Sicherheit steht beim Motocross ganz oben
Nussdorf (rkü). Zehn Wochenenden in der Sommersaison verbringt Familie Hein aus Nussdorf auf dem Gelände verschiedener Motocross-Anlagen in Süddeutschland. Vater, Mutter und die beiden Söhne, das ganze Wochenende. Warum? „Schauen Sie in die strahlenden Augen der Jungen, wenn sie im Ziel den Helm abnehmen – dann wissen Sie’s.“
Sonja Hein ist die Mutter von Nick und Steven. Sie selbst hat schon vor Jahren nach einem Unfall mit dem Motorradfahren abgeschlossen. Aber wenn sie mit ihren Jungs beim Motocross ist, lässt sie sich von der Begeisterung der beiden anstecken – und Nick und Steven sind Feuer und Flamme, wenn es um Motocross geht. Nick, der Achtjährige, startet noch in der gleichen Klasse (50 Kubik) wie sein zwei Jahre jüngerer Bruder, holt aber die besseren Platzierungen. Bald will er in die 65-Kubik-Klasse wechseln.
Die zwei Jungs bereiten sich völlig unterschiedlich auf den Wettkampf vor. Einer sitzt auf dem Campingstuhl und erzählt dem Reporter von seinen bisherigen Motocross-Erlebnissen. Der andere spielt noch ein wenig auf der Wiese und legt sich dann auf die Decke, die im Schatten des Wohnmobils ausgebreitet ist. „Am Samstag ist ganz viel Freundschaft angesagt“, erklärt die Mutter. „Am Sonntag konzentriert sich jeder ein bisschen auf seinen Lauf.“ Irgendwann schaut sie auf die Uhr: „Noch 50 Minuten bis zum ersten Lauf, in zehn Minuten müsst ihr euch anziehen.“ Warum so viel Vorlaufzeit? „Wir legen ganz besonderen Wert auf eine gute Schutzausrüstung“, sind sich Eltern und Kinder einig. Auf keinen Fall soll ein kleiner, aber fataler Fehler beim Sport das Leben der Jungs gefährden oder in eine unerwünschte Richtung lenken. „Der Nackenschutz ist nicht vorgeschrieben – zumindest noch nicht. Aber wir finden, dass er wichtig ist.“ Die meisten anderen auch. Die übrige Schutzausrüstung ist ohnehin schon sehr umfangreich. Ellenbogenschützer, Knieschützer, der größenverstellbare Brustpanzer und natürlich der Helm – das wiegt, das dauert beim Anziehen und das kostet auch gehörig Geld. Aber die Sicherheit wird beim rasanten Sport eben recht groß geschrieben.
Wie wichtig dies ist, zeigt sich nur wenig später im Wettkampf. In jedem Lauf müssen die Sanitäter und Streckenposten, die in großer Zahl bereitstehen, gestürzten Sportlern wieder aufhelfen oder sie von der Bahn tragen. Kurz vor Ende des letzten Laufs erwischt es auch Steven. „Das war schon eine Schrecksekunde“, erinnert sich Mutter Sonja Hein. „Es hätte sein können, dass er Blutungen im Bauch hat, weil er den Lenker gegen den Bauch bekommen hatte.“ Nach schier endlosem Warten in der Notaufnahme des Krankenhauses stellte sich heraus: Entwarnung, alles halb so wild. Steven hatte keine Chance gehabt, den Sturz zu vermeiden oder abzufangen. Bei einem Sprung war er von einer anderen Fahrerin in der Luft berührt und dadurch aus der Bahn geworfen worden. Aber er hatte Glück und ist mit dem Schreck davongekommen – auch dank der Schutzausrüstung.
Was zu tun ist, wenn sie stürzen, wissen die beiden Jungs ganz genau: „Wenn es nur ein bisschen weh tut, dann stehe ich wieder auf und dann muss das Motorrad von der Strecke“, sagt Nick. Und falls es sehr weh tut, dann sollte er möglichst ruhig liegenbleiben und auf Hilfe warten. „Im Krankenhaus gelegen bin ich wegen meinem Sport noch nie“, sagt der Achtjährige. Aber sein Motorrad hatte vor ein paar Wochen eine Intensivbehandlung nötig. „Ich wollte einen überholen und der hat zugemacht“, erzählt Nick. Das wäre nicht weiter schlimm gewesen, wenn die Vertiefungen am Rand der Strecke nicht nach einem heftigen Gewitterguss voll Wasser gewesen wären. „Der ganze Stiefel ist im Schlamm gesteckt und das Wasser hat mir bis zum Hals gereicht. Ich habe mich geärgert, aber der Papa hat noch Zeit gehabt, das Motorrad vor dem nächsten Training trockenzulegen.“ Papa Frank Hein ergänzt: „Ja, das waren drei Stunden Arbeit bei 35 Grad. Aber es hat bis zum nächsten Training gereicht.“ Gerade so. Aber er hat schon Erfahrung, ist selbst Motocross und Straßenrennen gefahren. Und jetzt mit Frau und Nachwuchs ständig auf den Plätzen unterwegs. Seit diesem Jahr hat Familie Hein ein Wohnmobil. „Meistens gibt es keinen Strom auf dem Gelände“, erklärt er. „Aber mit dem Wohnmobil fahren wir einfach auf die Wiese und dann ist es gut.“
Die Saison beginnt am 1. Mai in Flehingen, wo die Nussdorfer auch Vereinsmitglieder sind, und endet am 25. September in Niederwürzbach. Jetzt ist erst einmal Sommerpause. Darum ist das Quartett in den kommenden Wochen nicht mehr bei Rennen unterwegs – sondern ganz aktuell im Trainingslager in Marisfeld (Thüringen). Nick freut sich schon auf den Steilhang, den er da vielleicht endlich mal fahren darf.
