Donnerstag, 09. Februar 2012

Leseraktion im Blüba mit Volker Kugel




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Ludwigsburg (sr). Da musste ja die Sonne scheinen. 40 VKZ-Leser nutzten gestern die Chance, mit Volker Kugel durch das Blühende Barock in Ludwigsburg zu wandeln. Zwei Stunden führte der Direktor durch üppige Gärten und vorbei an geschichtsträchtigen Gemäuern.


 Mindestens einmal pro Woche hat der 15-jährige Maximilian Beutler aus Horrheim einen wichtigen Termin. Der Teenager muss Dienstagabends den Fernseher belagern: Die SWR-Serie „Grünzeug“ mit Volker Kugel läuft. Der Spross von Rosen-Beutler hat ja auch ein passendes Hobby. Er vermehrt die Dachwurz. Rund 15 000 Exemplare des Dickblattgewächses wachsen in den Gewächshäusern der Eltern.
„Schon mit Fünf hat er, wenn er mit seinem Vater auf den Großmarkt gegangen ist, seine Dachwurz verkauft“, erzählt Mutter Birgit Beutler. Nun wartet Beutler junior bei der VKZ-Leseraktion darauf sein Idol, den Direktor des Blühenden Barock Volker Kugel, persönlich kennenzulernen.
Der kommt auch schon  an den Haupteingang der Gartenschau, um die 40-köpfige Leserschar abzuholen. Mit Anekdoten, vorgetragen in schwäbischer Mundart, beeindruckender Mimik und Gestik, lässt Kugel die Zeit verfliegen. Vom Südeingang, über den Norden der Anlage auf zu fast unbekanntem Terrain geht der Rundgang mit dem Blüba-Chef.
„Habt Ihr auch Schnecken?“, möchte eine Teilnehmerin auf den ersten Metern der Tour von Kugel wissen. „Keine“, sagt der Gartenbau-Ingenieur erst scherzhaft, um dann mit Millionen aufzutrumpfen. Schließlich: „Wir haben keine ernsten Probleme, daher machen wir gar nichts.“ Aber daheim, in seinem Garten, da droht dem Weichtier der Tod durch Schneckenkorn. Das Mittel mit Eisenphosphat findet Kugel weitgehend unbedenklich und überlebenswichtig für seinen Hausgarten.
Eine Leserin hält dem Fachmann eine in einer Tüte konservierte Blume unter die Nase. „Bei Fuchsienrost“, doziert Kugel bei diesem Anblick, „ helfen die gleichen Mittel wie bei Rosenkrankheiten auch.“
Überhaupt, die Rosen. Kollegen würden teilweise behaupten, ihre Rosen seien nur mit Hilfe von oben so schön. „Wir spritzen diese Rosen mit zugelassenen Fungiziden“, räumt dagegen Kugel ein. „Anders geht’s bei uns nicht.“ Auf dem 28 Hektar großen Gelände rund um das Residenzschloss wird es den 30 fest angestellten Gärtnern nicht langweilig.
Die Gartenanlage und den Märchengarten in Schuss zu halten, das kostet Geld. Mit einer Million Euro erhält das Blühende Barock circa 20 Prozent der Gesamtkosten als Zuschuss von Stadt und Land. Kugel: „Wir erwirtschaften rund 80 Prozent der Kosten selbst.“ Mit Freizeitpark-Attraktionen wäre es ein Leichtes, mehr Besucher anzulocken. Doch das würde sich nicht mit dem Charme des denkmalgeschützten Parks vertragen.
Die Käufer der 38 000 Dauerkarten, „das ist für mich unser Freundeskreis“, sagt Kugel. Wenn diesen Blüba-Fans etwas missfällt, „dann werden wir sofort bestraft“, weiß Kugel aus Erfahrung.
Die Gruppe zieht vorbei an der Südfront des Schlosses, nächster Halt: ein rund 45 Jahre alter Zitronenbaum. Da freut sich Kugel über den guten Zustand der Kübelpflanze. Die Blätter saftig grün, Fungizide, Blatt- und Bodendüngung und ein erbarmungsloser Rückschnitt machen’s möglich. „Kein Mitleid“, sollen die Leser mit ihren Zitrusgewächsen haben, sagt Kugel und lässt die Finger wie eine Schere schnappen.
Es geht vorbei an der letzten Ruhestätte der Adligen. „Der Liebreiz einer Gruft erschließt sich mir nicht“, lässt Kugel seine Zuhörer wissen. Aber das Residenzschloss beeindruckt auch den Pflanzenspezialisten. „Ein Rundgang pro Stockwerk ist 1,2 Kilometer lang“, erläutert der Blüba-Direktor.
Die Nordfront des Gebäudes ist erreicht. „Darf man sieben Jahre keine Rosen pflanzen, wenn vorher Rosen gewachsen sind?“, fragt eine Teilnehmerin. „Blödsinn“, sagt Kugel, man müsse aber den Boden austauschen. Stichwort: Rosenmüdigkeit.
Der Blick schweift nun über den Nordgarten. Ein Stickmuster aus Pflanzen, das erst 1969 angelegt wurde. 2,2 Kilometer Buchshecken müssen dort gepflegt werden. „Wie wird denn die geschnitten?“, will ein Leser wissen.
Kugel verdeutlicht seine Antwort mit ausladenden Gesten: Mit Gefühl und frei Hand werden die geschwungenen Linien gepflegt. Schablonen haben bei den bauchigen Formen keine Chance.
Weiter geht die Reise durch das Wunderland des Blüba. Aufbauten der Kürbisausstellung kommen in Sicht. Eine Meerjungfrau mit blankem Busen und kürbisbedecktem Unterkörper thront in der Wiese. „Ob die schon fertig ist?“, fragen sich einige Leserinnen.
Der Untere Ostgarten wird durchschritten, als sich die Gruppe in einem Tunnel wiederfindet, der die Menschen in einer Voliere entlässt. „Wo bin ich denn?“, fragen sich einige verwirrt. Ganz zur Freude von Volker Kugel, der die Leser aus dem Sardischen Garten in den Oberen Ostgarten führt und zur Orientierung auf das Schloss zeigt, das wieder in Sicht ist.
Die Zeit des Abschieds naht. Kugel lobt die Leser. Diese applaudieren Kugel. Wie im Flug verging die Zeit mit dem schwäbisch sprechenden Entertainer. „Der Tipp mit aus der Sendung  hat geklappt“, gibt ihm eine Ensingerin noch mit auf den Weg.
Und Maximilian Beutler? Dem war’s ein bisschen zu viel Geschichte. Sein Trost: Das nächste „Grünzeug“ kommt bestimmt.

Geschichtliche Anekdoten:

Ludwigsburg (sr). Besondere Beachtung fanden bei der Leseraktion mit dem Direktor des Blühenden Barock, Volker Kugel, die menschlichen Anekdoten aus der Geschichte des Ludwigsburger Residenzschlosses. Dass beispielsweise Herzog Friedrich II. so beleibt war, dass er auf dem Pferd vorn überzukippen drohte, amüsierte die Leserschar sichtlich.
Auf- und Absteigen war ihm nur durch die gelenkige Stute Helene möglich, die dazu in die Knie ging. Bleiplatten auf dem Rücken des Herzogs bewahrten ihn vor dem Sturz vom hohen Ross.
Friedrich, der ab 1797 bis zu seinem Tod in Ludwigsburg residierte, war kein Kind von Traurigkeit, ließ Kugel durchblicken. Auf sein Geheiß wurde unter anderem die Burgruine, in der nun Rapunzel ihr Haar herunterlässt, erbaut, ebenso der Posillipo-Tunnel. Giacomo Casanova, Abenteurer aus Venedig, war seinerzeit sicher der berühmteste aller Besucher im Ludwigsburger Schlosstheater. Kugel: „Casanova sagte, dass Ludwigsburg einer der bedeutendsten und prächtigsten Höfe Europas ist.“
Den Grundstein für das Schloss legte 1704 Herzog Eberhard Ludwig im Nordgarten. Mitte des 18. Jahrhunderts hinterließ Herzog Carl Eugen seine Handschrift auf dem Gelände des heutigen Blüba. Nach dem Tod von Friedrich sei ewig nichts mehr in dem Areal passiert, erzählt Volker Kugel.
In Zeiten von Hunger und Not wurde Obst und Gemüse angebaut und erst viele Jahrzehnte später wurde eine Neugestaltung des Südgartens erwogen. Gartenbaudirektor Albert Schöchle ließ zur Jubiläumsgartenschau „Blühendes Barock“ 1954 die Harmonie zwischen Schloss und Garten im Sinne des Barock wieder aufleben. Am Morgen des 23. April 1954 setzte nach schweren Regenwochen pünktlich zur Gartenschaueröffnung durch den Ministerpräsidenten des Landes Baden-Württemberg endlich strahlend schönes Wetter ein. Etwa 70 Prozent der Ludwigsburger über acht Jahre lösten Dauerkarten. Dies war noch bei keiner Gartenschau in Deutschland da gewesen. Bereits im Mai konnte man den 500 000. Besucher feiern. Im Jahr 1954 konnten 2,5 Millionen Menschen auf der Gartenschau gezählt werden. Schöchle hat 1959 auch den Märchengarten eingeweiht.
Ende der 80er Jahre wurde das Schloss umfassend saniert. Kugel: „Da ist viel aus Toto-Lotto-Mitteln bezahlt worden.“
Der Direktor ist mit dem Zustand des Schlosses sehr zufrieden: „Ich bin gottfroh, ein prima Zustand, da passiert nichts."




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