27/08 2010
„Wir werden den Titel holen“
Vaihingen (nac). Als einziger Spieler des TV Vaihingen steht Marco Lochmahr im Aufgebot Deutschlands bei der heute beginnenden EM. Die VKZ hat sich mit ihm über die Aussichten der deutschen Nationalmannschaft bei der EM und darüber unterhalten, wie er damit umgeht, dieses Mal keine Vereinskameraden bei einem großen Turnier um sich zu haben.
Heute beginnt die Europameisterschaft im schweizerischen Ermatingen. Mit welchen Erwartungen fahren Sie zu den Titelkämpfen?
Wir haben uns gut vorbereitet und im Vergleich zu den World Games im vergangenen Jahr einen noch stärkeren Kader. Nachdem es in Taiwan gegen Österreich und die Schweiz schon sehr eng war, sollte es dieses Mal sogar ein bisschen besser laufen. Die Bronzemedaille ist eigentlich Pflicht. Es gibt nur drei Mannschaften, die die Medaillen unter sich ausmachen. Das sind Österreich, die Schweiz und wir. Alle anderen Mannschaften werden mit der Medaillenvergabe meiner Meinung nach nichts zu tun haben.
Was sind die Stärken der deutschen Nationalmannschaft?
Mit Patrick Thomas aus Pfungstadt haben wir einen weiteren Angreifer von Weltniveau hinzubekommen. Bei den World Games in Taiwan mussten wir uns auf Steve Schmutzler aus Rosenheim verlassen, der praktisch jedes Spiel durchspielte. Das ist nun nicht mehr der Fall. Jetzt haben wir zwei Angreifer, die sowohl Angabe als auch Rückschlag übernehmen können. Jetzt kann Bundestrainer Olaf Neuenfeld auch mal einen schonen. In der Abwehr ist sicherlich die Stärke, dass die fünf Spieler fast auf einem Niveau spielen. Der Bundestrainer kann ohne Bruch jeden auswechseln, wenn es mal nicht so läuft.
Und ihre Schwächen?
Leider gibt es keine zwei Spieler aus einem Verein mehr, wie es vor einem Jahr noch war. Damals hat praktisch die komplette Vaihinger Abwehr auch in der Nationalmannschaft gespielt. Nun kommt jeder aus einem anderen Verein. Da ist man noch nicht so eingespielt. Außerdem haben wir einen sehr jungen Kader – vielleicht einen der jüngsten bei der EM. Für die Meisterschaften in diesem Jahr ist das wahrscheinlich ein Nachteil. Aber mit Blick auf die WM 2011 kann es ein Vorteil sein.
Die großen Konkurrenten in Europa sind Österreich und die Schweiz. Wie groß ist noch der Abstand zwischen Deutschland und den beiden Nationen?
Beim Länderspiel in Vaihingen war der Abstand noch relativ groß. Diese Partie kann aber nicht als Maßstab herangezogen werden. Damals haben zwei Mannschaften gegeneinander gespielt, die so nicht bei der EM spielen werden. Wir haben jetzt noch einmal ein Testspiel gegen die Schweiz gehabt. Da war es schon relativ eng. Es ging nur 2:4 aus. Im Halbfinale bei den World Games ging es sogar noch knapper zu – 3:4. Außerdem haben wir in Taiwan gegen die Schweiz bereits in der Vorrunde gewonnen. Gegen Österreich sieht es ähnlich aus. Die drei Mannschaften sind in meinen Augen auf einem Niveau.
Ist Deutschland nun bereit, endlich eine dieser Nationen wieder zu schlagen?
Sicherlich.
Sie stehen dieses Mal als einziger Spieler des TV Vaihingen im Aufgebot der deutschen Nationalmannschaft. Ist das etwas Besonderes für Sie?
Sicherlich. Es ist aber auch schade, dass Kolja Meyer und Michael Marx nicht berücksichtigt worden sind. Es war aber auch eine schwere Entscheidung für den Bundestrainer. Es gab viele Spieler, die auf einem Nievau spielten.
Woran liegt es aus Ihrer Sicht, dass Ihre Mannschaftskameraden beim TV Vaihingen, Kolja Meyer und Michael Marx, den Sprung in den EM-Kader nicht geschafft haben?
Michael Marx war am Ellbogen leicht verletzt. Und das so knapp vor der EM. Das Risiko wäre zu groß gewesen, einen angeschlagenen Spieler mitzunehmen und jemanden, der zu 100 Prozent fit und gleich gut ist, zu Hause zu lassen. Die Entscheidung kann ich nachvollziehen.
Bei Kolja Meyer war es meiner Ansicht nach ganz knapp. Es hat sich zwischen ihm und Christian Erlenmayer aus Unterhaugstett entschieden. Erlenmayer ist für die Vorne-rechts-Position etwas besser geeignet, da er schneller ist, ein bisschen besser abwehrt und auch im Zuspiel einen Tick besser ist. Vorne links sind Steve Schmutzler und Patrick Thomas gesetzt. Da wäre Kolja Meyer auch nicht herangekommen.
Wie gehen Sie damit um, dass Sie sich während des Turniers nicht mit Ihren Vereinskameraden austauschen können?
Diese Erfahrung hatte ich bereits in der Jugend gemacht, als ich immer der einzige Spieler aus meinem Verein war. Bei den Aktiven ist das jetzt aber zum ersten Mal der Fall. Ich denke aber, mit den anderen versteht man sich genauso gut wie mit den eigenen Vereinskameraden. Man kennt zwar die Psyche nicht ganz so gut. Aber ich denke, das wird kein Problem. Man kann sich genauso austauschen wie mit den eigenen Leuten.
Ist das ein Nachteil?
Nein, überhaupt nicht.
Und wer wird Europameister?
Wir werden den Titel holen. Wir sind nach langer Zeit wieder bereit. Wir stehen hinten sehr gut. Schon bei den World Games waren wir da besser als Österreich und die Schweiz. Im Angriff sind wir noch stärker geworden, als wir es im vergangenen Jahr waren. Deshalb denke ich, dass wir beide schlagen können.
INFO
Deutsche Nationalmannschaft
Bundestrainer Olaf Neuenfeld und sein Assistent Christian Löwe sind mit insgesamt 13 Spielern in das EM-Jahr gestartet. Zu den europäischen Titelkämpfen fahren nun acht Spieler. Folgende Akteure hat der Bundestrainer berufen:
Angriff
Steve Schmutzler (MTV Rosenheim)
Patrick Thomas (TSV Pfungstadt)
Christian Erlenmayer (TV Unterhaugstett)
Abwehr
Ajith Fernando (TSV Pfungstadt)
Christian Kläner (TV Brettorf)
Sascha Ball (VfK Berlin)
Fabian Sagstetter (TV Schweinfurt)
Marco Lochmahr (TV Vaihingen)
