Ungewohnte Härte als Herausforderung
Enzweihingen (rkü). Erfahrung auf internationalem Parkett haben zwei Handballspieler aus Enzweihingen gesammelt. Jetzt wird der ein oder andere Spielzug ins Trainingsprogramm mit aufgenommen. Simon Hees und Christoph Gebhardt hoffen darauf, auch künftig zur Auswahl des Eichenkreuz-Verbands zu gehören.
Die Handballer von CVJM Enzweihingen gehören dem relativ kleinen Eichenkreuz-Verband an. Dort spielen sie allerdings in der Landesliga, der höchsten Spielklasse in Württemberg. Trainer Frank Blessing ist nicht nur für die Geschicke der Enzweihinger Mannschaft verantwortlich, erst ist auch einer der Auswahltrainer. Christoph Gebhardt (22) und Simon Hees (23) hatten kürzlich ihr Debüt in der Württemberg-Auswahl – und das gleich bei der Europameisterschaft des Eichenkreuz-Verbands. Die YMCA European Handball Championship in Griechenland wurde zwar nur von vier Mannschaften besucht, unter denen die Württemberger auch noch den vierten Platz belegten.
Dennoch sind die Erfahrungen der zwei Enzweihinger Spieler sehr eindrucksvoll. „Die Spielweise ist viel härter als in Deutschland“, sagt Christoph Gebhardt. „Wenn man den Ansatz zum Wurf hatte, haben die garnichts mehr gepfiffen“, pflichtet ihm Simon Hees bei. „Es gab kaum Zwei-Minuten-Strafen. Fouls, Schubsen, eine mitgeben – es war fast eine Spur zu hart.“
Doch wenn man sich nach dem ersten Spiel an die aus der Heimat völlig unbekannten Rahmenbedingungen gewöhnt habe, stehe man den anderen Mannschaften nicht nach. „Das Spiel war viel körperbetonter“, fasst es Gebhardt zusammen. Doch er empfindet das nicht abschreckend, sondern eher als einen Anreiz. Auch Hees sagt: „Man kann sich richtig reinhängen und man tut es dann auch.“ Allerdings sei die Verletzungsgefahr bei dieser Spielweise größer als aus Deutschland gewohnt.
Und es sei nicht so, dass die Schiedsrichter auf internationaler Ebene gar nicht eingreifen. „Bei technischen Fehlern da waren sie sehr kleinlich. Tippfehler oder den Kreis nur anhauchen – dann haben sie sofort gepfiffen.“ Etwas sarkastisch fügt er hinzu: „Bei Fouls haben sie nachher höchstens die Zeit angehalten, damit man den Schweiß vom Boden aufwischen konnte.“
Was wollen die beiden Auswahlspieler jetzt für ihr Spiel in Enzweihingen mitnehmen? Aufgefallen ist ihnen so manches. Nicht nur das Abwehrverhalten, das im direkten Zusammenhang mit der Regelauslegung durch die Schiedsrichter steht. „Das Tempo hat mich beeindruckt“, sagt Hees. „Manche Auswahlmannschaften spielen sehr schnell und variantenreich. Dabei zeigen sie technische Raffinesse und kommen manchmal noch zum Abschluss, wo wir es nicht einmal versuchen würden.“ Ähnlich sieht es sein Teamkollege: „Das Niveau der Spiele war durchweg höher als wir es gewöhnt sind, sehr schnell und sehr gut. Gerade die Schweden hatten ein paar ganz nette Spielzüge. Wir wollen jetzt versuchen, die auch bei uns zu übernehmen.“
Eindrucksvoll war nicht nur die ungewohnte Spielweise, sondern auch das Erlebnis, bei einer Europameisterschaft am Start gewesen zu sein. „Es hat was, im Nationaltrikot zu spielen“, meint Hees. „Die Stimmung dort war super. Und obwohl unsere Auswahlmannschaft im letzten Moment erst vollständig war, sind wir doch ganz schnell zu einem richtigen Team zusammengewachsen.“
Immerhin kamen alle Spieler aus der Leistungsklasse 1, der Eichenkreuz-Landesliga in Württemberg. „Vom sehen her haben wir uns dadurch alle schon gekannt“, erklärt Gebhardt. Die sportlichen Stationen bei der EM fasst er sehr kurz zusammen. Zum Turnierauftakt ging es gegen Gastgeber Griechenland. „Das Spiel ging völlig an uns vorbei.“ Gegen den Westbund habe der Unterschied ein paar Tore betragen, letztlich sei man deutlich unterlegen. Und die Niederlage im letzten Spiel gegen Schweden? „Da waren wir angekommen. Das ganze Spiel haben wir geführt. Aber in den letzten zehn Minuten haben wir ein paar Tore kassiert und verloren – das war bitter.“ Dennoch sei alles ein sehr schönes Erlebnis gewesen. Obendrein hegen beide die Hoffnung, bei der nächsten Europameisterschaft 2011 in Schweden wieder dabei zu sein. Immerhin wissen die zwei Enzweihinger Spieler jetzt in etwa, wo die Tücken, aber auch die Herausforderungen im internationalen Vergleich liegen. Dazu sind sie von ihren Qualitäten überzeugt – da müssten erst einmal bessere Spieler nachkommen.
Dem Eichenkreuz-Verband wollen sie auch künftig treu bleiben. „Wir kommen aus Enzweihingen und haben beim CVJM das Handballspielen gelernt“, erklären sie unisono. Dort gefalle es ihnen und bislang habe es noch kein Verein geschafft, ihnen sportlich eine neue Heimat zu bieten, die verlockender sei als Enzweihingen.