Horrheim (aa). Herbert Schelling spielt wieder den Wengertschütz. Das gehört zum Horrheimer Weindörfle einfach dazu. Die Rätsche geschwungen, die Schreckschusspistole gezogen. Im dritten Versuch knallt es dann auch. Das Fest ist eröffnet. Und die Vorfreude auf einen guten Jahrgang macht sich breit. Zum 23. Mal haben die Weingärtner eingeladen. Was einst als Vermarktungsidee erfunden wurde, ist nicht mehr aus dem Horrheimer Jahresprogramm wegzudenken. Erstmals nutzt man am Wochenende auch die Möglichkeiten der Gläsernen Produktion. Ein Mitglied hatte die Idee, die bei den zuständigen Stellen im Ernährungszentrum Mittlerer Neckar und im Kreishaus Ludwigsburg gleich freudig aufgenommen wurde. Weinbergtouren und Führungen durch die Kelter werden angeboten. Bei der Kelter gibt es einen Parcours mit historischen und modernen Gerätschaften, die bei der Weinlese eingesetzt wurden und werden. Quasi in 3D. Einst wurden die Trauben in Holzbutten aus den Weinbergen getragen, in Zuber gekippt, die auf Bretterwagen standen. Kunststoffbutten mit Buttenheber waren später eine wesentliche Erleichterung bei der Arbeit. Dann zogen Schlepper mit Seilwinden die Transportschlitten durch die inzwischen flurbereinigten Anlagen. Oder Schmalspurschlepper mit Traubentransporter. Und inzwischen werden sogenannte Vollernter eingesetzt. Ungetüme, die sich wie von Geisterhand gelenkt den Weg durch die Zeilen bahnen, die Trauben sanft von den Stöcken und den Kämmen trennen. Einer dieser Weiberle-Vollernter aus Hohenhaslach wird in Horrheim viel bestaunt. 250 000 Euro kostet das Monstrum, erfährt man. Da staunen nicht nur die Gäste, die aus dem Horheim mit einem r nach Horrheim gekommen sind. Fasziniert wird immer auch wieder das traditionelle Pressen auf dem rund 200 Jahre alten Kelterbaum verfolgt. Rund 500 Kilogramm Dornfelder- und Portugieser-Trauben sind vor dem Fest schon mal geerntet worden. „Schätzen Sie mal, wie viele Öchsle gemessen wurden?“, fragt Gerd Siegle, Mitglied im Vorstand der Weingärtner Horrheim-Gündelbach, in die Runde. Die Antworten liegen alle nahe am Ergebnis: 84 Grad. „Es wird ein sehr guter Herbst, wenn das Wetter jetzt noch ein paar sonnige Tage beschert“, freut sich Siegle. „Ein toller Wein ist in Aussicht.“ Nein, man könne sich in diesem Jahr gewiss nicht beklagen, endlich habe es mal wieder ein „normales“ Jahr mit einem recht langen Winter gegeben, denn seit dem Hitzejahr 2003 habe eher mediterranes Klima geherrscht. Die Menge werde zwar sicher etwas geringer ausfallen als 2009, doch das werde durch die Qualität aufgewogen. In Horrheim und Gündelbach, wo rund 250 WG-Mitglieder eine Fläche von rund 100 Hektar bewirtschaften, soll nach der Herbstversammlung (27. September) mit der Lese der frühen Sorten (Müller-Thurgau, Acolon) begonnen werden. Das Verhältnis Rot-Weiß liegt bei der Genossenschaft derzeit bei 85:15, wobei künftig die weißen Sorten wieder mehr in den Fokus gerückt werden sollen. „Wir haben beschlossen, den Rückgang zu stoppen“, berichtet Siegle. Man will auf Trends reagieren können. Insgesamt bietet die WG derzeit rund 40 Weinsorten an; zehn rote und sechs weiße Rebstöcke stehen in den Anlagen. Geschäftsführer Kurt Grauer, der selbst im Zabergäu Wengerter ist und seit einem Jahr in Diensten der WG steht, hat da schon den Überblick. Der frisch gepresste Wein findet wie in jedem Jahr reißenden Absatz. „Do willsch Du künftig koi Milch mehr drenga“, meint Herbert Schelling beim Ausschenken zu einem kleinen Mädchen. Die Gäste fühlen sich in der warmen September-Sonne wohl. Für die Kinder gibt es erstmals ein eigenes Programm mit vielfältigen Spielangeboten, Quiz, Aromabar und Schminken. Gerd Siegle macht Laune auf den Trollinger-Cocktail, der beim Stuttgarter Weindörfle erstmals vorgestellt wurde. Die „3 Richtigen“ aus Mühlacker sorgen am Samstagabend im Zelt für Stimmung. Am Sonntag sind die Horrheimer Sänger und die Musiker des Orchestervereins zu Gast. Das Weindörfle ist ein Fest für den ganzen Ort. Es soll aber auch nicht verschwiegen werden, dass die am Freitagabend vorgesehene Weinprobe ausgefallen ist. „Die Resonanz war zu schwach“, gesteht Gerd Siegle ein. „Wir haben sie wieder abgesagt.“

