RSC Komet: Turbulenzen abseits der Rennstrecke
„Radler des RSC Komet geraten unter die Räder“, titelte die Marbacher Zeitung im März. Seitdem hat ein Gros der ehemaligen Köpfe der Rennsportabteilung den Radsportclub verlassen und sich als RSG selbstständig gemacht. Über die aktuellen Zustände im Verein und die Zukunft des RSC hat sich VKZ-Mitarbeiter Sven Sattler mit dem Ehepaar Krieger unterhalten.
Nachdem der RSC Komet bei der letzten Hauptversammlung seinen Trainer und Organisationsleiter verloren hat, haben Sie sich, Frau Krieger, zur 2. Vorsitzenden wählen lassen. Haben Sie anschließend viele Scherben zusammenkehren müssen?
Konni Krieger: So kann man es nicht sagen. Ich hab schon im Vorfeld gesagt, dass ich die Aufgaben, die eine 2. Vorsitzende normalerweise macht, beispielsweise Sponsoren suchen, nicht machen werde. Mir geht es alleine um den Rennsport – um die Jugendlichen. Da bin ich hineingewachsen, da habe ich Ahnung davon. Wir haben den jungen Fahrern am Anfang Zeit gelassen und gesagt, dass der RSC weiter bestehen wird.
Der Grund für den Eklat war, dass eine Gruppe um Trainer Marcus Reinert und Pressesprecher Hendrik Voß die Hauptversammlung verließ, nachdem ihrer Forderung nach einer Satzungsänderung nicht stattgegeben wurde. Sie wollten, dass auch minderjährigen Mitgliedern, zu denen auch der damals 16-jährige Voß gehörte, vereinsintern wählen können.
Konni Krieger: Das war letztendlich der Auslöser.
Und was ist davor vorgefallen?
Hartmut Krieger: Es gab Meinungsverschiedenheiten.
Konni Krieger: Es gab einfach zwei Parteien im Verein, die nicht auf der gleichen Wellenlänge waren.
Hartmut Krieger: Eigentlich ist es ein Personenproblem gewesen…
Konni Krieger: …zwischen dem 1. Vorsitzenden Frank Schwartz und der letztendlichen RSG.
Wie viele Fahrer haben seit der Gründung der RSG im April den RSC Komet verlassen und sind zur RSG gewechselt?
Konni Krieger: Noch gar niemand. Es kann niemand wechseln. Denn die Fahrer brauchen zum Fahren eine Lizenz. Sollten sie während der Saison wechseln, würden sie gesperrt werden. Aber die Fahrer brauchen die Rennen, die momentan stattfinden, für die nächste Saison. Im November und im Februar können sie ohne Sperre wechseln.
Wie viele Mitglieder spielen nun zum jetzigen Zeitpunkt mit dem Gedanken, zur RSG überzutreten?
Konni Krieger: Das ist eine gute Frage.
Hartmut Krieger: Im Laufe des Jahres hat es teilweise Personen gegeben, die gesagt haben, sie würden wechseln. Man kann im Moment nicht sagen, ob am Ende 50 Prozent der Fahrer, 40 oder 60 wechseln. Beim RSC wird alles weiterlaufen wie bisher. Es kann sein, dass von einem Stamm von 30 Fahrern am Ende nur noch zehn da sind – das weiß aber keiner. Wir haben jetzt in Chris Dörle jemanden, der den Trainerjob übernimmt und momentan auch den Trainerschein macht. Dörle ist schon jetzt bei den Rennen als Offizieller dabei. Die Wogen beim RSC sind wieder geglättet.
Wie muss man sich nun, nach der Spaltung, auf lange Sicht, die Beziehung zwischen RSC Komet und RSG Ludwigsburg vorstellen?
Konni Krieger: Die Fahrer kennen sich ohnehin. Die sind jahrelang zusammengefahren und die Freundschaften bleiben auf jeden Fall bestehen. Aber Reisende soll man nicht aufhalten. Derjenige, der meint, es gehe ihm bei der RSG besser, der soll gehen.
Somit ist eine Wiedervereinigung auch in sehr ferner Zukunft ausgeschlossen.
Konni Krieger: Da würde ich mich auch dagegen aussprechen. Ich habe die Leute im Verein ohnehin schon von Anfang an gewarnt, dass das mit diesen zwei Lagern nicht gut gehen wird.
Kurz nach dem Eklat und vor der Spaltung hat sich immerhin die Stadtverwaltung Ludwigsburg als Moderatorin bei der Streitschlichtung angeboten. Warum hat das nicht geklappt?
Konni Krieger: Da war uns schon klar, dass eine Streitschlichtung nicht mehr möglich ist. Wer das in die Wege geleitet hat, weiß ich nicht. Aber da ist nichts passiert.
Hat man beim RSC Komet erst aus der Zeitung von der Gründung der RSG erfahren?
Hartmut Krieger: Das Rad, einen eigenen Verein zu gründen, ist ja vorher schon gesponnen worden. Anfangs hatten wir 13 Fahrer und dann ist die Abteilung, dank der Erfolge unserer Fahrer gewachsen. Das ist nicht nur der Verdienst von einer Person.
Konni Krieger: Wir hatten schon immer gute Fahrer. Reinert hat es immer so dargestellt, als ob der Rennsport nur durch ihn so erfolgreich gewesen wäre. Der RSC hat aber schon immer erfolgreich Rennsport betrieben. Wir hatten schon Fahrer wie Natascha Klewitz, die im Olympiakader war oder Jochen Käß, der noch immer Mountainbike-Profi ist.
Hartmut Krieger: Daher war es nicht nur Reinerts Leistung. Er hat sicherlich gute Arbeit geleistet, viel Zeit investiert und sich engagiert.
Konni Krieger: Im Verein gibt es auf der einen Seite die jungen Mitglieder mit Reinert und auf der anderen Seite, die, die den Verein schon länger geführt hatten. Und wenn die eine Gruppe die Struktur im Verein vom einen Tag auf den anderen ändern will, funktioniert das nicht. Die Alten muss man eben auch mit Samthandschuhen anfassen und nicht nur vor vollendete Tatsachen stellen.
Hartmut Krieger: Ein Verein wir der RSC braucht alle Mitglieder, junge und alte. Radsport ist teuer. Ein Radrennen kostet ungefähr 10000 Euro und um eines stattfinden zu lassen, braucht man eine Menge Freiwilliger. Es kann nicht nur Geld ausgegeben werden, es muss auch wieder welches in die Kassen kommen, wie zum Beispiel durch unsere Barockrundfahrt oder die Rad-Touristik-Fahrten.
Für was steht denn – kurz formuliert – der „neue“ RSC?
Konni Krieger: Für das gleiche wie der alte – Jugendarbeit, aber es hat sich schon einiges verändert. Wir schauen, dass wir die jungen unterstützen, so gut es eben auch finanziell geht. Mittlerweile dürfen diese auch wählen. Das Ziel des RSC ist es weiterhin, den Radrennsport zu fördern und den Jungen die Möglichkeit zu geben, weiterzutrainieren.
Und wann sehen wir den ersten Komet-Fahrer in Gelb auf die Champs-Elysees einbiegen?
Konni Krieger (lacht): Das wird sich zeigen.
