Donnerstag, 24. Mai 2012

Der Kick mit der fliegenden Scheibe




Frisbee ist bei Mensch und Tier beliebt.
Frisbee ist bei Mensch und Tier beliebt.

(eru). Die Erde ist nachgewiesenermaßen keine Scheibe. Doch seit gestern dreht sich die Welt in Heilbronn um ein rundes Wurfplastik. Das Frankenstadion ist noch bis zum 7. August Austragungsort der Junioren-WM der U-17-Mannschaften im Ultimate Frisbee. Mit dabei: Denis Holzer aus Korntal vom Stuttgarter Team Die 7 Schwaben.

Denis Holzer liebt diesen Moment, wenn der 175 Gramm leichte Schwebedeckel mit genau dem richtigen Kick aus dem Handgelenk flutscht, mächtig ins Rotieren gerät und in einem weiten Bogen über das Spielfeld schwebt. Der junge Mann hat den Dreh raus. Der Trick ist, beim Wurf ein bisschen in die Knie zu gehen und der Scheibe wirklich Rotation zu geben. Nur wenn es ihm gelingt, die Kraft auf den Rand der Scheibe zu bringen, fliegt sie fast von alleine. Mehrmals hat sich Denis beim Training kompromisslos auf den Boden geschmissen.

Nassgeschwitzt sitzt der 19-Jährige aus Korntal später auf dem Rasen der Sportanlage der Universität Stuttgart in Vaihingen. Trainer Philipp Haas hat wieder einmal alles aus seinen Spielern rausgeholt. Rennen muss man können, über Sprungkraft, einen schnellen Antritt und über Spielverständnis verfügen, wenn man in die Hochleistungsbereiche des Ultimate Frisbee vordringen will. Denis Holzer hat den ersten Schritt geschafft und darf sich Junioren-Nationalspieler dieser actionreichen Sportart nennen.
Begonnen hat alles mit einer Arbeitsgemeinschaft Ultimate Frisbee, die Philipp Haas am Gymnasium von Denis in Markgröningen geleitet hat. Denis Holzer investierte viel Zeit ins Werfen, machte schnell Fortschritte und rückte auf – in das Stuttgarter Team Die 7 Schwaben, das hauptsächlich aus Studenten besteht.

Ultimate Frisbee, das klingt ein bisschen martialisch, nach Kampf und Verletzungen. Dabei gilt Frisbee als eine der fairsten Sportarten überhaupt und ist die einzige Mannschaftssportart, die ohne Schiedsrichter gespielt wird. Jeder Körperkontakt ist ein Foul. Ziel des Spiels ist, die von einem Mitspieler geworfene Frisbeescheibe in der gegnerischen Endzone des 35 Meter breiten und 110 Meter langen Feldes zu fangen, ähnlich wie beim American Football. Dafür erhält die Mannschaft einen Punkt. Wenn doch mal jemand den anderen foult, zeigt er das selbst an. „Spirit of the game“ sagen sie dazu. Denis, ein ehemaliger Handballer, tat sich damit am Anfang schwer. „Ohne Schiri, das war schon komisch“, sagt Denis. Inzwischen hat er ein Gespür für die Scheibe und die Regeln entwickelt. Und er bekam in den vergangenen Monaten auch mal schulfrei, wenn er von Junioren-Bundestrainer Matthias Brucklacker zu einem Lehrgang oder einem Vorbereitungsturnier nach Amsterdam eingeladen wurde.
Das Schöne: Die Schule hat unter dem Sport nicht gelitten – Denis Holzer legte vor kurzem ein gutes Abitur hin.

797 Spieler in 44 Teams aus 23 Ländern, darunter Bolivien und Israel, kommen nach Heilbronn. Ausrichter ist der DJK SB Heilbronn. Gespielt wird auf acht Feldern im Frankenstadion. Mehr Infos unter www.wjuc 2010.de

Geschichte:
1964 wurde mit der International Frisbee Association (IFA) der erste Verband gegründet, 1967 wurden die ersten, auch heute noch allgemein gültigen Regeln aufgestellt. Weltweit spielen rund 150000 Spieler, hauptsächlich in den USA, Kanada und Skandinavien. Seit 1983 werden Weltmeisterschaften im Ultimate Frisbee ausgetragen. Mittlerweile gibt es in Europa eine Champions League.

Regeln:
Unter www.frisbeesportverband.de sind die zehn Regeln des Ultimate Frisbee aufgelistet. Die wichtigsten:
– 15 Spieler gehören zu einem Team, je sieben spielen gegeneinander. Nach jedem Punkt darf eine beliebige Anzahl von Spielern ausgewechselt werden.
– Ein offizielles Spiel dauert, bis eine Mannschaft 17 Punkte erreicht hat. Die Halbzeit ist erreicht, wenn ein Team neun Punkte gewonnen hat. Auch diese Regel darf angepasst werden, so gibt es zum Beispiel auf vielen Turnieren eine festgelegte Spielzeit.
– Es wird in fünf Divisionen gespielt: Open, Frauen, Mixed, Masters und Junioren. Es gibt keine reinen Männermannschaften, auch in der Open-Division dürfen Frauen mitspielen.

Die 7 Schwaben:
Training im Sommersemester: Montag: Anfänger, Dienstag: Wettkampf, Donnerstag: Training für alle, jeweils 18 Uhr bis 20 Uhr auf den Plätzen der Universität Stuttgart (Allmandring 28), Infos unter www.die7schwaben.de. (eru)




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