Donnerstag, 09. Februar 2012

Gelungenes Straßenfest




Trommelgruppe aus Köszeg. Foto: Bögel
Trommelgruppe aus Köszeg. Foto: Bögel

Vaihingen (ub). Martin Heidingsfelder, Organisator des Bühnenprogramms beim Vaihinger Straßenfest, hat einen gefährlichen Zweitjob: Er ist für das Wetter zuständig. Am Wochenende hatte er zusammen mit der Sonne gut lachen.
 Das perfekte Festwetter lockte am Samstag und Sonntag Tausende von Besuchern auf das 36. Vaihinger Straßenfest. Am Samstagabend war nach zögerlichem Beginn der Marktplatz proppenvoll, in der Fußgängerzone mussten die Festgänger genügend Zeit einplanen, um von A nach B zu kommen, in der Kelter beim Männergesangverein gab es keinen freien Platz mehr und das Weindörfle schien vom Raumangebot fast zu klein. Zum sechsten Mal stellten in der Keltergasse Genossenschaftskellereien und Weingüter einen ruhigen Gegenpol zum sonst bunten Treiben dar. „Wir hatten dieses Mal zu wenig Platz, das Weindorf hat richtig eingeschlagen“, sagen die Verantwortlichen.
Die rund 50 Festwirte waren mit dem Umsatz gestern Abend rundum zufrieden. „Aber steigerbar ist die Sache nicht mehr“, hieß es unisono.
Den Stellenwert des Vaihinger Straßenfestes unterstreicht auch immer die Anwesenheit der politischen Prominenz beim Fassanstich am Samstagnachmittag. Zwar wird so schnell kein Ministerpräsident mehr begrüßt werden können (Günther Oettinger schlenderte immer wieder durch die Gassen), aber immerhin machten Rainer Wieland, Vizepräsident des Europaparlaments, der Bundestagsabgeordnete Steffen Bilger sowie der Landtagsabgeordnete Wolfgang Stehmer ihre Aufwartung. Ein Prominenter war am Samstag zum letzten Mal in offizieller Funktion dabei: der aus Vaihingen stammende Polizeipräsident Konrad Jelden. Jahrelang hat er den Hauptpreis für das Kinderprogramm gestiftet – am 22. September geht es beispielsweise noch einmal zur Hundestaffel der Polizeidirektion Ludwigsburg. Mit einem Weinpräsent bedankte sich Michael Eisinger, Vorsitzender des Straßenfestausschusses, für das Engagement Jeldens.
Mit vier Schlägen trieb der Vaihinger Oberbürgermeister Gerd Maisch den Hahn ins Bierfass. Maisch erinnerte an den Start des Straßenfestes im Jahr 1975, als gemeinsames Fest aller Vereine in einer gemeinsamen neuen Stadt. „Obwohl die Stadt zusammengewachsen ist, ist es richtig, dieses Fest weiterzufeiern.“
Und die Besucher feierten am Samstag und Sonntag ausgiebig. Die Fußgängerzone war wieder das typische Nadelöhr am Samstagabend und der kostenlose Bustransfer in die Stadtteile und nach Eberdingen und Nussdorf ermöglicht den Konsum des einen oder anderen Vierteles mehr. Am Abend berichteten die Busfahrer von vollen Gefährten. „Die Leute standen wie die Sardinen in den Bussen“, so ein Fahrgast. Martin Heidingsfelder vom Straßenfestausschuss regte an, für die Busfahrt 50 Cent zu verlangen. „Das ist für die Leute kein Problem und entlastet unsere Subvention.“
Jährlich wiederkehrend sind auch die negativen Begleiterscheinungen des Straßenfestes. So verwandelte sich in der Nacht auf Sonntag beispielsweise die Marktgasse in einen Scherbenteppich. Mitgebrachte Schnapsflaschen und Flachmänner wurden von den jungen Leuten einfach auf den Straßen „entsorgt“. „Das ist kein gutes Bild für unser Straßenfest“, monierte beispielsweise Dietrich Schreek, Vorsitzender des Turnvereins.
Weil einige Klowägen bereits um 1 Uhr geschlossen wurden, beobachten mehrere Vereinsvertreter ein „wildes Herumpinkeln“ in der Stadt. Nach 1 Uhr, der offiziellen Sperrstunde, waren noch viele Besucher in der Stadt.
„Lärmgeschädigt“ haben am Samstag um 22 Uhr die Helfer des Bürger-Treffs in ihrem Höfle in der Keltergasse ihre Arbeit eingestellt. Laute Techno-Musik setzte zu – Vorsitzender Lothar Knapp: „Leute mit einem Herzschrittmacher mussten gehen, die haben das nicht ausgehalten. Wenn es noch einmal passiert, können wir am Straßenfest nicht mehr teilnehmen.“ Michael Eisinger, Vorsitzender des Straßenfestausschusses, versprach gestern Abhilfe.
Bei einem Treffen der Vereinsvertreter wurde am Sonntag ein einheitliches Pfandsystem für das nächste Jahr beschlossen. Damit soll auch der Unsitte begegnet werden, dass Gläser achtlos weggeworfen werden. Beschlossen wurde, künftig auf Birken an den Ständen zu verzichten. Zwar wurden dieses Jahr wieder über 30 Bäume angeliefert, doch niemand will sie haben. „Das ist noch ein Überbleibsel vom Maientag. Das können wir beim Straßenfest sein lassen“, sagte Walter Sämann, Vorsitzender des Schützenvereins Enzweihingen.
Das DRK Vaihingen meldete über das Vaihinger Straßenfest keine besonderen Vorkommnisse. „Sanitätsmäßig“ war es „sehr ruhig“, so Tobias Mäule. „Alkoholleichen“ will auch keiner sehen.




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