Donnerstag, 24. Mai 2012

Ein Leben zwischen Turnhalle und Sportplatz


Familie Geske auf dem Sportplatz. Foto: Schmid

Vaihingen – Die Familie Geske hat die Zügel der Sersheimer Sportvereine fest in der Hand. Vater Sieghard war bis vor kurzem erster Vorsitzender des VfR und ohne Mutter Karin läuft beim TV nichts. Die beiden Kinder Jasmin und Sabrina sind ebenfalls in den aktiven Alltag eingebunden.

„Schon als kleiner Junge kam ich zum VfR“, erzählt Sieghard Geske, und bis heute ist er seinem sersheimer Fußballverein treu geblieben. Aktiv gespielt hat er, bis ihn eine schwere Knieverletzung dazu zwang, mit Anfang 20 die Fußballschuhe an den Nagel zu hängen. So entschied sich der zweifache Familienvater für eine passive Karriere als Betreuer und im Vorstand.

„Zuerst stieg ich als Jugendbetreuer ein, dort hatte ich so jeden Posten einmal inne. Zehn Jahre später wechselte ich in den Vorstand. Nach zwei Jahren als zweiter Vorsitzender löste ich dann den damaligen ersten ab“, schildert Geske weiter. Zehn Jahre hatte er dieses Amt inne. In dieser zeit wurde unter anderem anlässlich des 75-jährigen Bestehens des Vereins das Sportplatzfest ausgerichtet. Außerdem stieg Sersheim vergangenes Jahr in die Kreisliga A auf. Doch nicht nur seinen Fußballverein unterstützt der Bilanzbuchhalter, auch im sersheimer Gemeinderat ist er als Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler vertreten.

„Der Grund für meinen Rücktritt als Vorsitzender ist einfach“, erzählt Sieghard Geske. „Beruflich habe ich immer mehr zu tun und so muss ich irgendwo kürzer treten“. Erhalten bleibt Geske dem VfR aber auf jeden Fall „Ich brauche kein Amt um Aufgaben zu erledigen. Ich werde auch weiterhin für meinen Verein da sein“. Denn auch das Familienleben kann bei solch engagierten Menschen darunter leiden. „Da meine Frau und ich in verschiedenen Vereinen aktiv sind, ist unser gemeinsames Zeitfenster sehr eng. Doch wir versuchen unsere Termine so zu koordinieren, dass Zeit für die Familie da ist“, so Geske.

Eine direkte Verbindung zwischen TV und VfR hat Sieghard Geske in seinem wöchentlichen Tischtennistraining, denn diese Abteilung ist Teil des Turnvereins und somit unter der Obhut seiner Frau. Karin Geske ist mit neun Jahren dem TV Sersheim beigetreten und hält, wie ihr Mann, bis heute dem Verein die Treue. Als 14-Jährige war sie zum ersten Mal ehrenamtlich als Helferin im weiblichen Kinderturnen aktiv.

Es begann eine lange Reihe an Aktivitäten, die bis heute anhalten und in Zukunft sicher noch weitergeführt werden. „1982 wurde ich Übungsleiterin in der Wettkampfgymnastik und trainiere bis heute mit einem Team von drei bis fünf Gymnastinnen jede Woche die TV-Jugend“, berichtet Karin Geske. Im Jahre 1984 machte sie die Ausbildung zur Gaukampfrichterin. Zehn Jahre später folgte die Ausbildung zur Landeskampfrichterin. Seit 1996 ist sie in der Presseabteilung der Wettkampfgymnastik im Turngau aktiv und organisiert dort auch die Wettkämpfe wie zum Beispiel die Gaumeisterschaften, und Gauturnfeste, wobei sie dort für das Organisieren von Gymnastikwettkämpfen verantwortlich ist. „Als ich mir damals überlegt habe, ob ich wieder arbeiten soll, habe ich mich bewusst dagegen entschieden um als Übungsleiterin tätig zu sein – was ich keine Sekunde bereut habe“.

Seit März 1998 steht sie jeden Mittwoch und Freitag morgen in der Turnhalle und macht dort Sport- und Spaß-Fitnessgymnastik ohne Altersbegrenzung. „Unsere älteste Teilnehmerin ist über 80 und kommt jede Woche“, erzählt sie stolz. Im gleichen Jahr begann die zweifache Mutter in der Geschäftsstelle des TV Sersheim. Dort erledigt sie auch heute noch die anfallenden Arbeiten und wird auch tatkräftig vom Kassier und dem Mitglied Dragana Lipowschek unterstützt. Erst im März 2000 kam Karin Geske dann in den TV-Vorstand des sportlichen Bereiches und startete noch im selben Jahr Gesundheitskurse wie den AOK- und den Walkingtreff . Weitere Kurse, die waren „Sport – Spiel- Spaß für Kinder“ und „Ski – Fit ins Wochenende“, außerdem übernahm sie mit Manuela Berner die Turnzwerge.

Im Herbst 2004 machte sie die Ausbildung zur Bundeskampfrichterin der Gymnastik mit der A-Lizenz. Seit drei Jahren ist sie Schriftführerin beim Förderverein des SKV Sersheim. Eine Reihe von Ehrungen gab es für Karin Geske auch schon: „Ich mag es aber nicht, in den Vordergrund gestellt zu werden“, beschwichtigt sie

Im Sommer 2006 bekam die Mutter tatkräftige Unterstüzung von ihren beiden Töchtern. In der Ganztagesbetreuung der Hofäckerschule hilft die 16-Jährige Sabrina Geske mit dem Programm „Sport – Spiel – Spaß“. Tochter Jasmin ist zusammen mit zwei weiteren Gymnastinnen Helferin beim Kürtraining. „An den Einstieg in den TV kann ich mich gar nicht erinnern, ich war mit Pampers schon dabei“, erzählt die 18 Jahre alte Jasmin. „Da unsere Mutter die Trainerin war, waren wir automatisch mit dabei. Als wir dann selbst mit dem Turnen angefangen haben, taten wir das auch bei unserer Mutter“, fügt Sabrina, hinzu. Ob es Vorteile hat, so engagierte Eltern zu haben? „Na klar“, sind sich da die beiden einig. „Man lernt so viele verschiedene Leute kennen, außerdem bin ich dadurch ein offener Mensch geworden“, meint Jasmin. Und dann ist das Helfen bei den vielen Festen auch nicht so schlimm. „Manchmal werden wir zwar eingeteilt ohne gefragt zu werden, aber es macht großen Spaß“, erzählt sie.

Die beiden jungen Frauen sind auf dem besten Weg in die Fußstapfen ihrer Eltern zu treten. Jasmin Geske ist bereits Gau- und Landeskampfrichterin und hat auch schon die Silberne Gau-Ehrennadel des Turngau Neckar/Enz erhalten. Sabrina ist die weibliche Jugendvertreterin des TV Sersheim und unterstützt somit tatkräftig den Jugendleiter Marco Vogel. Natürlich turnen die beiden Schwestern noch aktiv und sind auch bei Gaumeisterschaften und Turnfesten dabei. „Sabrina und Jasmin sind sehr ehrgeizig und nie mit sich zufrieden, ich hingegen bin immer zufrieden mit ihren Leistungen“, meint ihre Mutter.

Ein neues Kapitel öffnet sich

Durch die Ausbildung zur Kursleiterin für Bewegung und Gesundheitsförderung für Hochaltrige öffnet sich für Karin Geske ein neues Kapitel in ihrer Karriere als Übungsleiterin. So macht sie nun auch Gymnastik im Pflegeheim Haus am Schlösslesbrunnen. „Dies ist eine weitere wichtige Erfahrung für mich, da es mir unheimlich viel Spaß macht, die Bewohner im Pflegeheim zum Sport zu bewegen und zum Lachen zu bringen“, so die Gymnastin.

Einmal im Jahr findet das Sommerferienprogramm statt, das Karin Geske stets mit ihren Töchtern und weiteren Helfern der Wettkampfgymnastik organisiert. „Für mich ist der TV Sersheim eine große Familie und ich wünsche mir, dass es auch noch lange so bleibt. Doch was mich manchmal nachdenklich stimmt, ist dass die Arbeit im Ehrenamt sehr umfangreich und bürokratisch geworden ist und es immer schwieriger wird, Menschen dafür zu gewinnen“, sagt die aktive Mutter und spricht damit wohl vielen Ehrenamtlern aus der Seele. Doch laut Karin Geske hat der TV Sersheim das Glück, genug junge, engagierte Mitglieder zu haben. Wenn es in so einer engagierten Familie dann mal wieder Zeit für ein Gemeinsames Beisammensein ist, kann ja auch die Gaststätte „Metterblick“ genutzt werden, denn die ist sowohl Vereinsheim des VfR wie auch des TV.

Katja Herkommer


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