Maßnahmenpaket für Sicherheit an Schulen
Vaihingen (elf). Emsdetten, Erfurt, Winnenden, Ansbach – nach den erschütternden Amokläufen ist der Ruf nach mehr Sicherheit und Schutz vor Jugendgewalt an Schulen laut geworden. Auch in Vaihingen hat eine Arbeitsgruppe Sicherheit ein Maßnahmenpaket erarbeitet, um derartige Bluttaten zu verhindern. Morgen wird der Gemeinderat darüber beraten.
Zu beneiden ist das Gremium nicht, wenn morgen (29. September, ab 18 Uhr, Sitzungssaal des Vaihinger Rathauses) der Tagesordnungspunkt „Maßnahmenkonzept zur baulichen und technischen Sicherung von Schulen“ aufgerufen wird. In nichtöffentlicher Sitzung haben sich bereits der Technische Ausschuss sowie der Sozial- und Kulturausschuss mit dem Thema beschäftigt und ihre Zustimmung für den Maßnahmenkatalog nicht ohne Einschränkung gegeben. Immerhin umfasst der Gesamtaufwand des kompletten Pakets rund 340 000 Euro – ohne Garantie dafür, dass das Konzept auch greift.
Fünf Punkte sind es, die vorwiegend an weiterführenden Schulen umgesetzt werden sollen. Selbstständige Grundschulen, Kindergärten und Sporthallen werden als nicht oder lediglich eingeschränkt amokgefährdet eingestuft. So wird der Einbau von Sprechanlagen gefordert, mittels derer die Schulleitung gezielt Klassenzimmer und Flure erreichen und die Lehrer mit Verhaltensregeln (Räumung, Verbarrikadierung) versorgen kann. Dies betrifft vor allem Schlossbergschule und die Grund- und Werkrealschule Vaihingen, wo bisher noch keine Sprechanlagen vorhanden sind.
Eine zweite Maßnahme betrifft die Türen der Klassenzimmer. Sie sollen mit neuen Türknauf-Beschlägen und einheitlichen Schließzylindern versehen werden. Feste Knaufe statt Drückklinken auf der Flurseite der Türen sollen verhindern, dass Klassenzimmer, Rektorate und Sekretariate bei geschlossener Tür von außen zugänglich sind. „Eine umstrittene Sache, da wir hier mit dem Brandschutz in Konflikt kommen“, wie Waldemar Mann, Leiter der Hochbauabteilung der Vaihinger Stadtverwaltung zu Bedenken gibt. Kommt es zu einem Feuer im Flurbereich, sei der Fluchtweg durch die Klassenzimmer versperrt, wenn diese sich nicht von außen öffnen lassen. Deswegen konnten sich die beiden vorberatenden Ausschüsse des Gemeinderats auch nicht für diese Türknäufe erwärmen und verwehrten diesbezüglich ihre Zustimmung.
Ein weiterer Punkt des Maßnahmenkatalogs beschäftigt sich mit den Flucht- und Rettungsplänen. So seien manche Pläne von den Schulen selbst erarbeitet worden, andere sind nicht mehr aktuell, wieder andere müssten hinsichtlich veränderter Gebäudegrundrisse korrigiert werden. In Absprache mit Polizei und Feuerwehr müsste außerdem erarbeitet werden, an welchen Sammelpunkten die Schüler sich bei Brand- und Amokereignissen zu treffen haben. Vor allem nach einem Amoklauf soll ein solcher Sammelplatz, zu dem die Schüler und Lehrer von den Sicherheitskräften gebracht werden, außer Sichtweite des Schulgebäudes und für abholende Eltern gut zugänglich sein.
Apropos Sicherheitskräfte: Damit sich Polizisten und Rettungsdienste im Schulgebäude schnell orientieren können, sollen Eingänge, Stockwerke und Schulräume besser gekennzeichnet werden. Pläne im Klassenzimmer sollen den darin befindlichen Lehrern und Schülern ebenfalls der schnellen Orientierung dienen.
Die mit 2000 Euro günstigste Maßnahme ist die Ausstattung der Schulen mit Pagern (Piepser, wie sich auch Feuerwehrkräfte haben). Damit soll die Schulleitung von übergeordneter Kommandostelle schnell und direkt über die Gefahrenlage informiert werden.
„Wir wollen aus den Schulen keine Festungen machen“, sagt Verwaltungsmitarbeiterin Birgit Scheurer von der Abteilung Bildung, Erziehung und Sport. Sie bildet gemeinsam mit Waldemar Mann und Schulleitern die Arbeitsgruppe Sicherheit, die sich mit dem Thema Sicherheit und Amokprävention beschäftigt. Die Arbeitsgruppe orientierte sich bei der Erstellung des Maßnahmenkatalogs an einer im März vom baden-württembergischen Landtag herausgegebenen Handlungsempfehlung.
