Anstoß für die neue Werkrealschule
Enzweihingen (sr). Rektor Heinz Albrecht und Oberbürgermeister Gerd Maisch ließen gestern den Ball tanzen. Im Anschluss daran kickten die Schüler der Klassen 8 a und b. Der Anstoß des Fußballturniers war auch Startschuss für die neue Werkrealschule in Enzweihingen.
Rektor Heinz Albrecht von der Enzweihinger Schule, die nun offiziell Grund- und Werkrealschule heißt, ist guter Dinge. Seine Lehranstalt ist eine der 22 Werkrealschulen mit neuem Konzept, die gestern im Landkreis Ludwigsburg an den Start gegangen sind.
Das bedeutet für die achte Klasse der Schule in Hochdorf einen Neubeginn in Enzweihingen. Denn dort befindet sich nun die Stammschule der sogenannten Außenstelle Eberdingen.
Die Achtklässler aus den Ortsteilen Eberdingen, Hochdorf und Nussdorf werden jetzt im Vaihinger Stadtteil unterrichtet. Die aktuelle neunte Klasse wird noch in Eberdingen ihren Hauptschulabschluss ablegen können.
Danach lernen dort weiterhin Grundschüler und die Klassen 5 bis 7 aus der Eberdinger Gesamtgemeinde. Ab dem Schuljahr 2011/2012 gehen folglich die Schüler der Klassen 8 b und 9 b, die seither in Eberdingen waren, sowie die 10. Klasse im Rahmen der neuen Werkrealschule in die Schule in Enzweihingen.
„Die räumlichen Kapazitäten sind da, die Lehrerstunden und die Ausstattung auch“, sagt Rektor Albrecht. Der Schulleiter aus Enzweihingen sieht die neue Werkrealschule als „Chance für Schüler, einen mittleren Bildungsabschluss zu bekommen“.
„Bessere Fördermöglichkeiten
und verbesserte,
berufsbezogene Inhalte“
Heinz Albrecht, Rektor Enzweihingen
Albrecht erkennt in der Neuerung deutlich verbesserte, berufsbezogene Inhalte und bessere Fördermöglichkeiten für die Schüler. Ein durchgängiger Bildungsplan von Klasse 5 bis 10 ersetze nun den vorherigen Bildungsplan von Klasse 5 bis 9 mit dem „aufgesetzten, freiwilligen 10. Schuljahr“. Die Fortbildungen für die Lehrer des neuen Wahlpflichtbereichs sowie der Fächer Deutsch, Mathematik und Englisch haben vor den Sommerferien schon stattgefunden, werden aber auch weiterhin fortgesetzt.
Die Arbeit zwischen den beiden frisch verbandelten Schulen sei sehr kooperativ. Albrecht: „Ich bin optimistisch, dass das gelingt.“ In zwei Jahren wird mit der 10. Klasse dann zum ersten Mal die Berufsfachschule an zwei Tagen pro Woche zum Einsatz kommen. „Die Schüler dürfen sich die Berufsfachschule, die zu ihrem Wahlpflichtbereich passt, selbst aussuchen“, erklärt Rektor Albrecht.
Mit einem Rundgang durchs Gebäude und einem Fußballturnier wurde den Neuankömmlingen aus Eberdinger der Start versüßt. Vaihingens Oberbürgermeister Gerd Maisch setzte noch ein Schmankerl oben drauf. „Wer das Turnier gewinnt, dem schicke ich einen Preis“, frohlockte er. Danach setzte er mit Rektor Albrecht den Ball in Bewegung und erntete für virtuose Kopfballeinlagen einen Sonderapplaus der Schüler.
Maisch zeigte sich überzeugt, dass sich die Eberdinger schnell zurechtfinden und neue Freundschaften schließen werden. Bei den aus beiden Schulen zusammengewürfelten Teams und auf der Zuschauerbank konnten dafür die ersten zarten Bande geknüpft werden.
„Ich stehe der neuen
Werkrealschule sehr skeptisch bis negativ gegenüber“
Klassenlehrer der 8 b, Gerhard Spörle
Gar nicht so angetan von der schulischen Neuerung hörte sich dagegen Gerhard Spörle, Klassenlehrer der 8 b, an. Er ist nun gemeinsam mit seiner Klasse nach Enzweihingen gekommen. Spörle: „Wir waren alle nicht davon begeistert, dass unsere Schule aufgelöst worden ist – am wenigsten die Eltern.“ Er selbst stehe der neuen Werkrealschule sehr skeptisch bis negativ gegenüber.
Als problematisch sieht Spörle den Unterricht in der 10. Klasse in der Berufsfachschule an. „Die platzen jetzt schon aus allen Nähten“, sagt der Klassenlehrer.
Ohne einen Sonderbus, der die Kinder nun morgens direkt zur Enzweihinger Schule fährt, wäre die Klasse vielleicht zerfallen, sagt Spörle. Viele Eltern hätten dann ihre Kinder nach Hemmingen oder Vaihingen auf die Schule geschickt. Denn die reguläre Busverbindung läuft über die Grabenstraße in Vaihingen. Insgesamt bleibe abzuwarten, wie sich die neue Werkrealschule bewährt. Spörle: „Ich guck’ mal, wie sich’s entwickelt.“
Die Schüler gehen die Sache pragmatisch an. Sefa Güncicek: „Hier ist es schon schön, aber ich muss mich erst noch daran gewöhnen.“ Lisa Karok: „Ich wäre lieber in Hochdorf geblieben, aber ich find’s hier auch schön.“ Sie freut sich, dass der Klassenverband erhalten geblieben ist. Auch Ayla Bayram findet die neue Umgebung gut, trauert aber der alten Schule noch nach: „...weil ich auch in Hochdorf wohne.“
