Vaihingen (sr) – Zum zweiten Mal tritt Ingrid Hönlinger für die Grünen im Wahlkreis Ludwigsburg als Bundestagskandidatin an. „Grün pur“ lautet das Motto und Hönlinger freut sich schon mal auf die Bundestagsphase in ihrem Leben.
So schnell wirft die 45-Jährige nichts um. Da geht noch was, da sind noch Energien, auch in den Endzügen des Wahlkampfs: „Mit Schwung in die letzte Woche“, sagt Ingrid Hönlinger und strahlt.
Es ist der zweite Antritt der Ludwigsburgerin als Direktkandidatin der Grünen für den Wahlkreis Ludwgisburg bei der Bundestagswahl. Und in diesem Jahr setzt die Partei aufs Ganze, oder besser gesagt aufs Grüne. Das Wahlkampfmotto lautet „Grün pur“. Kein Direktkandidat einer anderen Partei wird empfohlen, die Grünen spekulieren auf die Erst- und Zweitstimme der Wähler. Hönlinger: „Wir sollten nicht immer sagen, wir sind die Kleinen.“ Sie sei realistisch genug, sagt die Rechtsanwältin, und wisse, „dass der Einzug in den Bundestag über ein Direktmandat unwahrscheinlich ist.“
Es sei eine Entwicklung, die man langfristig sehen müsse. Die Situation für die Chancen auf ein Direktmandat könne sich ändern. Immerhin wittert Hönlinger an ihren Info-Ständen und bei Veranstaltungen eine andere Stimmung als bei der Wahl 2005. Es könnte viele Leute geben, die zum ersten Mal Grün wählen.
Über den Listenplatz ist der Einzug von Ingrid Hönlinger in den Bundestag nicht unwahrscheinlich. Für die Arbeit in Berlin fühlt sie sich durchaus gerüstet. „Mich interessiert einfach die Bundespolitik“, so Hönlinger. Ihr Jura-Studium sei eine sehr gute Grundlage für diese Aufgabe. Ebenso habe sie als Anwältin durchaus Erfahrung im Durchsetzen und Durchboxen von Interessen. Verhandlungen, wie man zu Kompromissen kommt, die seien ihr täglich Brot.
Zum Vaihinger Bürgerentscheid sagt Hönlinger: „Das finde ich wirklich gut, dass die Bürger entscheiden. Wir Grünen sind für mehr Bürgerbeteiligung, weil das der Politikverdrossenheit entgegenwirkt.“ Dass sich in Vaihingen viele junge Leute mit grünen Themen beschäftigen, habe sie neulich auf einer Veranstaltung registriert: „Das finde ich klasse.“
Grüne Ideen, die seien für ihren Wahlkreis Ludwigsburg wichtig. So habe der Mittelstand im Handwerk mit erneuerbaren Energien eine Möglichkeit, Arbeitsplätze zu erhalten und zu erschaffen, Stichwort Gebäudesanierung und Heizungsbau. Die Vorteile fürs Klima liegen auf der Hand.
In Sachen Autoindustrie erkennt Hönlinger: „Wir sind auch in einer Strukturkrise.“ Größer, stärker, schneller – so könne es im Fahrzeugbau nicht weitergehen. Das Ziel solle vielmehr sein, mit weniger Rohstoffen auzukommen. Hönlinger: „Wenn wir das schaffen, haben wir einen großen Vorteil auf dem Weltmarkt.“
Ein Umdenken sei vonnöten. Innovativ sein, das sei gefordert. Das führt Hönlinger zum nächsten Thema. „Bildung ist für mich der Schlüssel, unter anderem für soziale Gerechtigkeit“, so die Kandidatin. Deutschland müsse als Land mit wenig Rohstoffen in die Köpfe investieren. Bildung dürfe nicht von sozialer Herkunft abhängen. „Wir Grünen wollen die neunjährige Basisschule mit Förderung für Begabungen und die Ganztagesbetreuung.“ Hier knüpft die Kandidatin gleich an den nächsten Gedanken an. Hönlinger: „Das ist wiederum für die Mütter wichtig, wenn sie ihre berufliche Qualifikation in Arbeit umsetzen wollen.“ Schade sei, dass die Mädchen in der Schule häufig sehr fit sind, sich in den Führungsebenen aber nur wenige Frauen finden.
Der Landkreis Ludwigsburg sei sowohl städtisch, als auch ländlich geprägt. Gut findet da die Grüne, dass die Landwirte im Kreis die Gentechnik „sehr kritisch beäugen“. „Wir Grünen setzen uns ganz stark für gesundes Essen ein“, sagt Hönlinger, „wir würden uns wünschen, dass mehr Bioanbau stattfindet.“ Gerne mit Spezialisierung, da sieht die Kandidatin eine „gute Marktentwicklung, ich sehe da Potenzial“. Biogasanlagen stellen ein weiters Standbein für die Landwirte dar. Allerdings dürfe dadurch die Nahrungsmittelproduktion nicht beeinflusst werden. Eine Abwärmenutzung und der regionale Anbau der pflanzlichen Rohstoffe sollten beim Betrieb einer Biogasanlage Voraussetzungen sein.
Streitfall Atomausstieg: Das Argument, dass in Deutschland ohne Atomstrom die Lichter ausgehen würden, entkräftet Hönlinger. „Im letzten Jahr sind sieben Atomkraftwerke vom Netz gegangen und die Lichter sind noch an.“ Deutschland sei nach wie vor Stromexportland. Atommüll, Asse, Gorleben – „es ist haarsträubend, wie mit den Gefahren umgegangen wird“. Auch Uran sei ein endlicher Rohstoff und schaffe beim Abbau „riesengroße Umweltprobleme“.
Falls Ingrid Hönlinger in den Bundestag einzieht, würde sie ihr Häusle und die Kanzlei in Ludwigsburg behalten: „Der Wahlkreisbezug ist wichtig.“ Das Leben kann in verschiedenen Phasen ablaufen. Sie selbst kann sich nun auf eine mögliche Bundestagsphase freuen.
