Donnerstag, 24. Mai 2012

Ohne Sportgerät kein Sport mehr




18/08 2010

Ohne Sportgerät kein Sport mehr

Gerät
Oftmals sind die Kästen beim Turnen – hier zeigt Lina Meyer vom TV Vaihingen einen Sprung – Eigentum der Gemeinde. Die Matten für die Kata-Übung der Mannschaft hat sich der Goju-Ryu-Karateverein Vaihingen ohne Bezuschussung zugelegt. Fotos: privat

Vaihingen (nac). Sport ohne Sportgeräte? Selbst Läufer und Schwimmer, die eigentlich nur das benötigen, was sie am Leibe tragen, und eine freie Trainingsstrecke, sind ohne technische Hilfsmittel aufgeschmissen, sobald es zum Wettkampf kommt. Wenn es um Hunderstel Sekunden geht, reicht eine einfache Stoppuhr nicht mehr aus.

Sport ohne Sportgeräte ist heute kaum noch denkbar. „Wie wollen Sie Biathlon, Stabhochsprung, Rudern oder Baseball ohne Sportgerät durchführen“, fragte einmal Jürgen Hanke, Leiter des Geschäftsbereichs Sportstätten, Bewegungsräume und Kommunalberatung beim WLSB. „Im Grunde kommt keine Sportart ganz ohne Gerät aus – insbesondere im Wettkampf.“

Doch wie an eine gute Ausrüstung kommen und nicht stehlen? Für viele Vereine ist das eine ernstzunehmende Frage. „Wir müssen kräftig knabbern – oder weniger anschaffen“, sagt Rudolf Mauch, Kassenwart des Kanuclubs CJD Schloss Kaltenstein. Das Motto des kleinen Vaihinger Vereins war es stets, dass alle Kinder und Jugendliche die Ausrüstung zum Paddeln gestellt bekommen. Doch ein Einer-Kanu kostet um die 1000 Euro. Bei größeren Booten gibt es kaum eine Grenze nach oben.

In der Vergangenheit hat sich der Kanuclub immer an den Württembergischen Landessportbund (WLSB) gewandt. Bei der Anschaffung von Sportgeräten unterstützte der Verband finanziell. Mauch: „Früher haben wir auf jedes Sportgerät einen Zuschuss von 30 Prozent des Anschaffungswertes bekommen. Die Förderung war kein Problem. Man musste nur die Originalrechnung und einen Nachweis darüber, dass das Geld ausgegeben worden war, einreichen.“

Doch im Jahr 2004 stellte der WLSB die Sportgeräteförderung vorerst ein. In den vier Jahren davor wurden im Schnitt 2200 Anschaffungen pro Jahr mit einem jährlichen Volumen von 1,7 bis 2,0 Millionen Euro bezuschusst. Erst nach langem Rechnen wurde die Sportgeräteförderung 2007 wieder aufgenommen. Allerdings mit erheblichen Hürden. Der Anschaffungswert eines Sportgeräts, das finanziell gefördert wird, wurde von 250 auf 2000 Euro angehoben. Die Förderungssumme beläuft sich nur noch auf insgesamt rund 700 000 Euro. „In den drei Jahren, in denen die Förderung ausgesetzt war, kristallisierte sich heraus, dass die Vereine vor allem bei der Finanzierung von Großgeräten Probleme haben“, erklärt Hanke vom WLSB. „Wenn man bedenkt, dass für ein neues Rennruderboot schnell mal mehrere Tausend Euro draufgehen, liegt das auf der Hand.“

Die meisten Sportgeräte bleiben damit aber von der Förderung ausgeschlossen. Die Kosten für neue Hand-, Fuß- oder Basketbälle übersteigen vielleicht in der Summe mehrerer Bälle die magische Grenze, nicht aber als Einzelwert. Selbst ein Kanu oder die Matten für Karate oder Judo kosten nur rund 1000 bis 1500 Euro. Förderung ausgeschlossen. Die Kosten werden in der Zwischenzeit auf die Mitglieder umgelegt. „Bisher haben wir den Helm oder die Spritzweste beim Paddeln gestellt. Nun müssen sie sich unsere Mitglieder selbst zulegen“, sagt Mauch vom Kanuclub Vaihingen. „Außerdem müssen wir jetzt genauer hinschauen, was wir machen. Da kann es sein, dass wir nicht unser Wunschboot kaufen können.“

Diese Erfahrung hat auch Arthur Bastian gemacht. „Der Aufwand und der Ertrag stehen in keinerlei Verhältnis. Die Arbeit mache ich mir nicht mehr“, sagt der Vorsitzende des Goju-Ryu-Karatevereins Vaihingen. „Wir versuchen lieber, unsere Matten irgendwo günstig zu erwerben und dann über eigene Mittel zu finanzieren.“

Auch die Turner des TV Sersheim haben bisher vieles aus eigener Tasche bezahlt. „Vom Landessportbund gab es zuletzt eigentlich nichts mehr“, berichtet Pressewartin Karin Geske. „Wir zahlen alles selber.“ Allerdings liegen die Kosten für Handgeräte der Gymnastinnen im zweistelligen Bereich. Geske: „Gute Keulen kosten nur rund 20 Euro. Seile sind sogar billiger.“ Bei der Anschaffung von Kästen, Schwebebalken und einigen Tischtennisplatten, die in der Sersheimer Kunst- und Kulturhalle stehen, haben sich der Verein und die Gemeinde die Kosten geteilt. Doch nun steht eine weitere Investition bevor. „Wir haben uns überlegt, ob wir eine RSG-Matte anschaffen sollen. Das ist eine 13 x 13 Meter große Matte, auf der die Rhythmische Sportgymnastik bereits turnt. Und auch für die Bodenturner ist es angenehmer. Doch die Matte kostet zwischen 6000 und 7000 Euro. Das gibt man nicht einfach so aus.“



INFO
Was wird gefördert - was nicht

Seit ihrer Aussetzung in den Jahren 2004 bis 2006 gibt es erhebliche Einschränkungen in der Sportgeräteförderung. Beispielsweise wurde die Untergrenze beim Anschaffungspreis von Sportgeräten von 250 auf 2000 Euro und bei Pflegegeräten von 2500 auf 5000 Euro heraufgesetzt. Die Zuschusshöhe beträgt 30 Prozent vom Einzelkaufpreis. (nac)

Zuschussfähig sind
Kraft- und Fitnessgeräte (bis 5000 Euro)
Schulpferde (ab 3000 Euro, innerhalb von fünf Jahren aber höchstens 10 000 Euro)
Musikanlage (bis 4000 Euro)
Schwimmleinen-Satz (bis 3000 Euro)
Zeitmessanlage (bis 5000 Euro)
Segelboote (bis 10 000 Euro)
Ruderboote (bis 15 000 Euro)
Begleitboote (bis 3000 Euro)
Kanus (bis 5000 Euro)
Kompressoren zum Beispiel fürs Tauchen (bis 5000 Euro)
Mattensätze für Sportarten wie beispielsweise Ringen, Judo, Karate, Taekwondo, Ju-Jutsu und Turnen (ab 2000 Euro, innerhalb von fünf Jahren aber höchstens 7000 Euro)
Pflegegeräte (je Sportart innerhalb von fünf Jahren bis höchstens 10 000 Euro)
Sportwaffen (bis 4000 Euro)

Nicht zuschussfähig sind
Sportbekleidung
Reparaturen und Instandsetzungen
Ersatzteile für Reparaturen
Einrichtung des Vereinsheims und des Büros inklusive Personalcomputer und Software
Kleinbusse, Pkw, Lkw und andere Transportmittel
Ersatzspieler-Bänke, Kabinen
Spielstandsanzeigen und Lautsprecheranlagen zur Zuschauerinformation
Gebrauchsgegenstände (Büro, Küche)
Sportgerätegrundausstattung gemeinde-eigener Sporthallen




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