Donnerstag, 24. Mai 2012

Einschulung als Familienfest






Großer Bahnhof bei der Vaihinger Einschulungsfeier. Fotos: Arning
Großer Bahnhof bei der Vaihinger Einschulungsfeier. Fotos: Arning

Vaihingen (aa). Stadthallen-Hausmeister Andreas Franz ist immer wieder fasziniert: Bei der Einschulungsfeier hat er volles Haus. Über 600 Besucher füllen den Saal. „Ist das noch normal?“, fragt sich Franz staunend. Der erste Schultag ist für viele ein Festtag; auf einen Abc-Schützen kommen im Schnitt sechs Begleiter. Einer ist Leo Frantz aus Markgröningen. Er steht mit der Schultüte seines Enkels in der warmen Herbstsonne und freut sich über den Trubel. 1942 ist Frantz eingeschult worden, da gab es diesen Auflauf noch nicht. „Es war ja mitten im Krieg.“ Einschulung ist heute ein Familientreffen. Rektorin Kathrin Lang nimmt den Ansturm nach dem Gottesdienst gelassen. Um das Tohuwabohu einigermaßen in Griff zu bekommen, sind Sperrbänder gespannt worden, um allzu fotografierwütige Eltern und Großeltern zu bändigen. 87 Kinder werden in der Schlossbergschule in Vaihingen eingeschult. Sie werden in vier „tierische“ Klassen verteilt; zur Orientierung halten die Schülerlotsen Schilder mit Hase, Katze, Bär und Elefant hoch. „Eine ideale Quote“, freut sich die Rektorin über den neuen Jahrgang, „das passt.“ Eingeteilt sind die Jungen und Mädchen nicht nur nach dem Wohnbezirk. „Wir achten auf eine Mischung, die keine Freundschaften auseinanderreißt oder keine reinen Migrantenklassen entstehen lässt“, erzählt Kathrin Lang neben den Vorführungen auf der Stadthallenbühne. Aber natürlich könne man es nicht allen recht machen. Die Quote der unzufriedenen Eltern halte sich aber in Grenzen: „Diesmal waren es zwei Änderungswünsche.“ Hier leiste die Kooperationslehrerin wertvolle Arbeit; sie sei ab Oktober in den Kindergärten unterwegs und plane die neuen Klassen. Spannend wird es in einigen Fällen aber lpauch aus anderen Gründen werden. „Wir haben mehrere Kinder, die kein Deutsch können“, verrät Kathrin Lang. Diese „Nichtsprecher“ kommen zum Beispiel aus Bulgarien, Rumänien, aus dem Kosovo und aus der Türkei. Die Kinder werden parallel zum normalen Unterricht einzeln oder in kleinen Gruppen unterrichtet und langsam in den Klassenverband eingeklinkt. Der erste Schultag soll für alle in guter Erinnerung bleiben; dafür sorgen unter anderem die Kinder aus den vier zweiten Klassen und der Löwenchor und der Leitung von Gudrun Wehner . „Guten Morgen, guten Morgen, sagt der Himmel zu Dir“, schallt es durch den Saal. „Wir sind alle munter, jetzt geht’s los.“ Die Gäste erleben unter anderem eine zweisprachige Geschichte über eine hungrige Raupe, die sich in einen „beautiful butterfly“ (wunderschönen Schmetterling) verwandelt. Ein kleiner grüner Frosch hüpft über die Bühne, der Zirkus fordert den Beifall geradezu heraus. Die „Zweitklässler“ sind mit viel Spaß bei der Sache. „Wer freut sich, dass er in die Schule gehen darf?“, ruft Kathrin Lang in den Saal. So gut wie alle Hände recken sich in die Höhe. Gute Voraussetzungen für die vier Lehrerinnen. Die Schulleiterin wünscht, dass ihre Abc-Schützen viele gute Freunde finden und nur gute Erinnerungen an die Grundschulzeit mit in das Leben nehmen. Jetzt wird’s ernst! Die Hasen und Katzen, Bären und Elefanten formieren sich hinter ihren Schildern. Schon am Tag zuvor hatten sie in der Schule reingeschnuppert, ihre Lehrerinnen und das Klassenzimmer kennengelernt und ihre Aufkleber gemalt. Der erste Schultag ist offensichtlich auch nicht mehr das, was er mal war. Ein Hasen-Mädchen steht mit Tränen in den Augen im Saal; es hat ihre Gruppe verloren. Und die Eltern müssen hinter der Abschrankung bleiben; der Ernst des Lebens beginnt. Doch die Schülerlotsen helfen weiter. Keiner soll gleich am ersten Schultag verloren gehen.Die Bärenkinder haben ihr Zimmer gefunden. Auf den Tischen stehen ihre Schilder vom Vortag. Lehrerin Christina Lemke hat die 21 Jungen und Mädchen jetzt eine Stunde. „A bissle lesen, ab bissle ausmalen und Schreibversuche machen“ – das soll an diesem 16. September genügen. Das Schuljahr ist noch lang. Bis Mittwoch sind die Kinder jeweils vier Stunden nur bei ihren Klassenlehrerinnen, um sich an sie zu gewöhnen. Die Eltern, Großeltern, Tanten und Onkels ziehen langsam hinterher; sie werden durch die Schülermitverantwortung und den Förderverein auf dem Schulhof bewirtet, bibbern mit, wie es wohl ihren Kleinen geht. Opa Leo Frantz hält sich an der mit Fußbällen beklebten Schultüte fest. Auch für ihn ist die Einschulung ein Erlebnis. In dieser Woche werden die Abc-Schützen eingeschult. Die VKZ-Redaktion bittet um Verständnis dafür, dass sie nicht überall präsent sein kann. Die Schulen können gerne kurze Berichte einschicken; genannt werden sollten auf jeden Fall die Zahl der Schüler und der Klassen. Im Oktober wird es wie im vergangenen Jahr Sonderseiten mit Bildern der Erstklässler geben; die Schulen im Verbreitungsgebiet der VKZ wurden angeschrieben.


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