Ein steiniger Weg für den VfB Eberdingen Vatan
Eberdingen (ev). Als Mutlu Acar Trainer des VfB Eberdingen Vatan wurde, steckte er sich ein Ziel. Er wollte dem Vereine eine richtige Struktur verpassen, mit allem, was dazu gehört: Fans, ein Vorsitzender, ehrenamtliche Helfer und Jugendmannschaften. Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg und „wir müssen noch etliche Steine aus dem Weg räumen und viele Hürden überwinden“, sagt der Trainer.
Stimmt. Bis vor Kurzem erinnerte der Fußballplatz der Eberdinger eher an ein natürliches Biotop als an englischen Rasen. Das Gras war hüfthoch, Schafe weideten auf der Wiese – der Fußballplatz war nur noch eine wage Erinnerung. „Unser Rasenmäher ist kurz vor Saisonende kaputt gegangen“, erklärt der Trainer. Nach der Runde hätte man das Problem dann aus den Augen verloren. Mittlerweile ist das Gras wieder so kurz, dass sich ein normaler Rasenmäher durchkämpfen kann und das kaputte Gerät ist in der Reparatur. Trotzdem ist an Training zum Beispiel noch nicht zu denken. „Wir sind ein türkischer Verein“, sagt Acar. Fast alle Spieler fahren in der Urlaubszeit, die gleichzeitig auch Vorbereitungszeit ist, in ihr Heimatland.
„Gerade könnte ich vielleicht mit drei oder vier Leuten trainieren“, sagt der Trainer. Weil so allerdings keine richtige Übungsstunde funktionieren kann, gibt es in den Sommermonaten gar kein Training. „Wir werden versuchen, nächste Woche einzusteigen“, sagt Acar. Doch nächsten Sonntag (6. September) beginnt auch schon die Vorbereitung.
Acar ist realistisch: „In den ersten vier Wochen müssen wir wahrscheinlich Lehrgeld zahlen, bis wir unseren Trainingsrückstand aufgeholt haben.“ Mit vielen Punkten rechnet er in dieser Zeit auf jeden Fall nicht und so wird es wohl auch schwer werden, die Wunschplatzierung zu erreichen. Das wäre Platz fünf bis acht, ohne Angst vor dem Abstieg. Doch Acar fürchtet, dass daraus nichts wird: „Ich denke wir werden wohl wieder Dritt- oder Viertletzter.“
Doch es gibt auch kleine Fortschritte beim Verein in Eberdingen. Zum Beispiel hat es der Trainer geschafft, in Gesprächen sämtliche Spieler zu überzeugen, dass sie Vatan die Treue halten. Auch wenn er keine Zugänge präsentieren kann, ist er so zumindest froh, dass es keine Abgänge gibt.
Er hat es auch geschafft, dass im Training und bei den Spielen fast ausschließlich Deutsch gesprochen wird. Schließlich seien alle Nationen beim VfB willkommen. Außerdem glaubt er, dass zumindest die Vorbereitung in der Winterpause besser wird als die im Sommer. „Es gibt zwar sicherlich einige Spieler, die wegen der Kälte nicht kommen, aber wir haben auch welche, die schon so lange in Deutschland Fußball spielen, sodass sie die Bedingungen gewöhnt sind“, erklärt der Trainer.
Am ersten Spieltag empfangen die Eberdinger den FC Gehenbühl, ohne Training. Der 31 Jahre alte Trainer ist allerdings zumindest zuversichtlich, dass er genügend Personal zur Verfügung hat. Er rechnet mit 13 oder 14 Spielern. „Meine Spieler sind zwar nicht fanatisch, was das Training betrifft, aber zum Spiel sind sie immer da“, sagt Acar.
Ihm macht die Arbeit beim VfB immer noch Spaß, auch wenn noch keine Strukturen vorhanden sind.„ Ich wusste ja, was auf mich zukommt, als ich angefangen habe“, sagt er. Außerdem trete die Mannschaft mittlerweile sehr geschlossen auf. Es sei eine richtig gute Clique. Der richtige Zeitpunkt, um den Grundstein für ein richtiges Vereinsleben zu legen, um die ersten Steine aus dem Weg zu räumen und die ersten Hürden zu überwinden.
