Donnerstag, 24. Mai 2012

Bürgeramt feiert Geburtstag




Das Team vom Bürgeramt. Foto: Rücker
Das Team vom Bürgeramt. Foto: Rücker

Vaihingen (sr) – Für Irritationen sorgte gestern eine Geburtstagsfeier in der Vaihinger Kernstadt. Das Bürgeramt im Rathaus feierte sein zehnjähriges Bestehen und einige Besucher blieben erst einmal verdutzt am Eingangsportal stehen. „Kommen Sie rein“, lockte dann Oberbürgermeister Gerd Maisch, der zu diesem Anlass eine kleine Laudatio hielt.
 Mit den Worten „meine Mutter ist unterwegs zu ihnen“ brachte vor wenigen Jahren ein Anrufer eine Mitarbeiterin des Bürgeramtes in Vaihingen aus der Fassung. Denn es handelte sich um die sterblichen Überreste der Dame, die aus Norddeutschland per Urne auf dem Weg nach Vaihingen waren. „Das war erst sehr makaber, aber dann mussten wir so lachen“, erinnert sich Claudia Jahnke, Leiterin des Bürgeramtes von der ersten Stunde an.
Außergewöhnliche Begebenheiten gibt es im Bürgeramt immer mal wieder. „Die netten Dinge überwiegen“, sagt Jahnke. Abwechslungsreich und schön sei die Arbeit mit den Menschen und teilweise seien auch knifflige Dinge zu lösen.
Gemeinsam mit ihrem Team habe sie damals überlegt, wie die Arbeit des Bürgeramtes aussehen sollte. Es zeigte sich beispielsweise schnell, dass am Anfang zu wenig Prospektmaterial in den neuen Räumen zur Verfügung stand. Bald war auch klar, dass die Tür elektrisch geöffnet werden muss, da manche Besucher sonst einen Kampf mit dem massigen Portal ausfechten mussten.
Im Bürgeramt kann der Besucher gleich sehen, wer Zeit für ihn hat
Schon im Jahr 1996 wurde die Idee mit dem Bürgeramt gewälzt, so Oberbürgermeister Gerd Maisch bei seiner Ansprache gestern. Am 21. September 1999 war es dann so weit. Das Einwohnermeldeamt und das Passamt kamen, so Jahnke, weg vom Dasein als „muffige Amtsstuben“ in den offenen Raum im Rathausuntergeschoss. Hier können die Besucher gleich sehen, wer von den Sachbearbeitern Zeit hat. „Manche erwarten aber auch zu viel von uns“, so Jahnke weiter. Bei Wasserproblemen oder toten Tieren am Fahrbahnrand können die Mitarbeiter der viereinhalb Arbeitsstellen nicht weiterhelfen und müssen an die Fachämter verweisen.
„Das Bürgeramt wird sehr gut genutzt“, stellt der OB nach einem verzaubernden Querflötenkonzert der CJD-Jugendmusikschule fest. Es sei ein guter Raum mit direktem Zugang zum Marktplatz. Als erste Anlaufstelle für viele Bürger würden die Mitarbeiter im Bürgeramt einen ersten Eindruck von der Stadtverwaltung vermitteln. Maisch: „Der Schritt damals war richtig und gut.“
Das Thema für die kommenden Jahr laute, wie die Dienstleistungen weiter ausgebaut werden könnten. Vom Lärmpegel und vom Platz her sei das in den jetzigen Räumen nicht darstellbar, so der OB. Die Arbeitsplatzzahl könne hier nicht mehr erhöht werden. Die neue Heimat des Bürgerbüros wird voraussichtlich im Neubau des Technischen Rathauses auf dem Adlerplatz sein, sagt Claudia Jahnke über die Zukunft.
 Rund 2000 Besucher und 1000 Anrufer treten pro Monat mit den Bürgeramtmitarbeitern in Kontakt. Zusätzlich sei auch viel Hintergrundarbeit nötig, die keiner bemerke, betont Jahnke. Besonders in hektischen Zeiten „würde man das ohne das Team nicht packen“. Passend zum Geburtstag präsentieren sich die Räumlichkeiten renoviert in neuem Farben- und Teppichkleid.
 Vor wenigen Monaten, erzählt Jahnke im freundlich-frischen Bürgeramt, habe ein Holländer eine E-Mail geschickt. Er sei auf der Suche nach seinem Kumpel, mit dem er in den 60er Jahren durch Asien getrampt war. ‚Ich bog nach Syrien ab‘, habe der Holländer geschrieben. „Die Formulierung war so klasse“, schwärmt Jahnke. Nur den Vornamen, das ungefähre Alter und dass er aus Vaihingen war, habe der Anfragende von seinem alten Weggefährten noch gewusst. Mit Hilfe von Archivar Lothar Behr wurde der Gesuchte tatsächlich ausfindig gemacht. Dem Mann aus Holland konnte das Bürgeramt schließlich die Nachricht zusenden, dass sein alter Reisebegleiter in Südafrika weilt. „Da kann er dann über die deutsche Botschaft weitersuchen“, sagt die Bürgeramtsleiterin, „der hat sich so gefreut.“
Die Urne aus Norddeutschland kam übrigens tatsächlich im Bürgeramt an. Sie wurde an den Bestatter weitergeleitet.




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