Vaihingen (sf). Willy Astor: Er ist ein Mann des Wortes; schlagfertig und ein Feingeist der brillanten Formulierung. Keiner kann derzeit Worten so humorvoll einen anderen Sinn geben, wie er. Ein Verbal-Genie vor dem Herrn. Nur eines hat ihn beim Auftritt in der Vaihinger Stadthalle am Mittwochabend kurzzeitig aus der Ruhe gebracht: Die Frage, ob er denn tatsächlich im richtigen Ort ist.
„Wo kommen Sie her?“ Eine an sich simple Frage, die schon zu Beginn des Gastspiels von Willy Astor für reichlich Lacher sorgte: Wohin er sich beim Gang ins Publikum zunächst auch wandte. Die Antwort war fast immer: „Illingen“. Kommentar des verwunderten Astor: „Wieso trete ich nicht mal in Illingen auf?“ Vielleicht folgt die Einladung aus dem Enzkreis ja tatsächlich auf dem Fuß: Der Auftritt in Vaihingen verlangt schließlich nach mehr. Selten haben sich die Gäste in der voll besetzten Stadthalle so sehr amüsiert, wie am Mittwochabend. Eine Pointe jagte die nächste. „Ich habe das Gefühl, das könnte ein guter Abend werden“, vermutete Astor schon nach wenigen Minuten.
Er sollte damit Recht behalten. Nicht nur, weil er ein Meister des Wortspiels ist. Kaum ein Comedian beherrscht dieses Sujet so perfekt wie er. Besonders gut kam vor allem auch die humorvolle Interaktion mit dem Publikum an. Die Vaihinger durften sich dabei auch über ihren ganz persönlichen Astor freuen: Zum Namen der Stadt fiel dem Künstler sofort ein Vergleich zur Bundestagswahl ein: Da müsst ihr „fei hingehn“, bemerkte er. Und angetan hat es ihm auch der Name „Enzweihingen“, den er gerade noch in der VKZ entdeckt hat: „Ihr macht's aber wirklich aus allem was“, grinste er ins Publikum. „Gibt's bei Euch auch ein Verlaufingen?“
Mit „Reimgold“ ist Astor aktuell in Deutschland, Österreich und der Schweiz auf Tournee. Längst ist sein Fankreis nicht mehr alleine auf das heimische Bayern beschränkt. Auch mit den Schwaben kann er es offensichtlich gut: Rund um die Vaihinger Stadthalle war am Mittwochabend kaum noch ein Parkplatz zu finden. Hunderte strömte dorthin, um den Wortakrobaten einmal persönlich und live zu erleben. Eine seltene Gelegenheit in dieser Region.
Erst im April wird er 2010 wieder in der Nähe sein: Auftritte sind dann in Stuttgart und Pforzheim geplant. Zu spät kommen sollte man dabei besser nicht. Sonst läuft man Gefahr, in den Genuss eines Sonder-Service zu kommen: „Hier begrüßt der Künstler noch persönlich“, rief Astor einem zu spät gekommenen Paar zu - und traf damit ins Schwarze. Woran es gelegen hat, fragte er. „Stau am Illinger Eck“. Astor kann's kaum glauben. Illingen lässt schon wieder grüßen.
Schon in den ersten Minuten ist er dabei ganz stark aufgelegt; hellwach und im Gespräch mit den Zuschauern auf jede Gelegenheit wartend, Heiterkeit im Saal verbreiten zu können. „Bitte ruhig immer in ganzen Sätzen antworten“, motiviert er seine Zuschauer, die vor dem Mikrofon teilweise noch etwas schüchtern wirken. In Robert hat er beispielsweise gleich einen Kompagnon gefunden: Wie Astor hat auch er Werkzeugmacher gelernt. Eine „echte Plaudertasche“ machte er in einem Geschäftsführer im Bereich Marketing aus Stuttgart aus. Und Matthias (18) nutzte gleich mal die Gelegenheit, Astor nach einem Fleck auf dessen Hose zu fragen.
Es ging also schon lustig los und war doch nur der Vorgeschmack auf ein Feuerwerk an Gags und zündenden Ideen, die in den folgenden rund zweieinhalb Stunden über die Bühne jagten. Da stand der Papst an vorderster Stelle. „Der Papst ist ja auch Papst geworden, weil: Er mag ja genauso wie die Agatha Christi(e).“ Unter Bayern kennt man sich und telefoniert gerne mal via „papa mobil“. Als „Rat-Singer“ ist der Papst gefragt. Und, so wusste Astor zu vermelden, er verweilt gerne mal an einem Mini-Strand (Ministrant), freut sich über die (P)Riester-Rente und ist über die Email-Adresse „urbi at orbi“ zu erreichen. Ideen hat der Mann.
Man musste ganu hinhören,
um keine Sternstunde des
Wortspiels zu verpassen
Da musste man schon genau hinhören, um keine Sternstunde des Wortspiels zu verpassen, wenn Astor beispielsweise in wenigen Minuten 141 Kinoklassiker in eine „dolle Geschichte“ einbaute. Wenn tatsächlich mal ein genialer Gag im sinnlichen Verbalrausch unterzugehen drohte, hielt Astor glücklicherweise an und gab diesen noch mal ganz langsam zu Gehör. „Gut, dass ich es noch mal gesagt habe“, grinste er dann. Und blieb am Ende ganz im Jargon der Filmsprache: „Hauptsache alle sind happy. End.“
Der Mann hatte sein Publikum also im Griff, scheute sich nicht auch vor Verbalgrätschen in sensiblere Bereiche: Das Display seines Islam-Handys beispielsweise ist verschleiert und der Akku zeigt an: Bin laden. Der Ausflug in die Sprache der Blumen mündete in das Werbekonzept von Boris Becker („Frische Blumen, frisches Laub, kauft man ein bei Samenraub“); die Riege der viel verdienenden Manager musste mit einer harten Grätsche leben („Manager: ge(h) halt; Mach dich vom Acker, Mann“).
Und auch die Schwaben hat er neuerdings im Programm: Vor einigen Wochen erst hat er ein Lied geschrieben. „Ich bin ein bisschen nervös“, bekannte Astor. „Sie werden sagen: Das wird der schon illingen.“ Hat er – auch wenn es drei Anläufe brauchte. Zweimal ließ sich der Meister vom angeheiterten Publikum anstecken und musste bei seinem Schwäbisch selbst laut lachen: „Ich kann so nicht arbeiten. Ich komme nicht über den ersten Satz raus.“ Ein sympathisches Ständle fürs Ländle ist es dann aber geworden; es zeigte viel Verständnis für die komplizierte Sprache: „Wart amole gschwend“, philosophierte Astor, würde übersetzt schließlich heißen: „Bleib gefälligst stehen und beeile Dich dabei“. Das kann wohl nur ein Schwabe verstehen.
Viel gelacht hatten die Zuschauer beim Gastspiel von Willy Astor also – auch, weil er immer wieder auf sein Publikum einging, das sich gerne auch gesanglich beteiligte. Da passte es am Ende ins Bild, dass Astor auch jenseits der Bühne für sein Publikum greifbar sein wollte. Geduldig gab er Autogramme. Die meisten ganz normal mit Stift. Mittwochs, hatte er zuvor noch auf der Bühne gefeixt, tätowiere er auf Wunsch auch gerne mal. Zum Beispiel: „I´m of Illingen“.
Ob das Angebot später tatsächlich auch nachgefragt wurde, ist allerdings nicht bekannt. Vielleicht verrät Astor das dann bei seinem nächsten Gastspiel – wahrscheinlich wird das in Illingen sein.
