Bilger besucht Merbeth und Bossert
Nussdorf (elf). Neun Wochen dauerte die Sommerpause in der Bundespolitik. Eine Zeit, die Steffen Bilger, Bundestagsabgeordneter der CDU im Wahlkreis Ludwigsburg, nicht ungenutzt verstreichen lassen wollte und intensive Kontakte zur hiesigen Wirtschaft pflegte. Gestern besuchte er die Firma Merbeth und Bossert print media in Nussdorf.
Einen Bundestagsabgeordneten hat man nicht alle Tage im Haus. Kein Wunder, dass Unternehmer und Eberdinger Gemeinderat Wolfgang Bossert die Gelegenheit nutzte, auch der Kommunalpolitik einen Platz im straffen Zeitplan einzuräumen. Zu seinen Gästen zählte er deshalb auch Bürgermeister Peter Schäfer und den ehemaligen Eberdinger Schultes Ernst Kranich (1972 bis 1975).
Die ließen sich nicht lange bitten und sprachen den Bundestagsabgeordneten auf die B10-Problematik an. Berufspendler, die von Hochdorf in Richtung Stuttgart fahren wollen, hätten morgens lange Wartezeiten an der Einmündung in die Bundesstraße 10 zu erdulden. Schon lange kämpfe die Gemeinde um eine Rechtsabbiegespur, um den Verkehrsfluss zu erleichtern. Vom Regierungspräsidium (RP) Stuttgart habe es für diese – vergleichsweise günstige – Variante bislang immer eine Absage gegeben. In der Landeshauptstadt favorisiert man die große Lösung, nämlich eine direkte Verbindung zur Einmündung nach Markgröningen. Dort möchte des RP eine Kleeblattkreuzung ähnlich einem Autobahnkreuz bauen. „Die große Lösung lässt zu lange auf sich warten, weil sie an den Ausbau der gesamten Bundesstraße geknüpft ist“, sagte Bürgermeister Schäfer, der immer noch auf die Einfädelspur hofft. Ernst Kranich erkundigte sich danach, ob der B-10-Ausbau mittlerweile beantragt werden kann.
Steffen Bilger dämpfte allerdings die Erwartungen. Die Planer seien völlig überlastet gewesen. Anfang Oktober wolle er das Thema im Bundesverkehrsministerium zur Sprache bringen. „Wir müssen da unbedingt vorankommen, zumal es sich hier um eine Wachstumsregion handelt.“ Die Haushaltskonsolidierung hätte allerdings auch Auswirkungen auf den Verkehr, wo auf Einsparungen nicht verzichtet werden könne. Ernst Kranich kritisierte, dass das Geld sowohl im Verkehr als auch bezüglich der Datenautobahn (DSL) nur noch in den Osten wandern würde. Bilger gab zu: „Es ist manchmal zum Verzweifeln. Im Norden und Osten denkt man immer noch, dass es uns in Baden-Württemberg zu gut geht.“ Er versprach, in Berlin auch das Thema schnelles Internet anzusprechen.
Mit den neuesten Entwicklungen der Firma Merbeth und Bossert print media beeindruckte Wolfgang Bossert den Bundestagsabgeordneten. So stellte er ihm eine Initiative zur Reduzierung von CO2-Emmissionen vor, die auch bei der Papierherstellung und beim Druck entstehen. So hätten bereits 70 Kreise, Städte und Gemeinden in Baden-Württemberg CO2-Analysen von Merbeth und Bossert-Schwesterfirma Papergate GmbH erhalten. Bosserts Lösung: Der Einsatz von Recyclingpapier seines Unternehmens. Wenn alle Verwaltungen in Baden-Württemberg Recyclingpapiere einsetzen, könnten 1000 Tonnen CO2 eingespart werden, rechnete Bossert vor. Da Recyclingpapier günstiger ist als holzfreies Papier, würde dies außerdem eine Einsparung von rund 33 Millionen Euro im Jahr bedeuten. Auch die Bundesregierung könne mit solchem Papier einen Beitrag zum Klimaschutz leisten, so Bossert.
Dass der Nussdorfer Unternehmer von der EU-Politik profitiert, brachte Steffen Bilger zum Staunen. Der Zensus 2011, die bevorstehende Volkszählung, bescherte der Firma Merbeth und Bossert einen Großauftrag der Statistischen Landesämter. Für sie druckt die Firma die Erhebungsbögen, personalisiert die Anschreiben und versendet die Unterlagen an ausgewählte Haushalte in mehreren Bundesländern. Dabei werde ein von der Schwesterfirma Papergate GmbH entwickeltes Verfahren eingesetzt, das neben der Datensicherheit auch den Komfort für die Statistischen Landesämter sicherstellen würde. Die ersten Testauflagen würden bereits hergestellt.
Mit der gleichen Technologie entwickle das Unternehmen derzeit auch Anwendungen, die bei der Kommunalwahl 2011 in Hessen eingesetzt werden sollen. Dabei profitiere man von den Erfahrungen der Kommunalwahl 2009 in Baden-Württemberg, bei der Merbeth und Bossert den kompletten Prozess von der Herstellung bis hin zur Kuvertierung, Adressierung und Postauslieferung als Gesamtlösung angeboten hat. Um eine große Menge Stimmzettel schnell und effektiv herstellen zu können, bediene man sich eines Internetportals zur Erzeugung korrekturreifen Druckjobs. Dieses bereits 2009 in Baden-Württemberg eingesetzte Portal habe dem Nussdorfer Unternehmen die Marktführerschaft in diesem Bereich eingebracht.
Am Ende stellte Wolfgang Bossert dem Bundestagsabgeordneten das „I-Paper“ vor, ein Papier, das man wie herkömmliches Papier bedrucken und bearbeiten kann, das aber auch in der Lage ist, digitale Daten zu speichern, die optisch nicht lesbar sind. Einsetzbar sei es beispielsweise als fälschungssicheres Ticket, preiswerte Datacard, Sicherheitsetikett, speicherfähiges Formular und vieles mehr. Auch für die Rückverfolgung von versendeten Waren sei es verwendbar. Als Sicherheitspapier sei es auch für Dokumente der Bundesregierung und die Bundeswehr denkbar, machte Bossert Werbung bei Steffen Bilger und gab ihm mit auf den Weg: „Was die Zukunft der Firma Merbeth und Bossert anbelangt, sind wir optimistisch.“
