Donnerstag, 24. Mai 2012

„Als Linienrichter habe ich sehr viel gelernt“




Schiedsrichter Tobias Lauber zeigt die Rote Karte – an diesen Anblick dürfen sich jetzt auch Landesliga-Kicker gewöhnen.	Foto: Sattler
Schiedsrichter Tobias Lauber zeigt die Rote Karte – an diesen Anblick dürfen sich jetzt auch Landesliga-Kicker gewöhnen. Foto: Sattler

Kleinglattbach (sv). enn in wenigen Tagen die neue Saison startet, geht es für die Fußballer landauf, landab wieder um Auf- und Abstieg. Was viele nicht wissen: Auch für die Schiedsrichter hat dann das Rennen um die Plätze an der Sonne begonnen. Zum Beispiel für Tobias Lauber, der vor seiner ersten Landesliga-Saison steht.

Tobias Lauber hat ein Hobby, um das ihn nicht viele beneiden. Als Fußball-Schiedsrichter ist es seine Aufgabe, die Einhaltung der Regeln auf den Sportplätzen zu überwachen. Dazu muss er in Bruchteilen von Sekunden Entscheidungen treffen – für die er meistens nicht nur lobende Worte erhält. Das Pfeifen ist dennoch die Passion des Kleinglattbachers. Und weit gebracht hat es der 24-Jährige auch schon. Immerhin steht er nach dem Aufstieg aus der Bezirksliga nun vor seiner ersten Saison in der Landesliga – und ist damit der beste Schiedsrichter der Schiedsrichtergruppe (SRG) Vaihingen.

Begonnen hat seine Karriere bei einem Jugendspiel auf dem Kleinglattbacher Sportplatz. „Ich habe da richtig über den Schiedsrichter geschumpfen“, erinnert sich Lauber. Steffen Drexler, ebenfalls Unparteiischer und damals als Zuschauer anwesend, klopfte dem Jungspund auf die Schulter und sagte: „Wenn du es besser kannst, bist du beim nächsten Neulingskurs dabei.“
Diese Aufforderung nahm Lauber für bare Münze und legte im Februar 2003 seine Schiedsrichterprüfung ab. Seitdem reist er für seinen Heimatverein TSV Kleinglattbach durch die Lande. An das erste Spiel, das er leiten musste, erinnert sich der Kleinglattbacher noch genau: „Das war katastrophal. In der Ansetzung war von einem Heimspiel der D-Junioren-Spielgemeinschaft Sersheim/Horrheim die Rede. So kam es, dass mein Betreuer und die Heimmannschaft in Horrheim standen, die Gäste-Elf und ich aber in Sersheim warteten.“ Pünktlich angepfiffen hat Lauber die Begegnung – nach eigener Aussage – trotzdem.

Weiter ging es für ihn auf der Karriereleiter. Im Sommer 2003 folgte ein Kurs für zukünftige Schiedsrichterassistenten und im Anschluss postwendend zwei Ansetzungen als Linienrichter in der Verbandsliga. Das klappte so gut, dass Lauber, der außerhalb des Fußballplatzes Kfz-Mechatroniker ist, ganze drei Jahre bei Schiedsrichter Uwe Bolz in der Verbandsliga amtierte. „An der Linie habe ich viel gelernt. Vor allem, was das Auftreten gegenüber den Spielern angeht“, sagt der Landesliganeuling.
Lehrgeld bezahlen musste der Schiedsrichter in seiner ersten Bezirksligasaison unter Beobachtung. In der Spielzeit 2005/2006 flog er wegen zu schlechter Noten bereits zur Winterpause aus dem Kreis der beobachteten Referees. „Aber auch dieses halbe Jahr hat mich, was Lauf- und Stellungsspiel angeht, weiter gebracht.“
In der Folgezeit ließ der Kleinglattbacher anderen Kollegen den Vortritt, wenn es um die Beobachtungsplätze ging. Michael Sidiropoulos, Michael Hoppe, Stefan Grau und Matthias Anklam durften sich an seiner Statt – mehr oder weniger erfolgreich – im Bezirksoberhaus versuchen. Erst zur Spielzeit 2009/2010 kehrte er zurück und packte den Aufstieg in die Landesliga auf Anhieb.

„Das Jahr in der Bezirksliga war anstrengend. Das Spieltempo ist mitunter viel höher als in der A-Klasse. Und man steht gegen 22 Männer ganz alleine da, die häufig versuchen, einen auch hinterlistig zu täuschen. Versteckte Fouls und knappe Abseitsstellungen sind da an der Tagesordnung“, erinnert sich Lauber.
125 Unparteiische waren württembergweit angetreten, nur 56 waren nach der Winterpause noch im Rennen. 22 von diesen 56 wurden am Ende zum Landesligalehrgang eingeladen. Lauber gehört zu den 22, die das Auswahlverfahren bestanden haben. Wie er das geschafft hat? „Auf jeden Fall gehört auch viel Glück dazu“, stellt er klar. Zum einen müsse man „gute Spiele“ zugewiesen bekommen und es dann fertigbringen, „im richtigen Moment die richtige Entscheidung zu treffen“.

Insgesamt sieben von ihm geleitete Spiele wurden beobachtet. Klar, dass man nicht nach jeder Partie mit sich selbst zufrieden ist. „Man ist dann schon definitiv erleichtert, wenn man denkt, es war ein schlechtes Spiel und dann doch ein guter Beobachtungsbogen in der Post liegt“, sagt der Referee. Den letzten Schritt Richtung Bezirksliga ging Lauber dann Anfang Juli. In Wangen im Allgäu galt es, einen schriftlichen Regeltest und die neu eingeführte FIFA-Leistungsprüfung zu bestehen. Vorbereitet darauf hat sich Lauber mit Lauftraining und intensivem Lernen. „Und dann muss man eben hoffen, dass das Wetter bei der Leistungsprüfung nicht allzu brachial ist.“

Auf den Lorbeeren ausruhen, die er geerntet hat, kann sich der Landesligist nicht. Als höchstklassiger Unparteiischer, den die SRG Vaihingen ins Rennen schickt, ist für ihn erst einmal der Klassenerhalt das wichtigste Ziel. Wenn man bedenkt, dass von 90 Landesligisten zehn bis 15 Kandidaten absteigen, wird dieses Vorhaben sicherlich kein Spaziergang. „Wenn die ersten Beobachtungen gut laufen, kann man vielleicht auch das vordere Drittel anvisieren“, gibt sich der 24-Jährige zuversichtlich.

Zur Seite stehen ihm in der Landesliga in Uwe Bolz und Bahri Muharemi zwei erfahrene Assistenten. Bolz stand bereits in der damals drittklassigen Regionalliga an der Linie, Muharemi hat in der Vergangenheit in der Verbandsliga assistiert und visiert in dieser Saison selbst den Aufstieg in die Landesliga an. „Zwei erfahrene Jungs, die dafür sorgen, dass ich mich voll aufs Spiel konzentrieren kann“, lobt Lauber.

Letztmals Landesligaluft geschnuppert hat er am 9. Mai 2009 als Linienrichter bei Schiri Hoppe, der mittlerweile die Pfeife an den Nagel gehängt hat. Das Match zwischen der TSG Bretzfeld-Rappach und der SpVgg Gröningen-Satteldorf war gleichzeitig das letzte, das ein Unparteiischer aus dem Raum Vaihingen in dieser Liga gepfiffen hat. Doch Lauber und die SRG Vaihingen melden sich in der Landesliga zurück: Am 22. August leitet der Kfz-Mechatroniker die Partie zwischen dem SV Hoffeld und dem TSV Regglisweiler.

Teamfähigkeit wird in der neuen Spielklasse groß geschrieben. Der Kleinglattbacher wird sich zudem an weitere Fahrwege, andere Laufwege und noch schnellere Begegnungen einstellen müssen. „Aber es gibt ja auch mehr Geld“, kommentiert er mit einem breiten Grinsen. Auf lange Sicht möchte der stellvertretende Obmann der SRG Vaihingen noch mehr erreichen: „Die Oberliga wäre schon ein Ziel.“




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