Feuerwehrhaus: Ausschreibung wirft Fragen auf
Vaihingen (elf). Es ist Bewegung gekommen in den Bau des neuen Feuerwehrstützpunktes in Vaihingen. Während die Bagger die Erde wegschieben und für die Infrastruktur auf der Baustelle sorgen, beschäftigt sich die Verwaltung mit der Vergabe einzelner Gewerke. Diesbezüglich hat jetzt das Planungsbüro Kplan für einige Fragezeichen gesorgt.
Drei Gewerke waren es, die der Technische Ausschuss der Stadt Vaihingen am Mittwochabend zu vergeben hatte: Metallbauarbeiten, Sektionaltore sowie Dachabdichtungsarbeiten. Doch bereits beim ersten Gewerk herrschte Verwunderung im Gremium. Von den sechs Firmen, die von der Stadt Vaihingen zur Abgabe eines Angebots im Rahmen einer beschränkten Ausschreibung aufgefordert wurden, haben vier ein Angebot abgegeben. Günstigster Anbieter war die Firma Fenster-Service Vaihingen mit 203 545,52 Euro. Das Büro Kplan berechnete für den Posten allerdings lediglich 157 365,60 Euro – eine Differenz von fast 30 Prozent. Bei der Ausschreibung für den Einbau von Sektionaltoren verrechnete sich Kplan dagegen zugunsten der Stadt. Während das Angebot der Firma Bothe-Hild aus Herborn bei 63 443,61 Euro liegt, kalkulierte das Planungsbüro Kosten in Höhe von 92 820 Euro. Der größte Unterschied liegt allerdings beim Gewerk Dachabdichtungsarbeiten vor. Lediglich eines von elf aufgeforderten Unternehmen hat ein Angebot abgegeben. Für 394 560,74 Euro möchte die Firma Dach- und Wandsysteme Montage GmbH in Lichtenau den Zuschlag bekommen. Die Kostenberechnung des Büros Kplan liegt dagegen bei 198 432,50 Euro – eine Differenz von mehr als 100 Prozent. Da stellten sich die Ausschussmitglieder die Frage, warum sich das Planungsbüro dermaßen verkalkulierte.
Planungsbüro Kplan hat einzelne Arbeiten zwischen den Gewerken hin- und herjongliert
Die Stadtverwaltung konnte mit einer Antwort aufwarten. Demnach hat Kplan einzelne Arbeiten innerhalb der verschiedenen Gewerke hin- und herjongliert. Arbeiten, die beispielsweise innerhalb von Gewerk A durchgeführt werden sollten, haben die Planer dem Gewerk F zugeordnet. So kommt es, dass jetzt ein Gewerk teurer, das andere Gewerk dafür billiger wird. An der Endsumme verändert sich jedoch nichts. „In der Gesamtbetrachtung liegen wir immer noch im Rahmen der Gesamtkosten in Höhe von 6,1 Millionen Euro“, sagte Detlef Fischer, Leiter des Liegenschafts- und Gebäudewirtschaftsamts. „Das ist ein Ärgernis, da man es versäumt hat, uns darüber zu informieren“, sagte Bürgermeister Wilfried Nestle, der für den erkrankten Oberbürgermeister Gerd Maisch die Sitzung leitete. Das Planungsbüro habe sich inzwischen dafür entschuldigt. „Die sollen uns eine neue Kostenberechnung vorlegen, damit man jedes Gewerk sauber nachvollziehen kann“, forderte Eberhard Berg (SPD, Kleinglattbach). Am Ende vergab der Ausschuss die Metallbauarbeiten sowie die Arbeiten für die Sektionaltore an die erwähnten Unternehmen.
Bei den Dachabdichtungsarbeiten taten sich Verwaltung und Technischer Ausschuss schwerer. Elf angeschriebene Firmen und nur ein Angebot, das zudem die Kostenberechnung um 100 Prozent überschritt – da wollte der Ausschuss nicht mitmachen. Bürgermeister Nestle wies darauf hin, dass die Ausschreibung eventuell aufgehoben werden kann, da die Kostenberechnung deutlich überschritten worden ist. „Wir müssen die Rechtslage prüfen“, sagte Nestle.
Dass sich mehrere Firmen an der Ausschreibung gar nicht beteiligt haben, hätte am umfangreichen Leistungsverzeichnis gelegen. In der Urlaubszeit – die Ausschreibungsunterlagen wurden Anfang August verschickt – hätte die arbeitsintensive Kalkulation nicht angemessen erfolgen können. Deshalb drängte der Technische Ausschuss am Mittwochabend auf eine neue Ausschreibung. „Wie sollen wir das als Gemeinderäte sonst nachvollziehen können“, fragte Walter Sämann (Freie Wähler, Vaihingen). Prof. August Lachenmann (FDP, Vaihingen) pflichtete ihm bei: „Wenn durch eine neue Ausschreibung Geld gespart werden kann und sich der Bau dadurch um sechs bis acht Wochen verschiebt, ist das kein Beinbruch.“ Der Ausschuss beauftragte die Verwaltung zu prüfen, ob die Ausschreibung wegen des unangemessen hohen Preises aufgehoben werden kann und gegebenenfalls eine neue Ausschreibung zu starten.
