Illingen (rkü). Für Thomas Fritsch war der gestrige Sonntag etwas Besonderes. Zum ersten Mal stand er bei einem Punktspiel des SV Illingen nicht im Tor, sondern an der Linie. Als Trainer hat er seit Saisonbeginn die Verantwortung für die Illinger Fußballmannschaft. Der Auftakt ist gelungen: In letzter Minute gelang der Ausgleich.
Verantwortung zu tragen, ist für Thomas Fritsch nicht neu. Bislang stand er beim SV Illingen im Tor. Dort war er für lautstarke Anweisungen an seine Vorderleute bekannt. Den Blick fürs Ganze hatte er schon damals. Gestern, als Trainer an der Seitenlinie, hielt er sich zurück. „Außen will ich Ruhe bewahren“, sagte er nach dem Spiel. „Tohuwabohu gibt es drinnen schon genug.“
In der ersten Hälfte des ersten Saisonspiels hielt sich gestern nicht nur der SV Illingen zurück. Auch die Gäste aus Besigheim schienen bei strahlendem Sonnenschein auf schweißtreibende Spurts mit oder ohne Ball verzichten zu wollen. Schon beim Auflaufen der Mannschaften hatte sich ein klägliches Bild geboten. Statt den Zuschauern auf beiden Seiten des Spielfelds zuzuwinken, konnten sich die Spieler den Gruß an die Gegengerade sparen – dort stand zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal der Linienrichter. Die anfangs 60, später rund 100 Zuschauer hielten sich fast alle im Schatten auf.
Als 25 Minuten gespielt waren, konnten die Gastgeber von Glück sagen, dass es noch 0:0 stand. Ihr Torwart Bernhard Mathes erreichte das Leder gerade noch, als ein Besigheimer Angriff nicht platziert genug abgeschlossen wurde. In den letzten fünf Minuten der Halbzeit drehten beide Mannschaften auf, als wollten sie vergessen lassen, dass sie zuvor recht wenig gezeigt hatten. Illingens Oliver Lindauer gehörte zu den wenigen Aktivposten auf dem Feld. Nach einer Rettungstat in der 42. Minute ging er in der 43. mit einem Schrei zu Boden. Das Spiel wurde härter, aber nicht ruppig. Der Schiedsrichter ließ schon in der ersten Halbzeit vier Minuten nachspielen.
Fünf Minuten nach Wiederanpfiff hätte Illingens Benjamin Schmidt beinahe den Gästetorwart überlistet, der weit aus seinem Gehäuse herausgelaufen war. Doch der roch den Braten gerade noch rechtzeitig und konnte klären. Im ersten Drittel der zweiten Spielhälfte prägten Abspielfehler das Bild. Kaum war eine aussichtsreiche Situation zu erahnen, landete der Ball beim Gegner – bei der Illinger ebenso wie bei der Besigheimer Mannschaft. Thomas Fritsch formulierte es in seinem ersten Fazit so: „In der Abstimmung zwischen Mittelfeld und Sturm gibt es zum Teil noch ein bisschen große Löcher.“
Den ersten Treffer des Spiels erzielte Tobias Weigel für Besigheim. In der 61. Minute schob er nach einem völlig unspektakulär aussehenden Eckball das Leder aus kurzer Entfernung über die Torlinie. Die folgenden Minuten wurden zur Sturm- und Drangphase des SV Illingen. Benjamin Schmidt schoss das Leder in den gegnerischen Strafraum, doch Matthias Pucci schlug am Ball vorbei. Unmittelbar darauf hatte Besigheims Torwart Glück, dass er eine harmlos erscheinende Rückgabe gerade noch vom Gehäuse ablenken konnte. Er sah in der 84. Minute nur Gelb, nachdem er als letzter Mann Illingens Schmidt von den Beinen geholt hatte. Der Gefoulte war es, der zehn Minuten später am Ende der üppig bemessenen Nachspielzeit zum 1:1 traf. Der SV Illingen hat damit einen Punkt gerettet. Die Besigheimer um ihren Trainer Alexander Mattes trauerten zwei vergebenen Punkten nach und haderten mit dem Schiedsrichter. „Haben wir hundert Jahre gespielt?“, fragte Torwart Tobias Staiger. „Nein“, beruhigte ihn ein Mannschaftskamerad. „Aber fast hundert Minuten.“
Tore: 0:1 Weigel (61.), 1:1 Schmidt (94.).
Schiedsrichter: Mirko Trninic.
Zuschauer: 100.
Spieler des Tages: Oliver Lindauer (SV Illingen).
SV Illingen: Mathes – Hinkelmann (64. Kammerlohr), Schlosser (77. Wagner), Rapp, Kachel, Lindauer, Schmolck, Conradt, Schmidt, Knödler, Di Vita (57.Pucci).
SpVgg Besigheim: Staiger – Kuhn, Mai, Schweisser (79. Köhler), Vogt, Nagel, Tröster, Gomes, Spahn (58.Müller), Friedl (75. Walter), Weigel.
