15/04 2010
Rommel für Deutschland?
Vaihingen (sv). In der Hallen-Bundesliga und bei den vergangenen deutschen Meisterschaften hat Faustballer Tobias Rommel sein Können schon unter Beweis gestellt. Kein Wunder, dass auch U-18-Bundestrainer Roland Schubert auf ihn aufmerksam geworden ist. Für sein Debüt im Deutschland-Dress schuftet der 17-Jährige fast täglich.
Die Anwohner des Sportplatzes am Alten Postweg kennen die beiden Männer bestimmt schon. Immerhin sind Michael Marx und Tobias Rommel, beide ihres Zeichens Faustballer beim TV Vaihingen, mittlerweile fast zu Dauergästen auf dem Geläuf im Baresel-Gelände geworden. „Am Mittwoch war ich natürlich beim normalen Mannschaftstraining. Am Dienstag haben wir bereits ein Einzeltraining gemacht und am Samstag ist noch einmal eine individuelle Übungseinheit anberaumt“, erzählt Rommel, während er sich an diesem Donnerstagabend schon wieder ein ums andere Mal ins Gras wirft.
Der Eifer des 17-jährigen Abwehrspielers hat einen ganz besonderen Grund. Als einer von 18 Faustballern in Deutschland wurde er von U-18-Bundestrainer Roland Schubert und seinem Assistenzcoach Hartmut Maus zum WM-Nominierungslehrgang im kurpfälzischen Wünschmichelbach eingeladen. Von heutigem Donnerstag an wird an vier Tagen darüber entschieden, welche zehn Nachwuchs-Faustballer im Juli mit zur Weltmeisterschaft nach Lloret de Mar dürfen. Zu dem erlesenen Kreis möchte auch Rommel gehören. „Im vergangenen Jahr war ich ja bereits beim EM-Nominierungslehrgang dabei, habe den Sprung unter die besten zehn damals aber nicht geschafft“, berichtet der Kleinglattbacher. Diese Erfahrung ist natürlich ein Ansporn, sich jetzt besonders ins Zeug zu legen. Außerdem, ergänzt Rommel, seien die Sportler, die damals auf seiner Position gesetzt waren, mittlerweile zu alt, um bei der U18 anzutreten. Die Chance auf den Sprung in die deutsche Mannschaft ist für den TVV-Spieler größer denn je.
Das Sprichwort „Ohne Fleiß kein Preis“ hat Rommel offenbar für bare Münze genommen. Seit die Einladung ins Haus geflattert ist, ist sein Trainingseifer ins Unermessliche gestiegen. Zu seinem persönlichen Trainer hat Rommel seinen Mannschaftskameraden Michael Marx auserkoren. Der 25-Jährige hat als mehrmaliger Nationalspieler und Teilnehmer der World Games 2009 zahlreiche Erfahrungen im deutschen Dress gesammelt und nahm den Posten gerne an. Erstaunt ist er über den Ehrgeiz, den Rommel an den Tag legt: „Seine Stärke ist ganz klar der Wille. Es ist keine Selbstverständlichkeit, nach dem Mannschafstraining am Mittwoch noch am Donnerstag hier zu stehen, ohne zu meckern.“ Die Schwächen seines Schützlings kennt Marx allerdings auch ganz genau: „Was ihm am meisten fehlt, sind ein ruhiger Arm und schnelle Füße.“ Und genau daran wollen die beiden bis zum Lehrgangsstart arbeiten.
Am Erfolg des Trainings zweifelt das Duo mittlerweile nicht mehr. Im Gegenteil: „Es ist normal, dass das Potenzial am Anfang der Feldrunde noch nicht so ausgereift ist. Aber man sieht, dass sich bei ihm schon einiges verbessert hat“, lobt Marx. Zunächst üben die beiden Spielsituationen mit einem kleinen Ball. „Der verzeiht noch weniger eine schlechte Technik als der große“, erklärt der Nationalspieler und gibt gleich Verbesserungsvorschläge für seinen Schützling zu Protokoll. „Mach doch kleinere Schritte an den Ball hin“, heißt einer, „halte den Arm gerade und nach vorne“, ein anderer. Und wenn ein ungenaues Zuspiel kommt, wird auch mal getadelt. Marx: „Gut, dass ich heute meine Joggingschuhe dabei habe.“
Das Prinzip von Zuckerbrot und Peitsche greift auch noch, als die Faustbälle in Normalgröße ausgepackt werden. „Für jeden Ball, der nicht im abgesteckten Feld landet, machst du eine Liegestütze“, stellt der Erfahrene die Regeln für den Jungspund auf. Marx wirft die Bälle, Rommel faustet sie über die Leine – und trifft am Ende zweimal doch nicht besagten Korridor. Dafür darf er zweimal pumpen. Zweimal? „Mach’ doch gleich fünf, dann lohnt sich’s auch“, neckt der Nationalspieler seinen Schützling und sagt weiter: „Er braucht ja auch einen Anreiz, sich richtig anzustrengen.“
Dass sich Rommel auch in dieser Woche richtig anstrengen muss, um die WM-Nominierung zu bekommen, weiß das Duo. „In der Abwehr ist es traditionell schwierig, nominiert zu werden. Da gibt es ein hohes Niveau und eine enge Leistungsdichte. Außerdem spielt die Tagesform bei solchen Lehrgängen natürlich immer eine Rolle“, plaudert Marx aus dem Nähkästchen. Einen Grund für Schwarzmalerei vor dem Nominierungslehrgang gibt es für Rommel aber nicht. „Er dürfte eigentlich beste Chancen haben, weil er früh fit ist. Andere Teams fangen erst in dieser Woche mit der Vorbereitung an“, spricht Marx aus Erfahrung.
Dann darf sich Rommel wieder ins Gras schmeißen und den Bällen hinterherjagen, die ihm Marx um die Ohren schlägt. Und vielleicht ist es im Juli tatsächlich der Kleinglattbacher, der mit konstanter Abwehrleistung den deutschen Nachwuchs zum U-18-Weltmeistertitel in Katalonien führt.
