Donnerstag, 24. Mai 2012

Dummheit kostet Gäste den Sieg




Der TSV Nussdorf (in Gelb) hat gegen Kleinsachsenheim 2:2 gespielt. Foto: Küppers
Der TSV Nussdorf (in Gelb) hat gegen Kleinsachsenheim 2:2 gespielt. Foto: Küppers

Nussdorf (sv) – „Am Ende muss man aus Nussdorfer Sicht mit einem Punkt zufrieden sein“, bilanzierte Nussdorfs Spielleiter Uwe Girstl. Tatsächlich konnten sich die Platzherren am Mittwoch bei Gästespieler Dennis Böhm bedanken, der ihnen zum 2:2 verhalf.

Außer sich vor Frust war Kleinsachsenheims Trainer Jochen Folk nach Ende der Partie. Nach dem Abpfiff des Gastspiels seiner Elf in Nussdorf ließ er sich zu Ver-balattacken gegen einen Nussdorfer Spieler hinreißen. Seinen Ärger erklärte Folk wenig später: „Ein Dreier war Pflicht. Es tut weh, zwei Punkte so zu verschenken.“ Auch Girstl ließ wenig gute Haare an seiner Mannschaft: „Das, was wir gespielt haben, war kein Fußball. Spielerisch war es eine Nullnummer.“

Zu Beginn des Spiels verlangten die Herren von der Nussdorfer Eintrittskasse noch einen ironischen „Spitzenspielzuschlag“. Hätte ein Zuschauer den Witz nicht verstanden und tatsächlich mehr Geld als üblich ausgegeben, hätte er sich schon bald betrogen fühlen müssen. Das Spiel im Hardwäldle hatte über weite Strecken weder Spitzen- noch Spielcharakter. In Halbzeit eins machten lediglich die ersten fünf Minuten Hoffnung auf eine muntere Partie. Nach zwei Minuten gelang Kleinsachsenheims Benjamin Regerz aus dem Mittelkreis ein Sonntagsschuss ans Nussdorfer Quergebälk. Eine Minute später hatte Martin Grözinger die erste gute Nussdorfer Chance, als er nach einem Freistoß frei zum Kopfball kam, das Spielgerät aber nur über die Torauslinie drückte.

Was folgte, waren 40 Minuten Sparflammenfußball. „Wir haben nur hohe Bälle gespielt“, kommentierte Girstl das Spiel der Gastgeber. Und auch das, was die Kleinsachsenheimer darboten, hatte mit ansehnlichem Fußball nur selten etwas zu tun. Erwähnenswert lediglich ein Schuss von Dennis Böhm nach 41 Minuten. Dieser wurde von einem Nussdorfer Akteur so unglücklich abgefälscht, dass Schlussmann Marcel Lauser zu einer kleinen Karate-Einlage gezwungen wurde, um den Ball zu parieren. Es ging torlos in die Kabine.

Hier musste Trainer Gerd Hausmann anscheinend die richtigen Worte gefunden haben. Ehe sich einige Zuschauer versahen, traf der eingewechselte Dimitrios Kalamaris Sekunden nach dem Wiederanpfiff zum 1:0 für die Heimmannschaft. Eine Führung, die sich die Gastgeber erst einmal verdienen mussten. Fast hätte es für das Team aus der Dreiergemeinde sogar zum 2:0 gereicht. Mirko Scheuermann lief nach einem Befreiungsschlag mutterseelenalleine auf Kleinsachsenheims Torhüter Jens Schindler zu, musste dann aber zusehen, wie der Ball über die Grundlinie trudelte.
Die Hausherren begannen, in der Verteidigung zu lässig zu spielen, immer wieder zeigten sich Spuren von Unkonzentriertheit im Nussdorfer Spiel. Girstl führte das auf die mangelnde Einstellung seiner Mannschaft zurück: „Man muss gegen jeden Gegner zeigen, dass man das Ding gewinnen will. Sonst fährst du auch gegen den Letzten keinen Dreier ein.“

Kleinsachsenheim nutzte diese Mängel aus und kam nach Standardsituationen dem gegnerischen Strafraum nahe. 20 Minuten nach dem Seitenwechsel lief Michael Majer gefährlich auf das Nussdorfer Tor zu, traf mit einem Heber aber zunächst nur die Latte. Von dort prallte der Ball ins Zentrum, wo Majers Mannschaftskamerad Marco Wolf zum Gewaltschuss ansetzte. Mit Erfolg: An Freund und Feind vorbei flog das Spielgerät in die Maschen – 1:1.

Wenige Sekunden später zirkelte Jens Bayerdörfer den Ball nach einem Freistoß von der Strafraumgrenze unhaltbar zum 2:1 ins linke Eck. In einer Minute hatten die Gäste das Spiel komplett gedreht. Hassan Lamari, Offensivkraft der Hausmann-Elf, haderte nach Spielende mit der Leistung seines Teams: „Zwei Tore in einer Minute – wir haben gespielt wie die Anfänger.“

Nussdorfs Robert Ristomanov hätte zwar im direkten Gegenzug die Möglichkeit zum Ausgleich gehabt, ansonsten wirkten die Platzherren aber zu schlaff, um noch zur Punkteteilung zu kommen. So war es schließlich auch eine Dummheit auf Seiten der Gäste, die zum 2:2 führte. Als die Kleinsachsenheimer Defensive zehn Minuten vor Schluss in Ballbesitz war, leistete sich Dennis Böhm einen so folgenschweren wie unnötigen Fauxpas. Böhm, der 13 Meter vor dem eigenen Tor stand, schrie Schiedsrichter Heiko Panhölzl (Pforzheim) an: „Pfeif’ endlich mal!“
Panhölzl, der am Mittwoch oft zu Unrecht verbal attackiert wurde, legte dies regelkonform als Unsportlichkeit aus und traf eine mutige Entscheidung. Indirekter Freistoß für die Hausherren. Lamari ließ sich nicht lange bitten und schoss den Ball unaufgeregt zum 2:2-Endstand ins Tor. Folk ärgerte sich über den unnötig verschenkten Sieg: „Wenn man den Mund nicht halten kann, ist man selbst schuld.“

TSV Nussdorf: Lauser – Wizemann, Wagner (46.Ristomanov), Schmid, Grözinger, Frank (19. Dimitrios Kalamaris), Strecker (75. Kanz), Stahn, Scheuermann, Lamari, Witt.

TSV Kleinsachsenheim: Schindler – Zaman, Wendler, Böhm, Braun, Wolf, Regerz, Weselan (62. Hörer), Majer, Schreiber (75. Hämmerle), Kusterer (62. Bayerdörfer).




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