Donnerstag, 24. Mai 2012

Ensinger Bahnhöfle erfährt Renaissance




Am Samstag wird das Bahnhöfle vom Ensinger Albverein wiedereröffnet. 	Foto: Elsässer
Am Samstag wird das Bahnhöfle vom Ensinger Albverein wiedereröffnet. Foto: Elsässer

Ensingen (elf). Mehr als 100 Jahre hat es gedauert, bis der Schwäbische Albverein, Ortsgruppe Ensingen, zu seinem ersten Vereinsheim kam. Das Domizil hat eine annähernd geschichtsträchtige Vergangenheit wie der Verein, schließlich handelt es sich dabei um das Bahnhöfle in Ensingen. Am Samstag findet die Einweihung statt.
Da hat doch der eine oder andere tatsächlich schon gedacht, dass bald wieder Züge beim alten Bahnhöfle in Ensingen halten werden. Schließlich machen die Ensinger Älbler per Flugblatt Werbung mit den Worten „Bahnhof Ensingen – Wiedereröffnung“. Erst im Kleingedruckten ist zu erfahren, dass es sich dabei um das neue Vereinsheim des Schwäbischen Albvereins, Ortsgruppe Ensingen, handelt. Doch Bahnhof- und Eisenbahnnostalgiker werden neben den Wanderfreunden am kommenden Samstag (25. September) ab 14 Uhr dennoch auf ihre Kosten kommen. Schließlich gibt es eine spannende Ausstellung mit Fotos, Dokumenten und Schriftsätzen aus der 100-jährigen Vergangenheit des Bahnhofgebäudes zu sehen.
Dafür haben die Ensinger Älbler das Vaihinger Stadtarchiv bemüht, das die Materialien zur Verfügung stellte. Auf insgesamt 40 Tafeln kann man sich am Samstag durch Auszüge der Geschichte des Ensinger Bahnhöfles lesen. Das Programm zur Einweihungsfeier im Jahr 1908 kann dann ebenso eingesehen werden, wie der erste Sommerfahrplan 1909. Aufschlussreich auch der Brief der Generaldirektion der Staatseisenbahn an das Ensinger Schultheißenamt im Jahr 1917. Darin wird mitgeteilt, dass nicht alle Züge der Milchbeförderung in Ensingen halten. Gemeinderatsprotokolle, alte Fahrpläne, Briefverkehr – das alte Bahnhöfle in Ensingen hat viele Anekdoten zu erzählen.
Das neueste Kapitel in der Historie des Gebäudes liefert der Ensinger Albverein. Für Sitzungen, Feiern und dergleichen trafen sich die Mitglieder bislang in aller Regel in der Gaststätte Krone oder auf der Eselsburg. Doch mehr und mehr vermisste man im Verein einen Treffpunkt und eine Zulaufstelle. Vor allem die verstärkten Bemühungen, Kinder und junge Familien an den Albverein heranzuführen, machten das Fehlen eines Vereinsheims deutlich. Da drängte sich das Bahnhöfle auf, das bis zuletzt noch vom Teamclub 72 beheimatet wurde. Der hat das Gebäude 1994 übernommen und renoviert. Lange Jahre diente es dem Teamclub als Proberaum für die Theatergruppe „Zacken aus der Krone“. In den letzten Jahren wurde es vorwiegend als Aufbewahrungsort für alte Gegenstände und Klamotten genutzt. Im Frühjahr 2010 hat der Teamclub 72 das Bahnhöfle wieder an die Stadt zurückgegeben.
Wo früher Eisenbahn-Fahrkarten verkauft wurden und Züge durchrauschten, treffen sich jetzt also die Ensinger Albvereinsmitglieder. Sie haben den kleinen ehemaligen Bahnhof einer Komplettreinigung unterzogen, Tische und Stühle reingestellt und die verwilderte Außenanlage auf Vordermann gebracht. Ein altes Bahnschild weist übrigens auf die einstige Nutzung des Hauses hin.
Neben den Mitgliedern soll das neue Vereinsheim dem Schwäbischen Albverein, Ortsgruppe Ensingen, auch als Treffpunkt für Kinder und junge Familien dienen. „Wir wollen Familien für das Wandern begeistern“, sagt Torsten Schmid, der sich im Verein gemeinsam mit Stefan Fleischle und Ute Meister um eben dieser Zielgruppe kümmert. Schneewanderungen, Geocaching, Wanderungen mit der Taschenlampe, Familienolympiade – nur ein Auszug dessen, was im kommenden Jahr alles bei den Ensinger Älblern geboten sein wird. „Wir wollen Kindern und jungen Familien einen Treffpunkt bieten, um miteinander die Natur zu erleben“, sagt Schmid. Als Ausgangspunkt und Anlaufstelle wird dabei stets das Vereinsheim im Mittelpunkt stehen.
Am Samstag also wird das Bahnhöfle Ensingen ab 14 Uhr offiziell seiner neuen Bestimmung übergeben. Bei der Ausstellung mit Dokumenten aus den vergangenen 100 Jahren können Interessierte in Erinnerung schwelgen. In diesem Zusammenhang bittet Torsten Schmid darum, – wenn vorhanden – Fotos und Anekdoten in schriftlicher Form mitzubringen. Auf diese Weise soll die Historie des alten Gebäudes noch besser aufgearbeitet werden. Vor allem die Zeit von 1936 bis 1970 weist noch große Lücken auf. Neben der Ausstellung und einem kulinarischen Angebot wird es am Samstag auch ein Rahmenprogramm für Kinder geben.




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