Donnerstag, 24. Mai 2012

Vaihingen bewegt sich: Laufen – Die vierte Stunde




Bei der „Rückenkralle“ klafft die Lücke
Vaihingen bewegt sich: Laufen – Die vierte Stunde

Vaihingen (sr) – „Des muss widerlich ziehen in der Kniekehle hinten“, sagt Trainer Heiner Bayha. Sein Körper ist unnatürlich verrenkt. Bayha demonstriert am Dienstagabend nicht etwa mittelalterliche Foltermethoden, sondern bringt den Sportwilligen Übungen zur Körperdehnung nahe.
Und es zieht. Nicht nur in der Kniekehle. Die Gymnastikeinheiten sind auch beim vierten Lauftraining im Kleinglattbacher Bartenberg eine Herausforderung. „Nach der vierten Woche wird’s besser“, muntert Bayha auf. Immerhin heimst die Gruppe, die in der Ferienwoche auf 14 Teilnehmer geschrumpft ist, ein Lob vom Laufprofi ein: Das Rückwärtslaufen klappt schon viel besser und sieht nicht mehr ganz nach Storch im Salat aus.

Rund sechs Kilometer werden an diesem Abend im warmen Frühlingswald gelaufen. Dabei drängt sich in der Tat ein harmonischer Eindruck auf. Die Sportler „schweben“ die ersten Kilometer im homogenen Trab über die Waldwege. Geräuschvolles Auftreten ist tabu. Die Devise lautet: auf dem Ballen aufkommen, richtig atmen, leise treten, Arme locker schwingen lassen.

Friedlich bewegt sich das Grüppchen durch den Wald, als plötzlich eine fremde Läuferin von hinten überholt und schnell entschwindet. Das desillusioniert in puncto Geschwindigkeit dann doch ein wenig. Aber unser Motto lautet, frei nach Bayha: „Net schnell – richtig isch wichtig!“

Davon profitieren nicht nur Anfänger, sondern auch geübte Läufer der bunten Formation. Annette und Thomas Strößner aus Vaihingen rennen schon seit mehreren Jahren regelmäßig durch die Natur. Annette Strößner hat sich immer gefragt, wann endlich der Punkt kommt, an dem sie „locker lange Strecken laufen kann“. Da hat die Ballen-Technik von Heiner Bayha schon gefruchtet. „Ich bin hier total zufrieden“, sagt sie. Lauffehler von anderen stechen ihr mittlerweile gleich ins Auge. Ihr Mann Thomas findet besonders die Laufübungen klasse. Seit elf Jahren schnüren Roswitha und Manfred Mischke aus Enzweihingen regelmäßig ihre Laufschuhe. „Man lernt schon was vom Profi“, sagen sie und wollen gerne bis zum Schluss dabei bleiben.

Inzwischen hat die Gruppe ihre Übungskreuzung mitten im Wald erreicht. Laufgymnastik und Dehnen stehen bevor. Da hüpft ganz zufällig und leichten Fußes Leichtathletik-Ass Anja Tognotti auf die Lichtung und schließt sich an. Bayhas Übungen absolviert sie mit der Grazie einer Gazelle. Ganz im Gegensatz zu einigen anderen, die VKZ-Mitarbeiterin eingeschlossen. „Und dann geh’ m’r oifach in die Hocke, das muss dann ziehen“, sind einige Worte von Bayha, die die Läufer nicht gerne hören.

Heimgelaufen wird von fast allen an einem Stück. Tognotti dreht mit den Schnelleren noch eine extra Runde. „Anja, koi Tempo machen!“, ruft ihr Bayha zu. Die anderen quälen sich derweil langsam, aber stetig den Berg hoch. „So lange bin ich noch nie am Stück gelaufen“, freut sich später eine junge Teilnehmerin.
Zum Schluss wird wieder gedehnt. Da werden Defizite deutlich. „Rückenkralle“ wird die Übung getauft, bei der die Hände – eine oben-, eine untenrum – auf dem Rücken zusammenfinden sollen. Entsetzt stellen einige fest, dass es bei dieser Übung überhaupt keine „gute Seite“ gibt und immer eine große Lücke zwischen den Fingern klafft.

Das tut der guten Laune keinen Abbruch. Nächsten Dienstag will Bayha seine Läufer in drei Gruppen einteilen. Dem steht wohl nichts entgegen, denn über „dauerhafte Schäden“ hat noch niemand geklagt.

„Aktiv und fit in der Region“ ist eine Aktion der VKZ, der Krankenkasse Barmer, Intersport Sämann und des Gesundheitszentrums Sportschule Scheiber, in Zusammenarbeit mit dem TV Vaihingen.




Seitenanfang