Donnerstag, 24. Mai 2012

Die Herausforderung Rad am Ring




Die Herausforderung Rad am Ring
Beim 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring ist der Vaihinger Hanns-Martin Fraas für die Organisation zuständig.

Vaihingen/Nürburg (ev). 23 Kilometer, 500 Höhenmeter und 17 Prozent Steigung – Knapp 10000 Radfahrer und Läufer haben bei der Rad- und Laufsportveranstaltung „Rad & Run am Ring“ nach ihrer persönlichen Herausforderung gesucht. Auch der Vaihinger Hanns-Martin Fraas, der Organisationsleiter der Veranstaltung.

Wenn sich tausend Rädchen drehen sollen und eins ins andere greifen muss – dann ist Hanns-Martin Fraas begeistert, denn dann ist er in seinem Element. Das war zum Beispiel am vergangenen Wochenende so, als auf dem Nürburgring die Veranstaltung „Rad & Run am Ring“ stattfand. Als Geschäftsführer der Veranstaltungsgesellschaft „Eventwerkstatt“ ist Fraas für die sportliche Organisation zuständig. Und wenn er sich um die Koordination von knapp 10000 Radfahrern und Läufern kümmert, muss wirklich alles passen, sonst versinkt der Nürburgring im Chaos. Wie zum Beispiel 2005.

Damals stieg die Teilnehmerzahl sprunghaft an. Aus dem Fehlern haben Fraas und seine Mitarbeiter gelernt. Seit der ersten Auflage 2003 entwickeln sie die Breitensportveranstaltung ständig weiter. Mit Erfolg. Waren beim ersten Mal beim 24-Stunden-Radrennen zum Beispiel gerade einmal 70 Athleten am Start, sind es heute 3000.

„Rad & Run am Ring“ ist die größte und arbeitsintensivste Veranstaltung, um die sich Fraas’ Agentur kümmert. Eine wichtige Aufgabe des Organisationsleiters ist die Konzeption. Er muss entscheiden, welche Wettbewerbe es in den Veranstaltungsplan schaffen und muss dafür einen passenden Zeitplan erstellen. An einem Wochenende muss er zahlreiche Lauf- und Raddisziplinen samt Siegerehrungen unterbringen. Das Highlight dabei ist das 24-Stunden-Rennen. Vierer- sowie Zweierteams und auch Einzelfahrer fahren einen ganzen Tag und eine ganze Nacht. Wer die meisten Kilometer schafft, gewinnt.

Anfangs wurde die Idee in der Radsportszene belächelt, mittlerweile hat sich das Breitensportevent etabliert. „Es ist einzigartig“, schwärmt Fraas. Zum einen weil die Breitensportler im Vordergrund stehen, zum anderen weil der Nürburgring besonders ist. Auf der Rennstrecke, auf der sich normalerweise Sebastian Vettel und Louis Hamilton im Formel-1-Auto jagen, drehen dann Radler ihre Runden. Und die Strecke hat es in sich. „Erst geht es lange bergab. Dann kommt die Steigung. Erst eine leichte. Am Ende sind es 17 Prozent“, beschreibt Fraas die Strecke. An dieser Stelle entscheide sich, wer vorne mitfährt und wer absteigt und schiebt. „Jeder findet hier seine persönliche Herausforderung“, sagt Fraas.

Er allerdings nicht. Die Strecke ist der Vaihinger schon gefahren und sagt darüber: „Es ist brutal. Eine Runde schaffe ich.“ Fraas schmunzelt. Radfahren ist allerdings auch nicht sein Metier. Der 47-Jährige kommt aus der Veranstaltungsbranche, hat bis 2004 unter anderem für die Nürburgring GmbH gearbeitet, die nun gemeinsam mit seiner Eventagentur und dem RC Herschbroich zur Veranstaltergemeinschaft gehört. Das Radfahr-know-how hat sich Hanns-Martin Fraas langsam erarbeitet, indem er Leuten aus der Szene zugehört hat.

Mittlerweile bereitet es ihm auch keine Kopfschmerzen mehr, wenn die 3000 Teilnehmer des 24-Stunden-Rennens nahezu gleichzeitig eintreffen und jeder zu seiner Parzelle im Fahrerlager gelotst werden muss. Das sei zwar eine Herausforderung, aber mit der richtigen Organisation und den rund 500 ehrenamtlichen Helfern hat es auch am vergangenen Wochenende wieder geklappt.
Eine Woche war Fraas samt Frau und seinen beiden Töchtern vor Ort. Seit Montag ist er wieder daheim. Die Arbeit ist allerdings noch nicht geschafft. Rund 200 Mails von Fahrern müssen noch bearbeitet werden und das Büro muss wieder auf Vordermann gebracht werden und bald beginnt schon die Planung für das nächste Jahr. Fraas macht seine Arbeit Spaß. „Je komplexer es ist, desto schöner“, sagt er. Es sei ein tolles Gefühl, wenn die tausend Rädchen ineinandergreifen „und er der Rädchenführer ist. Es ist der Wahnsinn, wenn es läuft“, sagt Fraas. „Es ist ein Gefühl der tiefen Befriedigung.




Seitenanfang