Donnerstag, 24. Mai 2012

Pausenhof statt Parkplätze




Auf dem Areal zwischen Realschule und Stadthalle in Vaihingen sollen Sport- und Bewegungsflächen für Kinder und Jugendliche entstehen. Foto: Bögel
Auf dem Areal zwischen Realschule und Stadthalle in Vaihingen sollen Sport- und Bewegungsflächen für Kinder und Jugendliche entstehen. Foto: Bögel

Vaihingen (ub). Olaf Büscher, Schulleiter der Ferdinand-Steinbeis-Realschule in Vaihingen, freute sich am Montagabend im Vaihinger Rathaus. „Es war ein langer Kampf“, frohlockte Büscher. Wenige Minuten zuvor machte der Stadtteilausschuss grundsätzlich den Weg frei für eine Umgestaltung der Pausenhoffläche – einschließlich der Parkplätze hinter der Stadthalle.
Bereits im Jahr 2005 wollte die Schule das Areal zwischen dem Schulgebäude und der Stadthalle ausschließlich als Pausenhof nutzen. Der Stadtteilausschuss blockte ab. Vier Jahre später stellt sich die Situation anders da: In den Klassenstufen 5 und 6 wird ab diesem Schuljahr der Unterricht als Ganztagesschule in der offenen Form praktiziert. Schulleiter Olaf Büscher: „Der Ganztagesunterricht sieht verpflichtend die Einrichtung von Bewegungspausen und -angeboten vor. Da im unmittelbaren Einzugsbereich der Ferdinand-Steinbeis-Realschule weder Sporthallen noch Spielplätze zur Verfügung stehen, die in den beiden 20-minütigen Pausen zu erreichen wären, muss der Schulhof als Bewegungsraum genutzt werden. Die derzeitige Gestaltung der Fläche erschwert eine solche Nutzung aber erheblich und stellt wegen der Verletzungsgefahr ein Sicherheitsrisiko dar.“
Auch könne diese Spielfläche ab 17 Uhr für die Öffentlichkeit zur Verfügung stehen. Der Mangel an Frei- und Bewegungsflächen für Kinder und Jugendliche im Kernstadtbereich werde immer wieder kritisiert und Abhilfe gefordert. Büscher: „Lieber eine Spielfläche hinter der Stadthalle als nur Grabenstraße.“
Pausenhofangebot reicht
weder qualitativ noch quantitativ
Das derzeitige Pausenhofangebot der Ferdinand-Steinbeis-Realschule (FSR) ist mit rund 1500 Quadratmetern weder qualitativ noch quantitativ ausreichend. Nach den allgemeinen Schulbauempfehlungen für Baden-Württemberg sollen drei bis fünf Quadratmeter Schulhoffläche je Schüler bereitgestellt werden, das wären im Falle der Realschule zwischen 1800 und 3000 Quadratmeter.
Zur qualitativen Aufstockung der Schulhoffläche zwischen Schulgebäude und Stadthalle hat die FSR zwei Vorschläge gemacht. Oberbürgermeister Gerd Maisch: „Es geht heute darum, grünes oder rotes Licht zu geben. Dann können die Fachämter in die konkrete Planung einsteigen.“
Die Alternative „Spielplatz“ geht davon aus, dass auf eine Nutzung der Fläche als Parkplatz in der Regel verzichtet und die Fläche durch Absperrpfosten für den Kfz-Verkehr gesperrt wird. Bei großen Veranstaltungen in der Stadthalle könne die Fläche wieder kurzfristig als Parkplatz genutzt werden. Ansonsten stehe sie aber ausschließlich als Freifläche für Sport und Spiel auch außerhalb der Unterrichtszeiten für alle Kinder und Jugendliche zur Verfügung. Bei der Alternative „Parkplatz“ gibt es eine gemischte Nutzung der Freifläche als Bewegungsraum während der Unterrichtszeit von 7 bis 17 Uhr und danach als Parkplatz von 17 bis 7 Uhr. Bei dieser Version müsse bei der Auswahl der Materialien zur Spielflächengestaltung der Hauptgesichtspunkt auf hohe Mobilität liegen und entsprechend leichtere und mobile Geräte zum Einsatz kommen. Netzpfosten und Netz müssten täglich und am Wochenende entfernt werden.
Bei der Debatte im Stadtteilausschuss wurden allerdings Bedenken wegen des Wegfalls der Parkplätze hinter der Stadthalle laut. Walter Sämann: „Jahr für Jahr werden sukzessiv Parkplätze für die Stadthalle abgebaut. Wir müssen genau überlegen, ob wir uns das leisten können.“ Jürgen Rapp: „Ich habe große Probleme damit, wenn Parkplätze für die Stadthalle wegfallen.“
Nach dem Umbau der Stadthalle stehen im rückwärtigen Bereich noch 16 Parkplätze zur Verfügung – allerdings nur bei einem optimalen Parken. Oberbürgermeister Maisch sicherte bei der Diskussion zu, dass die Zahl der Stellplätze erhalten werden soll beziehungsweise an einer anderen Stelle neue Plätze geschaffen werden. Auch müsse man in diesem Zusammenhang das Thema Behindertenparkplätze am Bahndamm angehen – hier gibt es einen entsprechenden Beschluss des Gemeinderats. Maisch: „Klar ist aber auch, dass wir mit der Umgestaltung des Schulhofs reagieren müssen.“
Die Umgestaltung der Pausenhoffläche ist mit Kosten von rund 64000 Euro verbunden. An den Kosten für die Sportanlagen und -geräte wollen sich der Förderverein, der Elternbeirat und die Schule beteiligen. Am 16. September behandelt der Sozial- und Kulturausschuss die Neugestaltung des Pausenhofs. In den Sommerferien soll die Fläche zwischen Realschule und Stadthalle weiterhin als Platz für das Open-Air-Kino zur Verfügung stehen.




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