Donnerstag, 24. Mai 2012

Thematische Tour




Das alte Postamt als Station. Foto: Bögel
Das alte Postamt als Station. Foto: Bögel

Vaihingen/Mühlacker (ub). „Straße, Enz und Nebenbahn – auf den Spuren der Vaihinger Verkehrsgeschichte“, heißt ein thematischer Stadtrundgang am „Tag des offenen Denkmals“ am 12. September.
 Unter dem Motto „Kultur in Bewegung – Reisen, Handel und Verkehr“ findet am Sonntag (12. September) bundesweit der Tag des offenen Denkmals statt. Das Vaihinger Stadtarchiv beteiligt sich daran mit einer rund dreistündigen Führung unter dem Titel „Straße, Enz und Nebenbahn – auf den Spuren der Vaihinger Verkehrsgeschichte.“
Stadtarchivar Lothar Behr hat zusammen mit Mitarbeiterin Andrea Majer und Stadtführer Knut Berberich einen Stadtrundgang vorbereitet, der die Themen Eisenbahn, Post, Stadttore, Fernhandelsstraße und Handelsplatz, Beherbergung und Flößerei auf der Enz aufgreift.
Ausgangspunkt der Führung ist der alte Stadtbahnhof in der Hans-Krieg-Straße. Dort besteht die Möglichkeit, die früheren Diensträume des Bahnhofsgebäudes zu besichtigen. In diesem Zusammenhang wird auf die Vaihinger Eisenbahngeschichte eingegangen. Sowohl auf die intensiven Bemühungen der Stadt um einen Bahnanschluss ab den 1830er Jahren, als auch auf die Hintergründe für die Stilllegung der WEG-Nebenbahnstrecke zu Beginn des 21. Jahrhunderts.
Die nächste Station ist das ehemalige Vaihinger Postamt in der Hans-Krieg-Straße. Schon die Taxische Post (später Thurn und Taxis) schaffte im 15. und 16. Jahrhundert wichtige Strecken- und Transportnetze, die auch Vaihingen tangierten.
Ein weiterer Schritt führt in die Grabenstraße/Ecke Heilbronner Straße. An dieser Stelle wurde um 1830 die Stadtmauer nach Norden hin aufgebrochen. Damit ergaben sich ganz neue Perspektiven für die Stadtentwicklung. Die Vorstadt entstand, ursprünglich idealtypisch geplant. Die Anlegung der kerzengeraden Heilbronner Straße zielte schon auf den späteren Nord- oder Reichsbahnhof.
Die Abhaltung von Märkten war neben der Ummauerung ein wichtiges städtisches Privileg. Der große, zentral gelegene Vaihinger Marktplatz und das Rathaus waren wichtige Plätze für den Warenaustausch. Die frühere Fernhandelsstraße (Stuttgarter Straße) sorgte für laufenden Warenverkehr und zahlreiche Durchreisende in der Stadt, die verköstigt und beherbergt werden mussten. „Nadelöhre“ stellten die Stadttore Richtung Osten (Enzweihinger Tor) und Westen (Illinger Tor) dar, deren kontrollierte Passage für die Stadt überaus einträglich war. Wer zu spät kam und die Stadt nach Schließung der Tore nicht mehr passieren konnte, fand vorübergehende Aufnahme im Armenspital in der heutigen Spitalstraße.
Am Ufer der Enz endet der Rundgang durch die Vaihinger Verkehrsgeschichte. Nicht ohne auf die wichtige Flößerei einzugehen, die jahrhundertelang auf dem Fluss, der neben der Handelsstraße eine wichtige städtische Verkehrsader bildete, betrieben wurde
Termin: Sonntag, 12. September, 14 Uhr, Treffpunkt: ehemaliger Stadtbahnhof in der Hans-Krieg-Straße, Dauer: etwa drei Stunden, die Teilnahme ist kostenlos.
Auch in Mühlacker ist am Denkmalstag einiges geboten. Auf der Burgruine Löffelstelz finden jeweils um 11 und 14 Uhr Führungen unter dem Motto „Burg Dürrmenz und die Enz als Verkehrsweg“ mit Sonngard Bodner statt. Außerdem gibt es in der Frauenkirche in Lienzingen um 11 Uhr ein Konzert des „Musikalischen Sommers“ und um 15 Uhr eine Führung mit Gerlinde Dauner. Durch die römische Villa Rustica in Enzberg führen um 11 und 14 Uhr Edelgard Gessert-Seidler mit Manfred Rapp.
Im historischen Maschinen- und Kesselhaus am Bahnhof Mühlacker öffnet von 15 bis 18 Uhr die Ausstellung „Modelleisenbahn in Betrieb“. Das Gebäude westlich des Bahnhofshauptgebäudes ist ständiger Ausstellungsraum des Modelleisenbahnclubs. Um 15.30 Uhr findet zudem eine Zeitreise mit Karl Pritzl in die bauliche und eisenbahntechnische Vergangenheit des einstigen württembergisch-badischen Grenzbahnhofs mit seinen acht Stellwerken statt.
Um 17 Uhr hält Matthais Lieb einen Vortrag zum Thema „Geschichte eines einzigartigen Bahnhofs zwischen Baden und Württemberg“. Der Bahnhofsstandort Mühlacker war einstmals in der Rangfolge nach Stuttgart und Ulm einzuordnen. Zwei eigene Bahnhöfe – ein württembergischer und ein badischer mit jeweils einer Drehscheibe – sicherten den Grenzverkehr. Die wichtigsten Gebäudeteile von 1853 sind noch erhalten. Lange Zeit war die Bahn in Mühlacker der größte Arbeitgeber, sie war auch der Motor für die Entwicklung zur Großen Kreisstadt.




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