24/04 2010
Zuschauerschwund bleibt aus
Vaihingen (kor). Die Befürchtungen der Fußball-Amateurvereine sind nicht eingetreten. Auch wenn die Profis seit dieser Saison sonntags teilweise zur selben Zeit spielen wie die Clubs in den unteren Klassen, kommen die Zuschauer dennoch, um ihre Teams in Nussdorf, Vaihingen oder Illingen anzufeuern.
„Es wird nichts so heiß gegessen, wie es gekocht wird“, berichtet Gerhard Schwörer. Der erste Ärger über die weitere Zersplitterung der Bundesliga-Spieltage ist verraucht, weiß auch der Vorsitzende des Fußballkreises Pforzheim. Die Amateurvereine litten nicht unter den Spielplanänderungen bei den Profis. Doch im vergangenen Sommer gab es zunächst einen lauten Aufschrei, als der Deutsche Fußball Bund (DFB) eine Partie der 1. Bundesliga von sonntags 17.30 Uhr auf 15.30 Uhr vorgezogen und Spiele der 2. Bundesliga auf sonntags 13.30 Uhr terminiert hatte. Doch Widerstand regte sich im Südwesten nur spärlich. Proteste gab es vor allem von den Amateurvereinen aus dem Einzugsgebiet von Schalke 04 und Borussia Dortmund sowie in Hessen.
Doch Schwörer bleibt realistisch: „Wenn Stuttgart oder Karlsruhe öfter mit Sonntagsspielen betroffen wären, dann wären vielleicht auch in unserer Region Auswirkungen festzustellen.“ Neben den traditionellen Bundesligisten in Baden-Württemberg hat sich aber noch ein sogenannter Big Player entwickelt, der auf die Region ausstrahlt: die TSG 1899 Hoffenheim. Doch selbst mit drei Bundesligisten in der näheren Umgebung kann sich Eckhart Streckfuß, Obmann der Schiedsrichtergruppe Vaihingen, nicht vorstellen, dass sich ein Zusammenhang zwischen den Anstoßzeiten der Profis und den Zuschauerzahlen im Amateurbereich statistisch belegen lässt.
Allerdings beobachtet der Sternenfelser, dass weniger, vor allem junge Schiedsrichter zur Verfügung stehen, wenn 1899, der VfB oder der KSC ein Bundesliga-Heimspiel haben. Einen Zufall schließt Streckfuß dabei aus, kommen doch theoretisch alle Schiedsrichter kostenlos in die Fußballstadien.
Dennoch lässt sich auch Woche für Woche auf den Amateurplätzen beobachten, dass der Fußballfan des ortsansässigen Vereins auch immer über die Ergebnisse der Profis informiert sein will. In den Halbzeitpausen oder nach Spielschluss wurde früher interessiert der Videotext im Fernsehen beobachtet. Heute zückt man bei jeder Gelegenheit das internetfähige Handy, um sich über die Zwischenstände zu informieren. Oder man verfolgt die Konferenzschaltung im Bezahlfernsehen, sollte die Vereinsgaststätte einen solchen Zugang besitzen. Streckfuß: „Ich habe schon festgestellt, dass der eine oder andere den Fuß in der Türe der Gaststätte hat und mit dem einen Auge in Richtung Fernsehapparat schaut und mit dem anderen auf den örtlichen Fußballplatz.“
Beim B-Ligisten TSV Ensingen gibt es keinen Fernseher auf dem Sportplatz. „Wir spielen auch, wenn drei Zuschauer weniger kommen“, erklärt Achim Lehmann. Wenn sich allerdings einige Spieler mehr als üblich entschuldigen wie in der Hinrunde, als der Ball ausnahmsweise einmal samstags anstatt sonntags rollte, dann ist der Ensinger Trainer nicht mehr zum Scherzen aufgelegt. Zu sorglos gingen seine Spieler mit dem Terminplan der B-Klasse um. „Wer sich die Termine der eigenen Mannschaft nicht frühzeitig bewusst macht, verabredet sich hie und da mit Freunden zum Stadionbesuch und stellt den Trainer vor vollendete Tatsachen“, erklärt der Ensinger Übungsleiter.
Thomas Fritsch teilt diese Sorgen nicht. Beim A-Ligisten SV Illingen haben Spieler bei Terminüberschneidungen ihre Karten für ein Bundesligaspiel immer an Freunde weitergegeben, erzählt der SVI-Trainer. Der eigene Verein ginge immer vor.
