Donnerstag, 24. Mai 2012

Nachklapp zur Wahl




Kraftakt Stimmauszählung: Zwei Kandidaten aus dem Wahlkreis Ludwigsburg haben es nach Berlin geschafft. Foto: Arning
Kraftakt Stimmauszählung: Zwei Kandidaten aus dem Wahlkreis Ludwigsburg haben es nach Berlin geschafft. Foto: Arning

Vaihingen/Ludwigsburg (elf) – Am Tag eins nach der Wahl haben im Wahlkreis 265 Ludwigsburg Steffen Bilger (CDU) und Ingrid Hönlinger (Bündnis 90/Die Grünen) ihre Koffer für Berlin gepackt. Zufriedenheit auch bei Alexander Schopf (FDP) und Hans-Jürgen Kemmerle (Die Linke), die mit ihren Erststimmen Achtungserfolge erzielten. Bei Jan Mönikes (SPD) sitzt der Stachel dafür tief. Er wird künftig bei Bundestagswahlen nicht mehr als Kandidat antreten.
Mit 39,9 Prozentpunkten hat sich der 30-jährige Steffen Bilger das Direktmandat für die CDU gesichert und tritt damit die Nachfolge von Matthias Wissmann an. Kein Wunder, dass er gestern gute Laune versprühte. „Für einen neuen Kandidaten solch ein gutes Ergebnis zu erreichen und dazu mit einem deutlichen Abstand zum Zweitplatzierten, da kann ich wirklich sehr zufrieden sein“, sagte der Jurist. Als Grund für sein Abschneiden führte er „einen engagierten Wahlkampf“ an. In vielen Vereinen und Verbänden sowie mit den Bürgern habe er das Gespräch gesucht und sich somit Vertrauen erarbeitet. Dieses gelte es jetzt zu bestätigen. Bezüglich des Zweitstimmen-Ergebnisses seiner Partei zeigte sich Bilger „positiv überrascht“. Das erwartete Zittern sei ausgeblieben. Bereits heute reist er nach Berlin, um dort an der Landesgruppensitzung sowie an der Fraktionssitzung mit den alten und neuen Abgeordneten teilzunehmen. Außerdem will sich der junge CDU-Mann in der Hauptstadt zügig um sein neues Büro sowie um eine Wohnung kümmern.
„Wir haben die Leute erreicht“, freute sich Ingrid Hönlinger vom Bündnis 90/Die Grünen, die mit 15,6 Prozent über die Landesliste eine Platz im Bundestag erhalten hat. Sie sei außerordentlich erfreut darüber, dass „wir bei den Erst- und Zweitstimmen zugelegt haben“. Ein gutes Ergebnis aus dem Wahlkreis mit nach Berlin zu bringen, stärke dort ihre Position. Auch Hönlinger wird heute – erwartungsgemäß mit dem Zug – in die Hauptstadt fahren. Mit Themen wie dem Atomausstieg hätten die Grünen die Leute sensibilisiert und vor allem auch Schüler erreicht. Auch in Bereichen wie der sozialen Gerechtigkeit sowie Bildung hätten die Grünen gepunktet. Jetzt ist die 45-Jährige darauf gespannt, in welchem Bereich sie bei den Bundes-Grünen arbeiten wird. Vor allem das Thema Bürgerrechte findet sie interessant und wird gleich politisch. So könne es beispielsweise nicht sein, dass der Geheimdienst Polizeiaufgaben übernehmen soll. „Das ist gefährlich für Deutschland“, so Hönlinger. „Auf diese Weise entsteht eine Macht im Staat.“
Im dritten Anlauf wollte es endlich auch SPD-Mann Jan Mönikes schaffen, seine 22,6 Prozent reichten allerdings längst nicht aus. „Das Entsetzen überwiegt“, stellte der 39-Jährige fest. Entsetzen weniger über sein persönliches Abschneiden als über die Tatsache, dass für die Wähler die Wahlkreisarbeit „offensichtlich keine Rolle gespielt“ hat. Wer seine Zweitstimme der FDP gab, hätte im Wahlkreis Ludwigsburg konsequent gesplittet und seine Erststimme CDU-Kandidat Steffen Bilger gegeben. Der Grünen-Wähler habe nicht gesplittet, was Mönikes demnach auch keine zusätzlichen Stimmen einbrachte. Echte Wahlkreisarbeit („mit der Hand am Ärmel“), wie er sie seit neun Jahren betreibe, sei in keiner Weise honoriert worden. An seinem Wahlkampf könne das schlechte Ergebnis nicht festgemacht werden. „Ich habe eine hohe Akzeptanz erlebt“, so Mönikes. Die Wähler hätten statt der Person eine Marke gewählt. Zudem hätte der Wunsch nach Abschaffung der Großen Koalition der FDP Wähler zugespült. Jetzt müsse sich die SPD neu finden und wieder eine Partei der linken Mitte werden. Er selbst hätte in der Vergangenheit genügend Engagement gezeigt und werde den Staffelstab nun weitergeben. Mönikes: „Ich werde nicht mehr kandidieren.“
Insgesamt 12,65 Prozent der Erststimmen gab es für den FDP-Kandidaten Alexander Schopf. Das sind sieben Prozentpunkte weniger als das Zweitstimmen-Ergebnis (19,58 Prozent) im Wahlkreis. Der 32-Jährige zeigte sich dennoch glücklich. „Mein Ergebnis hat mich total umgehauen. Ich konnte es anfangs gar nicht glauben“, sagte Schopf. Auch das Ergebnis der FDP sei traumhaft. Es habe gezeigt, dass der Wähler eine bürgerliche Regierung und keine Experimente haben wollte. Die Themen der FDP hätten überzeugt. „Wir hatten beispielsweise Antworten auf die Wirtschaftspolitik, die Bildungspolitik und die Steuerpolitik – es war das Gesamtpaket.“ Er selbst sei nach wie vor im Orts-, Kreis- und Landesvorstand der Liberalen tätig und werde weitermachen. Schopf: „Die nächste Wahl kommt bestimmt.“ Nachdem es nicht mit Berlin geklappt habe, werde er nun promovieren.
„Ich bin überaus zufrieden. Das ist ein tolles Ergebnis“, freute sich Hans-Jürgen Kemmerle (Die Linke). „Wir haben einen fairen Wahlkampf betrieben und sind inhaltlich sachlich geblieben.“ Die Linke hätte die Unterschiede zu den anderen Parteien hervorgehoben und sei dabei offenbar glaubwürdig rübergekommen. Das Problem sei gewesen, dass „wir im Wahlkreis zu wenig Leute waren“. Doch wo die Linke präsent war, sei auch das Ergebnis gut ausgefallen. Sein Hauptaugenmerk werde nun auf die Kreispolitik gelegt. Den Kommunen würden durch die sinkenden Gewerbesteuern die Einnahmen wegbrechen. Steuersenkungen seien in diesem Zusammenhang katastrophal. „Das muss man über Streichungen und eventuell über die Mehrwertsteuer wieder hereinholen“, vermutet der 56-Jährige und deutet damit an, wo er künftig Akzente setzen will. Dass Kemmler bereits gestern wieder zur Tagesordnung übergegangen ist, spricht er nur am Rande an: „Ich habe Urlaub genommen und gleich alle Wahlplakate eingesammelt.“




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