Donnerstag, 24. Mai 2012

VKZ-Sommerrätsel




Der Strudelbach in Riet. Foto: Bögel
Der Strudelbach in Riet. Foto: Bögel

Riet (ub). Im Jahr 2012 feiert Riet das 1200-jährige Bestehen. Als kleine Einstimmung auf das Jubiläum macht heute das VKZ-Sommerrätsel Station im kleinsten Vaihinger Stadtteil.
 Sieben Fragen sind heute zu beantworten. Und wer diesen Text liest, dürfte damit keine großen Schwierigkeiten haben. Zu gewinnen gibt es einen Gutschein über 40 Euro für den Gasthof/Hotel „Eintracht“ in der Ludwigsburger Straße in Riet. Horst Bauz unterstützt damit die Aktion der Vaihinger Kreiszeitung.
Keltische Grabhügel auf der Gemarkung Riet belegen eine Besiedelung der Umgebung bereits im ersten Jahrtausend vor Christus. Auch eine spätere römische Besiedelung ist belegt. Eine erste urkundliche Erwähnung von Riet findet sich im Codex Laureshamensis als Villa Roth, verzeichnet als eine Schenkung an das Kloster Lorsch an der Bergstraße. Der Ursprung des Ortsnamens ist nicht gesichert. Möglich ist eine Sprachverschiebung von Villa Roth, ebenso die Abwandlung aus Ried als Hinweis auf ein ursprünglich sumpfiges Gelände. Oder die Abwandlung von Reuth oder Reutte als Hinweis auf die Rodung einer Waldfläche, was bei der Gelände- und Vegetationsart am wahrscheinlichsten sein dürfte.
In Riet befanden sich zusätzlich zum heute noch erhaltenen und bewohnten Schloss, das einst ein Wasserschloss war, noch drei weitere Schlösser. Eines befand sich etwa an der Stelle des heutigen Gemeindehauses am Dorfplatz. Bei Bauarbeiten gefundene Grundmauerreste lassen vermuten, dass die zwei anderen Schlösser am südlichen und nördlichen Ende der heutigen Parcelsusstraße standen. Über das Adelsgeschlecht der Grafen von Reischach, die über lange Zeit und mehrmals Besitzer von Riet waren, ist Riet historisch mit Eberdingen und Nussdorf verbunden. Der Ort Riet wurde vorwiegend von Dienstpersonal der Schlösser bewohnt, die auch die Weinberge des Schlossguts bewirtschafteten. Von daher hat die sonstige Landwirtschaft (Ackerbau, Viehwirtschaft) nie eine nennenswerte Rolle gespielt.
Seit dem 1. Februar 1972 ist Riet in die Stadt Vaihingen eingemeindet. Das ehemalige Gemeindewappen von Riet zeigt eine liegende goldene Hirschstange auf einem schwarzen Schildhaupt, darunter auf goldenem Schild eine schräge schwarze Reithaue. Die Hirschstange zeigt die Zugehörigkeit zu Württemberg, die Reithaue verweist auf die Geschichte Riets als Weinort. Das Wappen in der heutigen Gestalt und die blau-gelbe Flagge wurden 1966 verliehen. In einem Dienstsiegel aus den 1920er Jahren ist das Wappen von Riet mit drei Hirschstangen abgebildet.
Das Schloss hatte früher einen umlaufenden, tiefen, gemauerten Wassergraben, der im Ernstfall kurzfristig mit Wasser aus dem Strudelbach geflutet werden konnte. Im Zweiten Weltkrieg war das Schloss Unterkunft für einige ausgebombte Pforzheimer und Stuttgarter Bürger, später auch Unterkunft für Vertriebene. In der Kirche St. Stephan befindet sich noch eine hölzerne Säule des Grafenstuhls mit dem Wappen der Herren von Reischach.
Das Pumpenhaus diente der Wasserversorgung von Nussdorf und wurde 1902 von Oesterlen & Schmid, Esslingen, projektiert und 1905 errichtet. Auf Höhe der heutigen Robert-Bosch-Straße zweigte ein 130 Meter langer Wasserkanal aus Stahlblech Wasser vom Strudelbach ab und führte es ins Pumpenhaus. Dort wurde mit einer Fallhöhe von ca. 1,5 Metern über ein mittelschächtiges Wasserrad die Pumpenanlage betrieben, die mit 2,4 Liter pro Sekunde täglich rund 107 Kubikmeter Flusswasser als Trinkwasser nach Nussdorf förderte. In den 1960er Jahren wurde Nussdorf an das öffentliche Wassernetz angeschlossen und infolgedessen das Pumpenhaus stillgelegt. Heute ist das Pumpenhaus Treffpunkt und Veranstaltungsort des Vereins Dörfliche Entwicklung Riet.
Berühmte Namen: Wilhelm von Hohenheim von Riet, Arzt, Vater des Theophrastus Bombastus Paracelsus. Paracelsus selbst soll einige Jahre bei seinem Onkel in Riet gelebt haben.
Zum Schluss noch ein Artikel in der Vaihinger Kreiszeitung über den „Anschluss an die große Welt“: Im Dezember 1905 ist es so weit. Die Rieter Bevölkerung erhält nach langen Bemühungen den Anschluss an die übrige Welt: Es wird eine Telegrafenhilfsstelle mit Fernsprechbetrieb eingerichtet. Rosenwirt Gustav Hauser übernimmt neben seiner Tätigkeit als „Posthilfsstelleninhaber“ auch noch die eines „Telegrafenhilfsstelleninhabers“. Bezahlt wird er für diese Tätigkeit in den ersten beiden Jahren jedoch nicht – so will es die Generaldirektion der Posten und Telegrafen in Stuttgart.
Wichtig muss den Rietern dieser Anschluss schon gewesen sein, das beweisen die vielen Eingaben an das Schultheißenamt und an den Gemeinderat. Im Jahre 1903 waren einige Rieter sogar bereit, 150 Mark für einen solchen Telefonanschluss zusammenzulegen. Ein Jahr später kam eine deutliche Aufforderung des Kalkwerks Riet, die notwendigen Voraussetzungen, nämlich Telefon, für sich ansiedelnde Fabriken zu schaffen.
In ähnlicher Weise mussten sich die Rieter um die Errichtung einer eigenen Postagentur bemühen. Noch 1894 schrieb die Generaldirektion der Posten und Telegrafen in Stuttgart an das Schultheißenamt Riet, „dass sie auf Grund des wenig erheblichen Postverkehrs, (...) das Bedürfnis einer Postagentur nicht zu erkennen vermag“. Dieser Antwort waren seit mindestens zwanzig Jahren Eingaben an die Generaldirektion der Posten und Telegrafen vorausgegangen, die die zu der Zeit übliche Praxis des Postverkehrs kritisierten.
In Gemeinden, in denen keine eigene Postagentur bestand, wurde ein Landpostbote von der nächstgelegenen Postagentur geschickt. Im Falle Riets war dies die Agentur in Enzweihingen. Der Landpostbote sammelte die Briefe und Pakete auf der Straße ein und verteilte die nach Riet adressierten auf die gleiche Art und Weise. Es spielte sich alles, von jedem einsehbar, auf der Straße ab. Diese Form des Postverkehrs missfiel einigen Bürgern. Sie mussten aber noch bis 1898 warten, bis zumindest jene Posthilfsstelle im Wirtshaus Rose eingerichtet wurde.

Sieben Fragen sind heute über Riet zu beantworten. Als Gewinn winkt ein Gutschein über 40 Euro für den Gasthof „Eintracht“. Also viel Spaß beim Mitmachen.

Frage 1: Wie heißt die Ortsvorsteherin von Riet? Vom Nachnamen brauchen wir zuerst den ersten Buchstaben und dann vom Vornamen den zweiten Buchstaben.Frage 2: Wie heißt das Gewässer, das durch Riet fließt? Hier benötigen wir für das Lösungswort zuerst den vorletzten Buchstaben und dann den letzten.Frage 3: Wie heißt der Arzt und Vater des Theophrastus Bombastus Paracelsus? Vom Vornamen brauchen wir den ersten Buchstaben. Paracelsus selbst soll einige Jahre bei seinem Onkel in Riet gelebt haben.Frage 4: In welchem Codex fand die erste urkundliche Erwähnung von Riet statt? Hier brauchen wir zuerst den zweiten Buchstaben und dann den letzten Buchstaben für das richtige Lösungswort.Frage 5: Wie heißt das Adelsgeschlecht, das über lange Zeit und mehrmals Besitzer von Riet war? Vom Familiennamen wird der vierte Buchstabe benötigt.Frage 6: Nach welchem Heiligen ist die Rieter Kirche benannt? Hier brauchen wir den dritten Buchstaben.Frage 7: Welcher Ort wurde einst von Riet aus mit Wasser versorgt? Hier spielte das Pumpenhaus die zentrale Rolle. Vom Ortsnamen brauchen wir den vorletzten Buchstaben.In der in den Fragen genannten Reihenfolge ergibt sich das Lösungswort, das in Riet vor allem politisch buchstäblich für Wellen sorgt. Einsendeschluss ist der kommende Dienstag um 12 Uhr.Einsendungen an die Vaihinger Kreiszeitung, Marktplatz 15, in 71665 Vaihingen. Per Fax: 0 70 42 /919-99; per E-Mail: info@vkz.de.




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