Spielfeld ist wichtiger als der Mirabellenbaum
Aurich (rkü) – Ein Mirabellenbaum musste schon verpflanzt werden, weil er im Weg stand – mitten im gedachten Faustballfeld. Auch das Blumenbeet wird immer kleiner. Der Garten von Familie Jungclaussen in Aurich ist inzwischen ebenso auf Faustball ausgerichtet wie ein Großteil der Freizeitaktivitäten. Alle sechs Familienmitglieder lieben den Faustballsport.
Die Hunde erleben die sportlichen Aktivitäten der vier Kinder und zwei Erwachsenen auf ganz unterschiedliche Weise mit: Mal sind sie im Garten live dabei, wenn die Bälle fliegen, aber oft ist auch kein Mensch im Haus, mit dem man spielen könnte. Manchmal hat sich dafür ein Faustball ins Körbchen verirrt und leistet Gesellschaft.
Angefangen hat er Wirbel vor einigen Jahren, als der älteste Sohn Jaro (12) einer Einladung der Vaihingen Faustballer folgte. Spieler der ersten Mannschaft hatten sich in den Kindergärten vorgestellt und für ihren Sport geworben. Gemeinsam mit einigen Freunden aus dem Waldorfkindergarten ging Jaro in die Ballschule beim TVV. Seine Begeisterung steckte die ganze Familie an. Johannes (10) sagt über seine Motivation, dem großen Bruder zu folgen: „Die haben so tolle Sachen an den Ringen gemacht, Mattenrutschen und Latschentennis.“ Seitdem fieberten die jüngeren Geschwister dem Tag entgegen, an dem sie fünf Jahre alt wurden und ebenfalls in die Ballschule durften.
Nach dem spielerischen Heranführen an den Ballsport fand Johannes immer mehr Gefallen am Faustball und den typischen Bewegungsabläufen. „Das Hechten macht Spaß.“ Außerdem sei es schön, in der Mannschaft zu spielen „und dass man viele tolle Preise gewinnt“. Jacob (8) freut sich am meisten, dass es ihm inzwischen so gut gelingt, den Ball von oben zu schlagen. Er spielt bei der E-Jugend mit.
Die drei Jungs haben noch eine jüngere Schwester. Paula ist erst fünf Jahre alt und hat ein paar Monate lang ebenfalls die Ballschule besucht. Doch weil es keine weibliche Jugend gibt, in der die Mädels unter sich gewesen wären, hörten Paula und eine Mitspielerin schon nach kurzer Zeit wieder auf. Die Jungs waren ihr zu wild und zu laut. Zu den Spielen ihrer Brüder geht sie trotzdem gerne mit. Am Spielfeldrand findet sich immer auch ein Faustball, mit dem sich wunderbar spielen lässt. Und dazu ein netter Sportler, der gerade nichts Wichtigeres zu tun halt als die potenziellen Nachwuchskräfte bei Laune zu halten.
Irgendjemand aus der Familie Jungclaussen ist immer unterwegs. Denn nicht nur die Jungs spielen Faustball, sondern auch die Eltern haben über ihre Kinder Gefallen an diesem Sport gefunden. Holger Jungclaussen (38) spielt bereits seine dritte Saison bei den Männern 35 mit. Ein halbes Jahr lang war er parallel dazu noch seiner alten Sportart, dem Volleyball, treu geblieben. Doch dann konzentrierte er sich auf Faustball. „Die Geschwindigkeit und das Einschätzen sind völlig anders“, begründet er, warum er sich entscheiden musste. Mutter Ines Jungclaussen (41) spielte in einer Frauenmannschaft, bis sich diese vor kurzem auflöste. Das Team nannte sich „Die Mamis“.
Faustball – spielt sich das besser im Freien oder in der Halle? Die Meinung der Jungs ist eindeutig: „Draußen!“ Nur Vater Holger sieht die Sache etwas differenzierter: „Am Ende der Hallensaison freue ich mich auf die Spiele im Freien, am Ende der Freiluftsaison ist es genau umgekehrt.“ Johannes mit der Vorliebe fürs Hechten mag insbesondere auch Training im Regen: „Dann rutscht man so gut.“ Auf jeden Fall ist es angenehmer als auf vertrocknetem Boden im Sommer.
Sportlicher Erfolg scheint den Jugendlichen beim TV Vaihingen beinahe garantiert zu sein. Jaro war mit der C-Jugend kürzlich bei den deutschen Meisterschaften in Moslesfehn. Sechs Jugendspieler und zwei Betreuer in einem Mannschaftsbus waren sechs bis sieben Stunden unterwegs – das schlaucht ganz schön. Dennoch genießt es der Zwölfjährige, mit seinem Team bei Meisterschaften aufzutreten. Auf welcher Position er dann spielt, hängt von der Altersklasse ab: „In der B- und C-Jugend spiele ich vorne rechts und hole die kurzen Bälle oder bin hinten in der Abwehr. Bei den Kleineren spiele ich am Schlag.“ Wie die anderen, spielt auch Jaro in mehreren Altersklassen mit und kommt dadurch zu viel Spielerfahrung innerhalb relativ kurzer Zeit. Die notwendigen Fahrten zu den vielen Trainings- und Spielterminen in den unterschiedlichen Mannschaften halten Mutter und Vater ganz schön auf Trab und erfordern eine gute Koordination.
Bei Familie Jungclaussen dreht sich sehr viel um Faustball, aber nicht alles. So ist der Vater beispielsweise im TSV Aurich aktiv, wo er das Bubenturnen anleitet. Auch seine eigenen Söhne sind dann dabei. Und Johannes geht zwischendurch auch noch ins Fußballtraining. Fußball oder Faustball, was macht ihm wohl mehr Spaß? Die Antwort lässt nicht lange auf sich warten: „Ich find’s beides gleich gut. Nur Faustball halt ein bisschen besser.“
