Feuerlöschtraining dringend erwünscht
Eberdingen (rkü). Nach der ersten Schrecksekunde hat Christa Schönhardt die effektivsten Maßnahmen ergriffen: Die Leiterin des Eberdinger Kindergartens „Arche Noah“ sorgte dafür, dass das Gebäude geräumt wurde, ließ eine Kollegin die Feuerwehr alarmieren und bekämpfte selbst die Flammen – mit dem nötigen Respekt vor dem beißenden Rauch.
„Wir haben einen Knall gehört und dann hat ein Kind gesehen, dass es aus der Waschmaschine raucht“, berichtet Christa Schönhardt. Sie leitet den Kindergarten „Arche Noah“ an der Eberdinger Bachstraße. Zu diesem Zeitpunkt am Freitagmorgen war urlaubsbedingt erst ein Kind im Kindergarten – eine Viertelstunde später wären es schon wesentlich mehr gewesen. Vier Erzieherinnen und ein Kind, das war ein sehr günstiges Verhältnis für die Räumung des Kindergartens. Schönhardt selbst nahm den Feuerlöscher („Wir haben nur den einen.“) und gab zwei Stöße Löschpulver in Richtung der brennenden Waschmaschine ab, aus der mittlerweile offene Flammen schlugen. Dann floh auch sie ins Freie, um sich nicht noch länger dem giftigen Brandrauch auszusetzen. „Ich habe zum ersten Mal in meinem Leben einen Feuerlöscher benutzt“, sagt Schönhardt. „Zum Glück habe ich gut getroffen.“ Die offenen Flammen waren erstickt, den Rest erledigte einige Minuten später die Feuerwehr (VKZ hat berichtet).
Der einzige Gast im Kindergarten war ein älteres Kind aus der Schulkindbetreuung, berichtet die Kindergartenleiterin. „An einem normalen Tag außerhalb der Ferien wäre das aber eine rege Bringzeit gewesen“, überlegt sie. Das bedeutet, dass nicht nur wesentlich mehr Kinder schon in den Räumen gewesen wären, sondern auch zahlreiche Mütter und Kinderwagen mit kleineren Geschwistern im Eingangsbereich. Die Waschmaschine stand mitten im Kindergarten in einem offenen Gang und war in einer Art Küchenzeile untergebracht. „Die brauchen wir, um Geschirrtücher, Bodentücher und so weiter zu waschen. Ich hoffe, dass wir schnell wieder eine bekommen“, sagt Schönhardt. Der beißende Rauch breitete sich sehr schnell in den offenen Räumen aus. „Wären wir alle in den Gruppenräumen gewesen, dann hätten wir das nicht so schnell bemerkt“, sagt Schönhardt. „Darum habe ich die dringende Bitte, dass Rauchmelder an den prägnanten Stellen installiert werden. Auch daheim werde ich welche aufhängen, so schnell es geht.“
Der Schreck ist der Kindergartenleiterin gehörig in die Knochen gefahren. Am Freitag schickte sie alle Kinder heim, die später noch in den Kindergarten wollten. Am Samstag war sie nochmals vor Ort und hat sich die Räumlichkeiten angeschaut. Auch am Sonntag hatte sie das Erlebte noch nicht verdaut, kam in den Kindergarten und überlegte: „Was hätte alles passieren können, wenn ...?“ In ihren Überlegungen wird sie durch den Abteilungskommandant der Eberdinger Feuerwehr, Oswald Krauth, noch bestärkt. „Mir ist ganz anders geworden, als ich die Meldung bekommen habe, dass es in diesem Kindergarten brennt“, berichtet er. „Rauchmelder und fest bestimmte Sammelplätze für die Gruppen in ausreichender Entfernung zu dem Gebäude wären dringend notwendig.“
Feuerwehrkommandant Andreas Eitel bestätigt, dass es wegen genau dieser Punkte bereits im November 2009 eine Besichtigungstour mit Vertretern von Gemeinde und Feuerwehr gegeben habe. Aufgrund der Vielzahl von Gebäuden, die damals unter die Lupe genommen wurden (Kindergärten, Schulen, Halle und Rathaus) sei eine Umsetzung der für notwendig erachteten Maßnahmen allerdings nicht von heute auf morgen möglich gewesen.
Bürgermeister Peter Schäfer sagt dazu: „Der Gemeinderat hat den Auftrag an einen Fachbetrieb längst erteilt. Nach den Sommerferien sollen die Pläne in Klassenzimmern und Fluren aufgehängt werden.“ Schäfer geht davon aus, dass über die reinen Informationen und Kennzeichnungen hinaus auch Rauchmelder installiert werden. „Das kann man privaten Haushalten nicht vorschreiben, aber in unseren öffentlichen Gebäuden wollen wir mit gutem Beispiel vorangehen.“ Aufwendige Brandmeldeanlagen sollen aber nicht notwendig sein. Wie Schäfer weiter mitteilt, sollen zusätzlich Feuerwehrpläne für die öffentlichen Gebäude erstellt werden. Das soll den Einsatzkräften aus allen drei Feuerwehrabteilungen dabei helfen, sich schon auf der Anfahrt über die Besonderheiten und Aufstellflächen an den betroffenen Gebäuden zu informieren und gezielt vorzugehen.
Der Brand im Kindergarten ist früh entdeckt worden und darum glimpflich ausgegangen. Kindergartenleiterin Schönhardt hustete auch gestern noch, weil sie bei ihrem Löschversuch Rauchgas eingeatmet hat. Sie hofft, dass allen Verantwortlichen klar geworden ist, wie wichtig der Brandschutz in den öffentlichen Gebäuden ist. Für sich und die übrigen Erzieherinnen wünscht sie sich ein Feuerlöschtraining. „Eine Erste-Hilfe-Auffrischung müssen wir alle zwei Jahre machen, aber wie man in einem solchen Fall vorgeht, haben wir nie gelernt.“ Immerhin hängt im Kindergarten schon wieder ein frischer Feuerlöscher. Den hat Schönhardt der Feuerwehr abgeluchst. „Ohne den hätte ich ein schlechtes Gefühl.“ Wie wichtig er sein kann, weiß sie jetzt.
