Vaihingen (ub). In zehn Tagen wird bei der Bundestagswahl in Vaihingen auch über eine Fahrradbahn auf der stillgelegten Bahntrasse zwischen Enzweihingen und Kleinglattbach abgestimmt. Damit können die Bürger im Land zum ersten Mal mit einem Bürgerentscheid ein Votum für das Radfahren abgeben.
Im Vorfeld dieser Entscheidung verteilt die Initiative „Fahrradbahn Vaihingen“, die mit der Sammlung von über 3000 Unterschriften ein Bürgerbegehren in Gang setzte und damit den ersten Bürgerentscheid in der Geschichte Vaihingens erzwang, 14000 Flyer an alle Haushalte der Stadt. „Es ist noch Gesprächsbedarf da und die amtliche Information der Stadt Vaihingen zum Bürgerentscheid hat eher für Verunsicherung gesorgt“, sagen Rudolf Reuter, Elke Schenk und Jörg Zimpel vom Aktionsbündnis.
Am Sonntag (20. September) findet von 14 bis 18 Uhr deshalb ein Aktions- und Infotag im Löwensaal der Vaihinger Stadthalle statt. Auch die sieben Kilometer lange Bahntrasse kann an diesem Nachmittag erkundet werden; die Strecke, auf der nach dem Willen der Initiative künftig Radfahrer und Fußgänger unterwegs sein sollen, ist mit Luftballons markiert.
Im Mittelpunkt stehen am Sonntag sowohl Fragen zum Bürgerentscheid als auch zur Fahrradbahn selbst. Nachfragen erwartet die Initiative zu den Kosten sowie Möglichkeiten der Finanzierung. „Wir hoffen, dass die Stadt die zugesagten detaillierten Unterlagen zu ihrer Kostenberechnung von 1,6 Millionen Euro vor Sonntag zur Verfügung stellt“, sagt Initiativen-Mitglied Sabine Künkel. Baden-Württemberg will Fahrradland Nr. 1 werden und überarbeitet gerade das Entflechtungsgesetz. Dann werden auch eigenständige Radwege zu 50 Prozent gefördert. „Da liegen wir mit dem Bürgerentscheid zeitlich genau richtig“, meint Künkel.
Für viele Anhänger des „Bembele“ ist die Gretchenfrage, ob mit dem Radweg die Zukunft des innerstädtischen Bahnverkehrs verbaut ist. Recherchen der Initiative Fahrradbahn führen zu dem Ergebnis, dass das nicht der Fall sei: Der Regionalplan für die Region Stuttgart zum Beispiel empfiehlt bei stillgelegten Strecken die Trassensicherung durch die Anlage von Geh- und Radwegen. „Vielleicht werden die Bahnfreunde den Radwegunterstützern eines Tages dankbar sein: Die Anlage eines Radweges verhindert die Zerschlagung, Filetierung und Verbauung der Trasse“ , heißt es in einer Mitteilung der Initiative.
Zur Information und Diskussion stehen den Bürgern neben Mitgliedern der Initiative auch Experten zur Verfügung – zum Beispiel Prof. Roland Geitmann, Hochschule für öffentliche Verwaltung in Kehl und Berater von Mehr Demokratie e. V., sowie Thomas Baur, Landesvorsitzender des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs. Der ADFC-Chef im Vorfeld der Veranstaltung: „In vielen Gegenden Baden-Württembergs sind stillgelegte Bahntrassen zu Radwegen ausgebaut worden. Bei Radfahrern sind diese Strecken beliebt. Auch Bürger, die anfangs skeptisch waren, haben das Rad entdeckt und möchten diese Wege heute nicht mehr missen.“
Zu viel trockene Kost müssen die Besucher jedoch nicht fürchten. Dafür sorgt das Radler-Vesper, aber auch eine Fotoschau über eine ungewöhnliche Trassenmarkierung oder Preisrätsel mit Verlosung für kleine und große Radfahrer und Fußgänger. Für eine gute Stimmung wird nicht zuletzt das witzige musikalische Begleitprogramm sorgen, mit der Uraufführung des Vaihinger Bürgerliedes sowie der Vaihinger Fahrradbahn-Moritat.
Die Bevölkerung wird an diesem Sonntagnachmittag auch eingeladen, die von der Initiative auf besondere Weise markierte Trasse vor Ort zu erleben. Bei einem Spaziergang oder einer Radfahrt auf den teilweise vorhandenen Parallelwegen entlang der Trasse können dabei „die Vorteile einer solchen zentralen Achse quer durch die Stadt selbst erlebt werden“.
Während sich der Gemeinderat und der Oberbürgermeister gegen den Bau des beantragten Radwegs ausgesprochen haben und dafür plädieren, die einmalige Möglichkeit für einen innerstädtischen Bahnbetrieb nicht aufzugeben, streicht die Initiative den Nutzen eines Radwegs auf der seit 2002 stillgelegten Bahntrasse heraus. Schenk: „Wenn die Trasse so liegen bleibt, hat es Nutzen für niemand.“ Dabei zieht die Initiative auch ein von der Stadt in Auftrag gegebenes Mobilitätsgutachten heran. Darin wird ein „Generaldefizit eines fahrradfreundlichen Klimas in der gesamten Kernstadt als dem wichtigsten Fahrradverkehrsbereich des Kommunalraums Vaihingen“ beklagt.
