Eisenbedarf: Frauen, die täglich laufen, neigen zu Eisenmangel. Dies hängt zum einen mit dem generell erhöhten Eisenbedarf von Ausdauersportlern zusammen, zum anderen damit, dass Frauen aufgrund der Menstruation ohnehin mehr Eisen benötigen. Ein niedriger Eisenspiegel verursacht Müdigkeit und schlechte Ausdauerleistungen. Das Blut kann den Sauerstoff nicht schnell genug zu der arbeitenden Muskulatur transportieren. Zu viel Eisen ist allerdings auch nicht förderlich, da dies unter anderem die Zinkaufnahme im Körper erschwert und so das Immunsystem schwächt.
Deswegen gilt: Wer viel Sport macht, sollte trotz einer gesunden Ernährung regelmäßig die Blutwerte beim Arzt kontrollieren lassen, um eventuelle Mängel rechtzeitig zu erkennen und gezielt anzugehen.
